dan curtin

< Paul Johnson                                                      Muzak >



Auch wenn jetzt viele aufschreien und sagen, daß seine Art, Stücke zu schreiben, mehr einen europäischen Ansatz haben, einem konstruiertem Etwas, das den direkten Weg oft nicht gehen mag, so hat er schon 91 Stücke für Carl Craigs Retroactive Label Stücke produziert, die nie erschienen sind, aber seine stilistische Nähe zu ihm markieren.

Seit dieser Zeit ist viel passiert. Neben den Veröffentlichungen auf seinem eigenem Label "Planetary" und "Origins" hat er vier Platten auf Peace Frog veröffentlicht. Unter dem Projektnamen "Apogee" veröffentlichte er eine EP und eine LP, die vom Stil seinen eigenen Platten sehr nahe kamen, spätestens mit der Dream Not Of Today EP zeigte sich eine stilistische Weiterentwicklung, die Saxophon und Pianoaccorde in Jazz-typischer Art und Weise einfließen ließen, wie wir es verstärkt auch von Houseproduktionen kennen.

Bei der Purveyers Of Fine Funk, die er zusammen mit Tasuro Heyashi gemacht hat, wirft er überraschender Weise seine Stringsounds aus den Stücken und besticht durch minimalistische Chicago- und Acid-Stücke, mit weichen, für dieses Genre untypischen 808 Bassdrums.Vor kurzer Zeit veröffentlichte er seine erste Platte auf Strictly Rythm, die unverwechselbar seine fast schon sporadisch wirkenden Rythmuswechsel mit etwas konventionelleren Percussion Sounds kombinierte.

Die neueste Platte auf seinem Label Metamorphic ist vor zwei Wochen erschienen. Quadri-Locular ist von dem neuen Artisten Morgan Geist und knüpft an den Stil der ersten Veröffentlichungen an, obwohl nur der Dan Curtin Remix von "Room 120-2" dieses bizarre Drum-Programming zeigt, das ihm alleine gehört. Neben diesen Projekten hat er zusätzlich auf dem Tokyoer Label Sublime eine Platte veröffentlicht.


Der Student der Filmwissenschaft (woher sonst sollten seine phantastischen Sounds kommen?), fing 1988 auf dem College an, sich für Hip Hop zu interessieren. Er war DJ in Hip Hop Crews, hörte aber 1990 auf, um sich auf das Produzieren konzentrieren zu können. Seine ersten Instrumente waren ein Yamaha PSS 30 Sampler und eine Roland 626.

1992 erschien seine erste Platte auf Kenny Larkins eigenem Label Sinewave, "3rd From The Sun". Er schätzt Derrick May und Carl Craig, hält aber seine Umgebung (hat bis vor kurzem noch auf dem Land gewohnt) für inspirativer. Wichtig für ihn ist es, neue Sounds in den Stücke zu verarbeiten, traditionelle Sounds zu verarbeiten langweilt ihn.

Deshalb verfolgt er die Musikszene und sieht ein großes Potential in Leuten wie Ken Ishi und Black Dog. Speziell in England sind seine Platten sehr beliebt, und er ist ein gern gesehender DJ. Im Zuge seiner Platte auf Strictly Rythm und der Promotion-Tour sollten wir ihn in Köln treffen.

Wir warten auf Dan Curtin, um ihn in seinem Hotelzimmer zu treffen. Noch 10 Minuten heißt es, und wir treffen ihn ebenso lässig mit offenen Jeans und nassen Haaren. Direkt spreche ich ihn auf seinen neuen Haarschnitt an, denn überrascht muß ich festellen, daß er seinen Sixties-Beatnik-Schnitt geopfert hat zugunsten eines Moby-ähnlichen Kurzhaarschnitts. Coole Getränke aus der Minibar. Cool.

Im Rahmen der Tour ist er mit DJ Pierre und Ralph Rosario unterwegs. Es scheint wieder mal nach dem alten Gesetz zu funktionieren: Schaffst du es im Big Apple, hast du es überall geschafft. Ein wenig unangenehm stößt mir der Gedanke auf, daß ein Künstler wie Dan Curtin, der die Speerspitze des experimentellen Detroit Techno bildet, erst durch ein großes traditionelles House Label wie Strictly Rhythm die Chance bekommt, nach Deutschland zu kommen. Dennoch, mein Gedanke wird zerstreut, denn wie er mir erzählt, war er schon zuvor in Deutschland und hat erst vor kurzem eine Platte auf Strictly herausgebracht.

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