paul johnson

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FP:
Du bist wohl einer der am meisten arbeitenden Producer in Chicago, jede Woche eine neue Platte auf den verschiedensten Labeln ...
Paul Johnson:
Kann man wohl sagen, ich bin ziemlich drin.

FP:
Wann hast du damit angefangen?
PJ:
So um 1990.

FP:
Fast schon erstaunlich, dein Name wird ja mittlerweile automatisch mit Chicago identifiziert. So wie die Dinge liegen, hätte man eigentlich annehmen müssen, daß du in den Early Days schon dabei warst.
PJ:
Ist auch nicht ganz falsch, weil ich ja vorher schon DJ war, schon seit 85 leg ich hier auf.

FP:
Was war das damals?
PJ:
Das waren so Sachen wie AEIOU, Overseas Kram, sehr kommerziell. Ein bißchen bitter, aber schreib das auf jeden Fall, unglaublich kommerziell. Als die Jahre dann so vorbeigingen, kam ich immer mehr zum Underground.

FP:
Wer hat dich beeinflußt ?
PJ:
Zuerst mal Armando & Farley & Jefferson.

FP:
Weil du mit denen rumhingst?
PJ:
Ja, kann man so sagen. Armando hat mir beigebracht, wie man Tracks macht. Und weil wir auf verschiedene Partys zusammen gingen. Wir wohnen ja alle in der Nachbarschaft. Marshall und alle. Wenn es also eine Party gab, waren wir immer alle da. Und ich habe sie auflegen sehn, das hat mich stark beeinflußt.

FP:
Was hat dich an der Szene angezogen?
PJ:
Das Partyfeeling, die Lautstärke, alles, ich wollte einfach ein Teil davon sein. Ich wußte , daß ich genau das machen wollte. Als ich auf meiner ersten Party war, wollte ich schon nicht mehr nach Hause. Ich hab damals ziemlichen Ärger bekommen wegen sowas. Bin immer sehr lange weggeblieben und hab mir die dümmsten Ausreden einfallen lassen, wie: "Ich habe meine Schlüssel verloren".


FP:
Immer diese Eltern...
PJ:
Ja ja, aber das ist halt, wie es läuft, und meine Ausreden haben meist auch hingehauen.

FP:
Wie stehen die jetzt zu den Sachen, die du machst?
PJ:
Oh, sie lieben alles, was ich mache. Als ich angefangen habe, dachten sie, das wäre so eine vorübergehende Laune oder sowas wie Breakdance oder eines dieser Modedinger, die ich mitgemacht habe. Sie dachten halt, mit der Musik wäre es genauso. Aber jetzt, 10 Jahre später, supporten sie mich, so gut sie können. Meine Mutter ist ein richtiger Fan, sie hat jede einzelne Platte, die ich gemacht habe. 22 bis jetzt. Ich dachte nicht, daß es soviele wären.

FP:
Ohne die Remixe und so.
PJ:
Stimmt, die sind noch nicht mal dabei. Auch nicht die Compilations und so.

FP:
Du arbeitest sehr viel mit Louis Bell zusammen.
PJ:
Ja, wir haben diese kleine Partnerschaft ins Leben gerufen. Wann immer du 2 Man On Wax auf einer Platte siehst, sind wir beide das. Das ist jetzt erst seit November letzten Jahres. Aber es klappt sehr gut.

FP:
Vorher hast du meist alleine gearbeitet?
PJ:
Nur zum Teil, um es ganz klar zu sagen. Das kann man gut trennen. Basement Trax, das bin ich und Robert Armani. Wenn man eine Traxxmen sieht, dann bin ich das und Eric Martin. Das sind die einzigen. Meine besten Freunde.

FP:
Deine erste Platte, was war das?
PJ:
"It's Time to Overload" auf Razor Rec. Das war so 90.


FP:
Wie bist du dann zu Dance Mania gekommen.
PJ:
Das lief über Armando, der hat mich bei denen eingeführt. Und bei denen bin ich geblieben. Und Relief natürlich. Der Grund dafür, daß ich zuerst mit so vielen Labeln zusammengearbeitet habe war, daß alle etwas anderes wollten, und genau das konnte ich ziemlich gut.

FP:
Hast du dein eigenes Label?
PJ:
Ich hatte ein eigenes, Power. Jetzt habe ich keins, aber ich werde bald eins haben: Nite Life Records. Auch ein Name, den wir schon mal hatten, mit Dance Mania zusammen. Aber bald werde ich das zu meinem ganz eigenen Label machen. Und mich um alles kümmern. Das wird alles ein bißchen anstrengend für mich werden, weil ich ja soviel mache ... >>> Sekunde Mal, da ist jemand an der Tür >>> oh, ist Armando.

FP:
Wie ist der Unterschied zwischen dem Vibe bei Cajual und dem bei Dance Mania?
PJ:
Das läßt sich ziemlich gut in Worte fassen. Der Vibe bei Cajual ist Underground. Der bei Dance Mania ist mehr wirklicher Basement Style, der Stil, den ich perfektioniert habe. Als wir angefangen haben zu mixen, konntest du diese Art von Trax wirklich nur in Basements hören, wenn man zu jemand in den Keller gegangen ist. Daher kommt der Stil. Etwas, das man nirgendwo hören kann, es sei denn, einer von uns legt wirklich auch auf.

FP:
Es ist hart. Hardcore. Und alles klingt extrem lebendig und live produziert.
PJ:
Stimmt, ist es auch. Alles ist analog, wir lieben es einfach, alles analog zu machen anstatt einen Computer laufen zu lassen. Ich liebe es, das live zu machen. Wir machen verschiedenste Clubs, mal hat man seinen eigenen, mal macht man Partys, und es gibt immer eine Möglichkeit, seine eigenen Tracks zu hören.


FP:
Die Raveszene ist ziemlich anders, oder?
PJ:
Ja, muß man schon sagen. Ich war vor kurzem in Schottland. Die Partys, die sie da machen, sind seltsamer Weise unseren recht ähnlich. Chicago ist schon irgendwie stolz, die Overseas Raveszene ins Rollen gebracht zu haben. Ich war immer fasziniert von Raves, und bin froh, daß sie wiederkommen.

FP:
Ja, das ist freier. Man kann eher als in einem Club machen, was man will . Viel besser.
Was ist dein musikalischer Background?
PJ:
Oh, ich hatte ja nichts mit der Houseszene zu tun am Anfang und war immer mit meinen Eltern zusammen. Sie haben gehört, was sie Dustys nennen. Alte Sachen aus den 60ern und 70ern.

FP:
Wegen dem Staub auf den Platten und dem Knistern?
PJ:
Oh nein. Naja, schon ein bißchen, einfach weil die Sachen alt sind, angestaubt. Man muß sie abstauben, um sie zu spielen. Viel Rhythm & Blues und sowas. Ich habe Soul gehört. Aber als Housemusic kam, war das wie eine Wandlung. Ich höre zwar noch ab und zu R&B, aber Housemusic ist so riesig, ich liebe es bis ins letzte, es gibt soviele verschiedene Sachen.

FP:
Was ist dir am liebsten.
PJ:
Ich mache ja selber Underground- und Basement-Sachen, und höre sie auch beide unglaublich gerne Aber ich mag auch Trance, mit 303 Sounds drin, wiauwiuaralrekuowieraweroieowiue. Darüber habe ich auch vor kurzem mit Armando geredet, deshalb bringt er grade seine 303 und wir machen ein paar Technotracks. Das muß sein. Ich weiß, daß ich das kann, hab ja auch schon viele 303 Tracks gemacht, aber hätte nie gedacht, daß das so abgehen würde.


FP:
Wie hast du Saskia kennengelernt?
PJ:
Das ging über Mike Dearborne. Wir haben hier früher in Chicago in der gleichen Radiostation, WKKC aufgelegt. Nachdem wir von der Highschool runter waren, haben wir irgendwie den Kontakt verloren. Sahen uns nur noch ab und an, und stellten irgendwie fest, daß wir beide Musik machen. Er hat mir erzählt, daß er mit einem europäischen Label in Kontakt war, die sich nach Chicagoartists umsehen, und das war halt Djax. Da hab ich sie angerufen und der Rest ist Geschichte.

FP:
Machst du noch Sachen für Djax?
PJ:
Sie hat mir grade ein Fax geschickt. Ob ich nicht Lust hätte, wieder was zu machen. Ich muß sie unbedingt mal wieder anrufen. Wir haben bestimmt seit einem Jahr nicht mehr miteinander geredet. Ich hatte soviel zu tun, war so beschäftigt.

FP:
Du hattest keinen festen Vertrag mit ihr, der über deinen Namen ging oder?
PJ:
Nein, ich mache nur nichtexclusive Verträge. Das muß man machen. Erstens kann ich so machen was ich will. Wenn irgendein Label etwas von mir haben will, bin ich bereit. Das ist einfach besser, weil man auch verschiedenste Stile machen kann.

FP:
Was war die Geschichte mit der Warehouseplatte?
PJ:
Oh, du meinst die Play Those Horns? Das war etwas, was ich so zum Spaß gemacht habe. Ich hatte grade ein Coltrane Tape gehört und rumgespielt, da wollte ich so was machen. Und hier im Warehouse, wo ich auflege, habe ich ihnen gesagt: "Hey, wie wärs mit einem Track für das Warehouse?" Armando fand das alles prima. Er meinte, das muß man unbedingt rausbringen und er mochte es sogar so sehr, daß er dafür sein Label Warehouse nochmal in Gang gebracht hat. Wäre eigentlich nicht passiert.

FP:
Macht er weiter?
PJ:
Ja, er ist auf dem Weg, genaugenommen geht er grade bei mir in den Keller. Aber er macht auch Remixe, die wohl dann auf Warehouse kommen sollen.


FP:
Wie findest du die Chicagoszene?
PJ:
Ich mag es sehr gerne jetzt. Vor drei Jahren war alles irgendwie am Ende. Keiner wollte mehr Parties machen. Als Rave auftauchte, kam alles wieder.und ist Mittlerweile ist es wieder so wie es vor vielen Jahren war. Die Atmosphäre ist besser und alles ist free. Keiner stört keinen.

FP:
Die Producer auch nicht?
PJ:
Naja, es gab unglaublich viele Eifersüchteleien. Keiner wollte, daß die anderen weiterkommen als sie selber. Aber jetzt finden sehr viele wieder zusammen. Das hilft.

FP:
Gibt es noch diesen Streit zwischen Chicago und Detroit?
PJ:
Alle erzählen, daß Detroit nicht mit uns zusammenarbeiten will, was ich nie verstanden & auch nie so gesehen habe.

FP:
Wer hat Housemusic erfunden? Das war doch der große Streit.
PJ:
Frankie Knuckles hat es von New York nach Chicago gebracht und das orginal Warehouse aufgemacht, so '75. Da war ich mal grade 5 Jahre alt. Da hat alles angefangen. Und Derrik May und die ganzen sind ja eigentlich erst nach Detroit gezogen. Jeder weiß das eigentlich. Die Leute von Chicago und die von Detroit kennen die Geschicht eigentlich. Mittlerweile ist die Musik ja auch ganz anders. Sehr unterschiedlich ...

FP:
Was denkst du über das Wiederauftauchen von Elektro, denn das passiert zur Zeit in Detroit, oder?
PJ:
Das ist OK, ich mag es sehr gerne. Manches ist mir ein bißchen zu verrückt ...


FP:
Was machst du in Zukunft?
PJ:
Ich werde mehr im Ausland auflegen. Ich habe damit erst angefangen, weil die Leute nicht wußten, daß ich auflege. Banging Chicagostyle. Schottland war ja das erste Mal, und das war ziemlich gut. Hier habe ich viele Raves gemacht, Chicago, Ohio und so, aber das mit Schottland war neu und ich bin ziemlich neugierig auf Deutschland.

FP:
Seltsam, daß du jetzt erst kommst.
PJ:
Stimmt, sagen viele, aber jetzt geht das los. Sneak und ich werden zum ersten Mal in Deutschland im April auflegen.Weiß nur noch nicht genau wo. Am 27ten. Liegt Berlin in Deutschland?


Diskographie


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