dj sneak

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Du machst beides sehr intensiv, aber welche Seite ist Dir wichtiger: auflegen oder produzieren?
Eigentlich beides gleich gerne.

Wo legst du auf in Chicago?
In verschiedenen Clubs wie das Red Dog oder die Mami Bar, Downtown Chicago. Ab und zu ein Rave.

Du hast früh angefangen aufzulegen.
So um '86, als "Bedroom-DJ". Man fängt an zu üben. Und dann so um 89 habe ich angefangen mit Housepartys und dann bewegt man sich so vorwärts.

Du machst ja für verschiedene Label Tracks; Radikal Fear, Relief, Cajual
Ja, ich habe auch einen auf Henry Streat Records. Das ist meine letzte EP, Polyester EP, vor der auf Radikal Fear.

Viel zu tun?
Ich bin ziemlich gut drin. Bin so ein bißchen hinter dem Vorhang geblieben für einige Zeit, aber hab jetzt die Chance, viele Platten rauszubringen. Und genau das zu tun, was ich schon lange tun wollte.

Felix hat uns erzählt, daß Du bald noch massiver auf den Plan treten wirst.
Ich hoffe, ich habe einen guten Kopf auf meinen Schultern, und ich mag das, was ich mache sehr. Du kannst dich drauf verlassen, daß ich nicht aufgetaucht bin, um wieder zu verschwinden. Ich werde jetzt erst mal da sein.


Wie würdest Deine verschiedenen Stile nennen. Deine Platten sind ja sehr unterschiedlich.
Die Blue Funk Sachen, das ist genau die Sache, die ich spiele, hinter der ich 100 Prozent stehe. Wenn ich auflege, klingt das genau so. Ich spiele neue und alte Sachen zusammen, suche die Verbindungen. Die Polyester-Sache und die Moondoggy EP, das ist so mehr dieser Disco-Vibe. Das mag ich natürlich auch sehr, aber es scheinen mir doch zuviele Leute auf diesen Disco-Vibe zu stehen. Meine Lieblinge sind die alten Armando-Sachen und frühe Trax. Die Blue Funk Platte war das Produkt meiner Wut.

Man fing an, mich über die Funkadelic Relics und die Polyester EP zu sehr mit diesem Discostyle zu identifizieren, man wollte mich festlegen. Wow! "Du verkaufst Dich", fingen meine Freunde an zu erzählen. Aber ich habe ihnen gesagt: "Nein, ich komme wieder zurück, und ich will unter keinen Umständen einem Stil verschrieben sein. Ich will, daß die Leute sich fragen, was mein nächster Schritt sein wird." Das ist der Schlüssel dafür, lange da zu sein. Man muß die Stimmung einfangen können, in der man ist.

Was ist die Story der Train Tracks EP?
Es ist vielleicht eine Art Gimmick, aber auch mehr. Ich hatte mir ein altes Farley Jackmaster-Funk-Tape wieder angehört. Er mixte immer wieder diesen Zug da rein. Das hat mich inspiriert. Ich wollte etwas von dieser Oldschoolstimmung zu den Kids bringen, die jetzt neu dabei sind.

Auf einmal hatte ich 4 Tracks, die genau so klangen, wie Train Tracks. Der, der Runaway Train heißt, ist ja schon ziemlich hart, fast schon Techno, etwas verrückt. Und der "Dont Stop"-Track klingt ehrlich gesagt wie eine Platte, die ich schon immer haben wollte, aber nie bekommen konnte. Da dachte ich, ich mache es einfach selber.

Das ist genau diese Atmosphäre geworden. Eine verlassene Station, in die noch ein Zug einfährt. Wie in alten Schwarzweißfilmen. Ziemlich dicht.
Ja, ich mag diese Tracks. Die sind so ein bißchen auf der Grenze. Der Stil löst sich irgendwie auf, und es wird etwas ganz einzigartiges. Ich mag die Train-Tracks sehr gerne. Ich habe noch ein paar andere Sachen, die ich im Moment gerne mag, und die noch nicht rausgekommen sind. Nicht wie die Train-Tracks, aber sehr Trax-Tracks-artig. Die Leute werden noch etwas warten müssen. Ich habe genug Material.


Es ja schon seltsam, daß Du nie eine Platte auf Dance Mania gemacht hast.
Tatsächlich habe ich mit dem Besitzer von Dance Mania schon einiges gemacht. Ich arbeite eigentlich immer in Plattenläden, seit sechs Jahren, und vor kurzem habe ich ihm tatsächlich angeboten, etwas mit ihm zu machen, denn Dance Mania ist definitiv jetzt wieder das Label, das es mal war. Ich werde auch etwas mit DJ Rush machen, auf meinem eigenen Label, Defiant Records.

Ah, das ist Deins.
Ja, drei Platten gibts bis jetzt. Die Sneaky Tracks, Beats & Noises EP, die irgendwie nicht lief - aber jetzt hat ein Export-Typ alle haben wollen - und vor kurzem die Sneaky Tracks Two. Und ich möchte, daß mein Label einfach mit den anderen zusammenwächst. Und ganz bestimmt werde ich eine mit DJ Rush machen.

Warum ist Chicago wieder zurück?
Ich glaube nicht wirklich, daß es weg war. Nur sehr ruhig. Jeder hat sich auf das gestürzt, was wir angefangen haben, und soviele auch gesagt haben, daß sie House erfunden haben, wir wissen es alle: Die Originators, die DJs und Producer kamen alle aus Chicago. Ich würde sagen, es war Zeit für Chicago, wieder aufzuwachen und den Thron wieder zu übernehmen. Die Leute auf der ganzen Welt haben wieder von uns geredet, und es war einfach Zeit. Viele von den alten Producern sind ja weggezogen und die Leute, die jetzt Sachen rausbringen, sind alle eine neue Generation. Ich selber, obwohl ich ja schon etwas länger dabei bin, halte mich für einen Teil dieser Generation. Es gibt soviele, die jetzt erst anfangen, 17jährige Kids.

Wer sind die alle?
Jede Menge Kids. Southsidekids, wie DJ Funk, bestimmt einer der vielversprechendsten, und eine Menge andere Leute noch. Bei Dance Mania gibt es bestimmt fünf oder sechs neue Producer, die ihren Kram jetzt zusammen haben. Und dann noch die, die schon länger dabei sind und jetzt endlich was rausbringen wollen. Die kommen zu mir und fragen mich um Rat, sehen irgendwie zu mir auf, obwohl ich bestimmt noch nicht da bin, wo ich hin will, nicht mal der Anflug von einem Star.

Ich bin erst 24, und wenn Leute zu mir kommen, und Hilfe wollen, dann bekommen sie die auch. Das ist auch einer der Günde für die Krise, die wir hatten. Viele von den älteren Leuten, die hier gearbeitet haben, sind sich gegenseitig in den Rücken gefallen. Ein Grund mehr, Cajmere hochzuhalten. Er ist einer der besten Produzenten die wir haben, und er hilft den andern.


Er hat ja auch extrem viele Leute hervorgebracht.
Ja, der hat uns irgendwie alle zusammengebracht. Manchmal ist es sehr lustig zu seinem Office zu kommen und da sitzen dann 15 Kids rum, die alle über nichts anderes reden als Tracks zu machen. Cajmere bringt definitiv alle zusammen und smart ist der auch noch. Er hat sich die Leute rausgesucht, die am besten zusammenarbeiten können. Seine Freundschaft bedeutet mir auch sehr viel. Ich nehme das sehr ernst. Jeder ist hier irgendwie auf seinem eigenen Ding. Felix, Roy und DJ Skull, die leben in der gleichen Nachbarschaft, Southside. Die von Relief leben überall in der Stadt verstreut, aber wir tauschen uns aus. Die anderen haben alle ihre Posse, und wenn du nicht mit ihnen lebst, dann lassen sie dich links liegen. Chicago könnte wieder auf dem Maximum sein, wenn alle zusammenarbeiten. Ich freue mich schon auf eine Relief Compilation. Es wäre einfach wichtig zu zeigen, wieviele gute Leute er schon zusammengebracht hat.

Was von Deinen eigenen Tracks ist dein Lieblingsstück?
Schwer zu sagen, es gibt auf jeder EP Tracks, die ich sehr mag. Den Larry Heard Track auf der Blue Funk, den, der so mellow ist, Funkadelic Relic, auf der funkigen Seite, von der Moon Doggy den Message of Love, wegen dem Sample und weil er so hype ist. Wenn mich jemand fragen würde, wie ich den gemacht habe, keine Ahnung. Ich bin aufgewacht, auf der falschen Seite meines Bettes, ich war irgendwie verrückt und da kam dieses Ding bei raus.


Mit welchem Equipment arbeitest du?
Nur mit einer 909, Akai-S950-Sampler, Alesis Quadraverb, Mackie 1604 Mixing Board und einem kleinen Yamaha Keyboard, sehr einfaches Zeug. Ich habe noch andere Sachen hier rumstehen, aber die sind nie angeschlossen.

Und was nimmst du als Sequencer?
Die 909.

Das machen viele in Chicago.
Ich hab auch einen Sequencer auf dem Mac, aber den brauch ich nie. Ich habe keine Lust, das Programm zu lernen und obendrein mag ich die Art, wie meine Sachen zur Zeit entstehen. Die Leute sagen mir, ich sollte mir dieses oder jenes kaufen. Aber wenn ich damit nicht glücklich bin, was soll das dann? Ich hatte mal alles so zusammengesteckt, daß ich den Computer benutzen konnte. Aber ich hab es mir angesehen, war frustriert und habe alles wieder auseinandergestöpselt. Leute, die viele Sachen haben, wissen meist nicht, wie sie es benutzen können. Die meisten, die wenig haben, kennen sich extrem gut damit aus. Wenn ich will, kann ich einen Track in einer Stunde machen.

Viele Leute denken, ich könnte meine Sachen nicht mit dem Equipment machen, das ich habe. Aber es geht, wenn man weiß, wie es funktioniert. Der Akai MPC und die DR 8 sind hier ziemlich beliebt, aber ich stehe auf meine 909. Das ist das erste, was ich mir gekauft habe, und dabei werde ich wohl immer bleiben. Meine Roland 909. Mmm. Wieviel Equipment ich auch immer haben werde, die ist das, was alles zusammenhält. Ich liebe sie. Ich bin auch glücklich, daß sie nicht mehr gebaut wird. So kann sie nicht jeder benutzen.

Sie ist viel zu teuer geworden.
... und schwer zu finden. Meine hat mich damals 350 Dollar gekostet. Ich hatte sogar mal zwei. Aber ein Freund von mir, DJ Hyperactiv, ein großer Ravertyp, wollte unbedingt eine haben. Ich hab ihm gesagt: "Nein, ich will meine beiden behalten!" Aber dann hab ich sie ihm für das Geld verkauft, das sie mich gekostet hat. Jetzt macht er Raves in Chicago. Das meine ich, wenn ich sage, daß man Leuten helfen soll, weil es wieder auf einen zurückfällt. Ich mag es, Leuten dabei zu helfen anzufangen. Das war damals wirklich eines der Probleme: Jeder wollte für sich allein sein. Jetzt wissen alle, daß man viel mehr zusammen machen kann.


Produzierst Du auch mit anderen zusammen?
Produzieren eigentlich weniger. Es gibt immer mal so ein paar jüngere Producer, die vorbeikommen und mich nach einem Rat fragen, die wollen, daß ich mir ihre Tracks anhöre und ihnen sage, wem sie die geben könnten. Besonders der eine, der demnächst als Baby Pop Tracks auf Relief rausbringen wird, der ist immer hier und wir tauschen uns intensiv aus.

Was wäre dein Traum?
Ehrlich gesagt, wäre es mir am liebsten, hier in Chicago auf einer Party zu sein, bei der alle Leute von den verschiedensten Labeln in einem Raum sein könnten, ohne befürchten zu müssen, ein Messer in den Rücken zu bekommen. Viele von denen können sich wirklich überhaupt nicht leiden. Entweder streiten die sich oder was auch immer. Da ist immer diese Stimmung, dieses Knistern.

Ich bin nicht so. Ich kann eigentlich mit jedem umgehen. Unity ist sehr wichtig. Deshalb haben es auch einige Leute in New York so gut geschafft, weil sie zusammenhalten. Die reden zwar schlecht übereinander, aber nachher halten sie trotzdem zusammen. Deshalb war New York eine zeitlang auch musikalisch so gut. Genau das passiert jetzt hoffentlich durch Cajmere in Chicago.

Du zeichnest auch gerne.
Ich bin auch Künstler. Hab eines Tages mal das Bild gemalt, und Felix kam an und meinte, warum gibst du mir das nicht für das Label von deiner Platte? Ich dachte, der spinnt. Aber er hats wirklich genommen, und es sieht ziemlich cool aus. Ich habe auch eins für seine nächste Platte gemacht, weiß aber nicht, ob er es nimmt, so eine Housecat mit einem Afro, Afrocat. Cool. Ich werde in Zukunft öfter so etwas machen. Das wird das ganze etwas auflockern.

Kennst du Like A Tim?
Nur seine Platten. Die haben auch coole Logos, falls du darauf anspielst. Die Tracks sind natürlich auch cool. Wenn ich irgendwo auflege, fragen mich immer sehr viele Leute, was für Platten ich da auflege, denn ich bemale immer die Testpressings, die ich habe. Die sind sehr bunt. Ich mag sowas und will Labels machen in der Art funkadelic 70ger und 90ger zusammen. Sehr farbig. Das ist so ein Sneak-Ding.

Woher hast du den Namen?
Als ich nach Chicago kam, war ich ein Graffitti-Artist und das war mein Tagging. Als ich dann auflegte, viel es mir schwer, noch einen Namen zu finden und bin einfach bei Sneak geblieben. Das ging auch ganz gut. Ich bin sehr sneaky, wenn ich mixe. Wenn ich mal einen Track auflege, der bestimmt extrem gut kommt, weil ihn alle kennen oder was auch immer, dann lasse ich den ziemlich einschleichen. Was immer ich auch tue, ich trage meinen Namen schon zurecht.

Hattest du je Probleme mit dem Sprühen?
Tatsächlich war ich gute 8 bis 9 Jahre auf den Straßen und bin nie geschnappt worden. Einmal bin ich in der High School von einem Kunstlehrer erwischt worden. Er hat mich glücklicherweise nicht bestraft, sondern mir beigebracht, das ganze zu nutzen. Mit Farbe und Canvas zu arbeiten und so... Du wirst wohl bald einige meiner Bilder sehen. Ich will die rausbringen. Zum Glück wars das einzige mal, wo ich geschnappt wurde. Danke Gott, sonst wär ich wohl nicht hier. Manchmal mache ich noch Wände. Aber das machen sie wieder weg, weils illegal ist. In Chicago ist die Graffittiszene sehr lebendig. Die haben Undercovercops. Es ist hart. Ohne Reform kann man da ganz schön Angst bekommen.

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