formula 7

< Jungle in Deutschland                                              Adam F >

FP: Wie bist Du zur Hardcore- Szene gekommen?
Roy: Das hat vor 4 Jahren angefangen, als ich das Label gegründet habe. Ich war gerade auf dem Sprung, einer der größeren DJs zu werden und legte in den großen Clubs auf. Mir ging allerdings sehr schnell das Verhältnis der DJs untereinander auf die Nerven, all dieses kindische Gezänk, und so habe ich dann einfach mehr Musik gemacht, meine Energien umgeladen und und Formula 7 gegründet.

Was hast Du zu der Zeit aufgelegt?
Hardcore, so wie es damals war. Alles hat mit Hardcore angefangen. Obwohl es jetzt vielleicht ein bißchen hinterherhinkt, wenn es noch so klingt wie vor drei Jahren. Für uns, die wir mit der Hardcoreszene groß geworden sind, sind die Happy Hardcore Tracks einfach Schnee von gestern. Was es im Moment wirklich ist, und was alle zusammenbringt, ist Jungle. Ob Du nun schwarz bist, weiß oder Chinese oder zu welcher Rasse Du auch immer gehörst, es ist Musik, und die bringt uns alle in einer sehr erfreulichen Umgebung zusammen.

Was nennst Du jetzt Jungle?
Oh, der Jungle, über den ich jetzt spreche, ist eigentlich etwas, das man eher Intelligent Drum & Bass nennen sollte. Ich bin jetzt schon ein bißchen unglücklich, daß ich das Wort Jungle benutzt habe, weil viele dann einfach nur das Raggaelement in Drum & Bass Tracks meinen. Daher kommt ja vielleicht auch das Wort Jungle, aus einer Szene, die einen starken Raggabackground hatte, aber von da aus hat es sich ja immer weiterentwickelt. Und es gibt auch eine Menge gute Jungletracks, die keine Raggaelemente mehr haben, und genau das machen wir.

Was gabs für Dich vor Hardcore?
Ich war ein paar Jahre weg gewesen und als ich nach Hause kam, gab es auf einmal diese große Raveszene.


Wo warst Du denn?
Im Knast, einer der königlichen Besserungsanstalten. Nun gut, da kam ich raus, wollte mich bessern auf die Art und Weise, daß ich was neues tun wollte, das ich vorher nicht getan hatte, also habe ich ein Piratenradio angefangen. Jeder hat mich am Anfang fertig gemacht und mir erzählt, ich würde das nicht durchhalten, aber in der Zeit, in der ich die Station durchgezogen habe, habe ich eigentlich einen sehr guten Ruf bekommen.

Wie hieß die Station damals?
Friends Radio. Eine der größten Stationen hier in London vor 3 Jahren. Vor zwei Jahren habe ich dann eine andere Station aufgemacht, Format. Aber dann habe ich mich ganz von der Pitatenszene zurückgezogen, um mich mehr auf die Musik zu konzentrieren.

Hat die Piratenszene Deine Musik irgendwie beeinflußt?
Was mich wirklich beeinflußt hat, ist eher die Musik. mit der ich aufgewachsen bin, und die immer sehr jazzy und auch sehr Reggae war. Aber die Art Reggae, die ich gehört habe, das waren eher solche Sachen wie die von Bob Marley. Ich würde Shabba Ranks und Aswad nicht Raggae-Artists nennen, weil sie für mich einfach nur Mist machen. Ich werde nicht rumlaufen, wie das jetzt einige machen, und behaupten, ich wäre ein großer Fan von diesen Leuten, weil ich es eben einfach nicht bin. Bob Marley und Peter Tosh, das sind die Leute, die wirklich rootsige Seite von der Musik. Wenn man sich einige Jungletracks anhört, die zur Zeit rauskommen, dann hört man das auch bei anderen.

Aber die Jungletracks, die gar keine Beziehung zu Reggae haben, sondern nur mit diesem schönen Drum & Bass Element arbeiten, sind noch wichtiger. Was genau da passiert im Junglehype, ist eigentlich ganz einfach. Die englischen Ragga- Leute haben gemerkt, daß sie kein Geld machen, und als sie mitbekamen, daß das Jungle Ding Geld abwirft sind sie alle auf den fahrenden Zug aufgesprungen. Jungle, oder Intelligent Drum & Bass, wie wir es vielleicht besser nennen sollten, ist ein Ding, das ganz alleine in England entstanden ist. Es ist etwas, das wir stolz der Welt zeigen können, und von dem wir behaupten können, daß es unser eigenes ist: Wir haben das vollbracht, nicht irgendwelche Amis oder Europäer oder wer auch immer, wir haben damit begonnen.


Was ist das für ein Gefühl, wenn jetzt alle Leute auf diese Szene aufspringen wollen?
In gewisser Weise ist das natürlich beunruhigend, aber so ganz eindeutig kann ich das nicht sagen. Wir arbeiten zum Beispiel gerade an ein paar Remixen, einen von Steve V für Warner Rec. und einen für Amerika, wovon wir ganz klar auch profitieren werden. Die Leute, die kommen, weil sie Remixes von uns haben wollen, kommen aus den richtigen Gründen, die sie aber vielleicht selbst nicht ganz verstehen: sie wissen, daß genau diese Musik da draußen funktioniert und sie denken sich: "Laß uns doch einfach ein paar neue Talente ausprobieren, mal sehen, ob wir die nicht auch in die Charts bringen." Wir stehen nicht auf dieses Chart-Ding, aber für uns heißt Remixen auch immer, daß man vielen Leuten zeigen kann, daß es uns gibt, daß es Hardcore gibt, und nicht nur diesen Chartscheiß. Wir sind da sehr offen.

Vor einem Monat konnte man noch beunruhigt sein, daß genau die falschen Leute vom Hype profitieren, aber das scheint sich ja nun doch nicht zu bewahrheiten.
Nein, die müssen schon zu uns kommen, und tun es auch, von unserer Seite wird es da keine Anbiederung geben. Das haben wir nicht nötig. Wir haben die Kontrolle. Die können uns nicht sagen wie wir die mixe machen sollen. Wir machen es in unserem Stil oder gar nicht. Und wenn sie es nicht mögen, dann haben sie schon dafür bezahlt und können uns mal.


Mit wem arbeitest du am häufigsten?
DJ Bones, Dexterous D, Bizzy B, TDK und mit Kenny Ken. Es gibt einige. Später im Jahr werde ich wohl was für Moving Shadow machen. Wer mit mir arbeiten will, soll kommen, ich gebe jedem eine Chance. Quayside läuft vielleicht auch deshalb so gut. Formula 7 ist als Name jetzt zwar verkauft für ein Jahr an No Limits in Deutschland, eine Schwesterfirma von BMG, hat sich da rangepirscht, aber Quayside wird immer mein Label sein und die ganzen Artist bleiben hier. Wir werden unseren Namen nicht verkaufen.

Immerhin wird es keinen Formula-7- Release im nächsten Jahr geben.
Aber Formula 7 ist ja das gleiche wie Mad Bones, und die bleiben bei uns, das bin ja schließlich ich selber. Also wird das Formula-7-Material nach wie vor bei uns sein. Mad Bones ist zwar eigentlich ein Projekt von mir und DJ Bones, aber da er zur Zeit Techno macht, bleibt das mein Projekt.

Techno > > tatsächlich >?
Ja, Formula 7 war früher auch schon etwas technoorientiert. Er ist zu dem zurückgekehrt, was er am liebsten macht, und ich mache das, was ich am liebsten mache.

Schon seltsam.
Wir haben übrigens einen neuen Act auf Quayside, Brotherhood, von mir und Dexterous D, aber das wollen wir eigentlich geheimhalten. Bis jetzt weiß es keiner.


Glaubst Du, daß der europäische Markt für Hardcore interessant ist?
Wenn du den Track, den wir für No Limits gemacht haben hören könntest, wüßtest Du, daß es einfach Hardcore ist. So werden wir auch die gesamte Musik beeinflussen, indem wir genau dem treu bleiben, was wir immer gemacht haben. Harte Drum & Bass Sachen, die nicht ihre Roots vergessen.

Worauf ich hinaus wollte: daß ich bezweifle, daß der Hype dann wirklich beim Publikum landet.
Das werden die schon irgendwie hinbekommen. Sony hat gerade das S.O.U.R.-Album gekauft, und wenn die schon 30.000 Pfund hinblättern, um das in Japan zu veröffentlichen, dann werden die schon irgendwie versuchen, es loszuwerden. Irgendwas werden die schon kalkuliert haben.

Die Majors sind jetzt auch alle mit drin und werden alles versuchen.
Viele der Jungs hier würden sich auch gerne verkaufen, aber viele bleiben, so wie wir, immer noch unabhängig. Einen Act können sie haben. Der Rest bleibt unsere Sache.

Ich bin immer noch nicht sicher, ob das tatsächlich funktioniert.
Das ist auch letztendlich gar nicht so wichtig, oder? Was zählt, ist, daß die Leute gemerkt haben, was die Kids heute wollen und was ihnen wichtig ist. Und es hat Jungle schon insofern auf die Landkarte gebracht, daß die Leute gemerkt haben, daß aus England auch noch was kommt, das anders ist. Ob es nun so groß wird, wie sich die Major Firmen vielleicht versprechen, ist unwichtig. Es hat den Leuten gezeigt, daß wir da sind und etwas eigenes machen. Wir haben keinen Ami-hiphop kopiert, keinen Soul, nichts. Es ist alles unseres, und es ist englisch. Wenn wir nicht in die anderen Länder kommen, was solls. Unsere Szene hier reicht uns völlig. Die Leute hier kaufen mehr von unseren Platten als je zuvor, und das ist die größte Anerkennung.

Man wird hier ja unerklärlicherweise mit einer extremen Presse gegenüber einer so kleinen Szene konfrontiert, daß man einfach nichts genaues weiß. Seltsame DJs aus London landen als Junglehelden in Fernsehshows und kein Mensch, der sich ein bißchen in der Szene auskennt, hat je von denen gehört.
Die gibt es auch hier. Ich werde den Hype genießen. Sollen sie doch machen, was sie wollen. Ich war damals dabei als DJ, war auf dem selben Weg, auf dem jetzt Grooverider ist, und er ist immer noch da. Wir sind immer noch da. Die DJs haben es allerdings schwerer, weil sie nicht mal mehr Testpressings auflegen können. Es müssen unbedingt Dubplates sein. Alle stecken voller Neid. Das tötet die DJ-Szene.


Hier hat einfach keiner Dubplates. Was solls. Was macht macht Bizzy?
Der hat mit Dream Team gerade ziemlichen Erfolg. `Stamina' wird ziemlich massiv werden. Er ist nicht mehr der Bizzy, den man kannte, und der überall durch die Gegend rast, sondern eher überlegt. Die Tracks werden dadurch natürlich nur noch wierder.

Wie ist die generelle Stimmung in der Szene?
Es ist ziemlich OK. Als dieses Levy Ding passierte, ging es ja iemlich ab. Es gab Leute, die wollten ihn killen, glaub mir. Echt böse, aber alle sind wieder auf dem richtigen Weg. Alle haben sich wieder beruhigt. Die Musik wird auch wieder anders und das Ragga-Element verschwindet so langsam wieder. Es geht eher um harte Drum & Bass Sachen mit Vocals.

Was für Vocals?
Gesang einfach. Es gibt viele gute Sachen in der Richtung.

Was ist Dein Lieblingstrack von Deinem Label?
Dance With Me. Das spricht einfach jeden an, selbst Leute, die älter sind als ich, findens gut: Kids aber genau so, es ist einfach eine Hymne. Die Raveszene hatte immer den Grundgedanken, die Freiheit zu tanzen, das ist `dance with me'. Jeder kann dazu tanzen, es ist Musik und man mag es für das, was es ist.

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