
Die Releases auf Lucky Spin ließen ihn aus dem Nirgendwo auftauchen und durch seine ersten Section-5-Veröffentlichungen war er neben Roni Size, Dillinja und Photek einer der Meistgenannten der neuen Generation von Drum & Bass-Wunderkindern.
Seine Art, die Beats immer wieder durch neue Elemente zu verschieben und mit Melodien und Tricks auszufüllen, ist einzigartig. Er ist derjenige, der durch eine unmerklich leicht wirkende Hymne jeden in der Szene auf das Wesentliche zurückführt. Ein Mehr an Musikalität, lange prophezeit und von vielen hierzulande etwas vorschnell mit einer Ausuferung in die endlosen Weiten der kitschigen Flächen identifiziert und mit Schrecken erwartet, nimmt mit ihm, Omni Trio und vielen anderen als Vorreitern langsam Gestalt an und wird in seiner Ausarbeitung eigentlich von Monat zu Monat spannender. Wider Erwarten sind es nicht die Flächen, die zählen, sondern frische Melodien, die den ganzen Track in sich einschließen und in denen die Drums und die Basslines, ohne an Intensität zu verlieren, eingegliedert werden.
Jungle geht in eine Phase, die weiter denn je von Ragga oder Techno entfernt ist, weil es sich den Wiederholungen und der immer für notwendig gehaltenen Linearität immer mehr widersetzt und bald in akustisches Design übergehen wird. Hardcore bleibt dabei immer mehr als eine Kunstform, mehr als Effizienz und mehr als Musik. Eine Frage des Überlebens.
DJ Sneak kam von Puerto Rico nach Chicago. In die Straßen von Chicago. Er kennt die Straßen noch genau aus seiner Graffitizeit, in der er jeden Winkel genau im Blick behalten mußte, weil überall die Cops auftauchen konnten. Beim kleinsten Geräusch mußte man blitzschnell reagieren.
Genau das spiegelt sich in seinen Platten wieder, eine atmosphärische Dichte, in der alles stimmen muß. Und zur Zeit stimmt einfach alles. Er veröffentlicht eine Platte nach der anderen auf Relief, Cajual, RadikalFear, HenryStreat und natürlich seinem eigenen Label Defiant, und bringt neue Tiefe in die Straßen von Chicago, neue Bilder. Die Szene wird langsam so, daß man sich in ihr wieder wohlfühlen kann. Jahrelange Feinde arbeiten wieder zusammen, man verständigt sich und macht Chicago zu einer der wichtigsten Szenen überhaupt.
Chicago hält zusammen: Sie haben House erfunden und es kehrt wieder zu ihnen zurück. Und genau in dieser Vision einer Stadt findet sich DJ Sneak. In Chicago ist House eine Art zu überleben, kein Wunder also, daß die Musik, die daraus entsteht, einem einem mehr sagt als Musik, die als Freizeitbeschäftigung gedacht ist. House ist, das sollte man nie vergessen, konstante Revolution, musikalischer Widerstand und nicht nur der Soundtrack zum zugedröhnten Wochenende. Man muß sein Leben aufs Spiel setzen für seine Musik, da sollte man vorsichtig handeln. Sich anschleichen.
Ihr Dance With Me ist in den letzten Monaten immer mehr zur Hymne geworden und hat sich selbst ein halbes Jahr nach Erscheinen noch gehalten. Der Track kommt aus einem Umfeld, in dem Hardcore noch direkt mit dem Leben verbunden ist, in dem die Straße noch zählt. Layton, ein kleiner Vorort von London, in dem auch Bizzy B und seine Crew arbeiten und verschiedene Pirates supporten, besteht, wie so viele Vororte, aus nicht viel mehr als einem kleinen S-Bahnhof, einer Straße mit ein paar Geschäften und einer unauffällig aber wirksam agierenden Undergroundszene, die sich nahezu unbemerkt in einem der immer gleich aussehenden Reihenhäuser abspielt. Genau diese Adressen sind es, die Majorcompanies in England immer öfter ansteuern müssen, in denen hinter jeder zweiten Tür ein süßer Killerhund lauert, wo man die Straßen nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr gerne betritt, obwohl hier Organisationen wie Neighbourhood-Watch noch funktionieren.
Die Hardcoreszene ist wie eine Flechte, die sich unbemerkt ausbreitet und Vorort nach Vorort erobert und unterwandert. bis ihr nichts mehr standhalten kann. Es wird noch viele dieser Momente geben, in denen Hardcore wieder zum Hype wird und man sich an die Möglichkeuten erinnern will, die das kreative Potential einer eigenen kleinen, musikalisch auf ihre eigenen Gesetze eingeschworenen Gesellschaft eröffnet. Es wird nie gelingen, diese Verschwörung in ihrer Entwicklung aufzuhalten. Wenn sie tatsächlich eine gesellschaftliche Bedrohung darstellen sollte, und ihr die politische Relevanz von Rap zukommt, dann ist es eh zu spät.
Warum hatte sich zuvor keiner für dieses Label interessiert und warum wurde es von anderen geradezu totgeschwiegen? Konkurrenz auf einem mehr als kleinen Markt?
Merkwürdig auch der Umstand, daß die Lage des Labels mit Udine äußerst günstig ist, wollte man nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten entscheiden. Udine liegt an der Adriaküste in der Nähe von Triest unweit der österreichischen Grenze. Beste Bedingungen sollte man meinen… Im Verlauf meiner Recherchen stieß ich auf Leute, die mir von DJ Gemolotto erzählten, der zahlreiche Platten auf Muzak veröffentlicht und selber mehrere eigene Label hatte (kennst du Night Communication, Omniverse, Riviera Trax?), als denjenigem, der halbtaub auf einem Ohr, mit Monitor-Boxen DJed, die lauter sein sollen, als manche Club-PAs. Gemolotto gehört mit Mr. Marvin zu den drei bekanntesten DJs in Italien, der auf Radio Network seine eigene Radiomegamix-Session abhält. Hinter Muzak schien ein unerwartet großes Potential an italienischer Techno-Tradition zu hängen, und so war es für mich nur selbstverständlich, daß ich mir von Max Farutti, dem Sprecher des Labels, Antworten auf meine Fragen erhoffte.
Das Label hat es besonders in letzter Zeit trotz seinem Low-Profile-Kurs zu einem Ruf gebracht, in erster Linie durch seine harten Acid- und Techno-Releases, die in der Form in Belgien einzigartig sind. Hatten belgische Label einst die Nase und Gespür, so große Leute wie z.B. Beltram, die daheim nichts bewegen konnten, groß rauszubringen und damit ganze Trends auszulösen, so scheint das Bedüfnis, Anteil zu haben am Zeitgeist der Technoszene, verlorengegangen zu sein.
Label wie Dance Opera, USA Import, Aum Rec., Target oder Music Man sind völlig untergetaucht oder veröffentlichen selten diskutable Platten. Um so überraschender ist, daß Re-Load es schaffte, an zeitgemäßen Techno, wie ihn Jeff Mills in seiner frühen Phase bei Axis und danach Luke Slater geprägt haben, anzuknüpfen.
Doch das ist nicht alles, denn das Label expandiert und hat sich auch im Ambientbereich viel vorgenommen. Es scheint, als ob das Label im Alleingang all das aufzuholen versucht, was in den letzten Jahren in Belgien nur halbherzig und alleine durch R&S bewerkstelligt worden ist.
Triple R sprach mit Vanmeerhaeghe Laurent von Big Time International und Marc Van Campenhout aka DJ Zeno, A&R Mann von Reload, Produzent von Re-Load-Platten wie Accelerator, Spinning Atoms etc. & Macher des BCM-Recordshops in Mechelen.
Joel Amaretto sprach mit Mark Cheney, einem der Betreiber des Hardacidlabels.
Der Rahmen für die ersten Erfahrungen, sich in den Rausch zu tanzen, durch musikalischen Genuß Freiheit zu empfinden und vom gebotenen Musikprogramm wahrscheinlich prägend wie kein anderer Club.
Es gibt keinen DJ, der nicht im Tresor angelegt hat, wenn er in Berlin war,
und falls doch, dann war er einfach zu schlecht.
Nie hatte ein Club mehr Mundpropaganda als dieses alte, verrottete
rudimentäre Banküberbleibsel, was zur Folge hatte, daß
selbst heute kaum noch Flyer gedruckt werden, wenn ausländische Acts anreisen.
Der Club als Grundstein für eines der international wichtigsten Labels
unseres Landes, vielleicht nicht immer das veröffentlichungsfreudigste,
doch stilistisch immer eindrucksvoll. Anläßlich des
vierten Geburtstages des Tresors, wollte Frontpage zunächst
den Besitzer Dimitri Hegemann im Pashfragebogen
vorstellen. Da die Antworten aber so ausführlich und aufklärend
zurück kamen, entschlossen wir uns kurzer Hand dieses
Faxinterview komplett zu drucken.