SUN ELECTRIC

- FP:
- Ihr habt jetzt ein Live-Album mit dem Titel "30.07.94. Live" veröffentlicht. Warum habt ihr gerade diesen Auftritt für die Aufnahmen gewählt?
- Sun Electric:
- Wir haben bei diesem Festival dieses Ambient-Set mit ausschließlich neuen Tracks zum ersten Mal gespielt. Und außerdem war an diesem Abend die Atmosphäre speziell gut.
- F.P.
- Was war das für ein Festival?
- S.E.
- Das Festival hieß "Tripping On Sunshine" und fand am Samstagnachmittag, den 30.07.94 mitten in Kopenhagen statt. Rund um den Park war die PA aufgebaut und die Live-Acts spielten am Rande. Ca. 3000 Leute relaxten in der Sonne. Die Musik war mehr die Untermalung als ein Konzert.
- FP:
- Wie agiert ihr live? Wie weit bereitet ihr euer Live-Set vor?
- S.E.:
- Live versuchen wir möglichst flexibel zu sein. Es gibt keine vorprogrammierten Arrangements, Sequenzen werden analog während des Gigs programmiert, die Sounds beim Spielen entwickelt und verändert. Unsere Vorbereitung beschränkt sich immer auf die minimalen Grundelemente eines Tracks.
- FP:
- Euch ist es sehr wichtig, live zu spielen?
- S.E.:
- Jaaa! Live spielen macht Spaß. Außerdem kommt man auch mal raus aus Berlin. Aber im Studio zu arbeiten, macht ähnlich Spaß, denn wir arbeiten dort genauso spontan.
- FP:
- Ist irgendwann ein Live-Auftritt mal richtig in die Hose gegangen?
- S.E.:
- So richtig nicht geklappt, hat's eigentlich noch nie. Was wir nicht so mögen, ist, wenn wir vor einem reinen Hardcore-Publikum spielen, das es immer nur noch härter und härter haben will.
- FP:
- Ihr veröffentlicht seit geraumer Zeit auf R&S. Wie kam der Kontakt zu Renaat Vandepapeliere zustande?
- S.E.:
- Renaat war ein Fan von unserer ersten Maxi "O Locco" und als wir dann endlich aus diesem bescheuerten ZTT-Deal rauswaren, hat er sofort mit uns Kontakt aufgenommen. Wir sind übrigens sehr zufrieden mit R&S. Es ist das erste Label, das uns ziemlich freie Hand läßt, unsere Musik versteht und dessen Meinung wir auch respektieren können.
- FP:
- Habt ihr schon in Renaat's berühmt-berüchtigtem Studio gearbeitet?
- S.E.:
- Es war schon ein paar mal geplant, sowohl in Gent, als auch bei David Morley in Brüssel zu arbeiten. Aber bisher hat es noch nicht geklappt. Im Moment baut Renaat ein noch größeres Studio in Gent und vielleicht werden wir dort im Sommer arbeiten.
- FP:
- Mit welchem Equipment arbeitet ihr normalerweise?
- E.S.:
- Mit LOGIC-Audio auf MAC, Akai S1100, K-2000, JD-800, SE-1, MAQ16, Oberheim Xpander, Korg SQ10 und Monopoly, Prophet V, Roland SH-7, TR 909, Akai MPC-60, Yamaha CS-30, VCS3, DX7, Mini Moog und dem Juno 106.
- FP:
- Ihr habt auch schon mal mit The Orb zusammengearbeitet...
- S.E.:
- Wir sind seit '89 mit den Orbs befreundet, nämlich seit Alex Paterson als A&R-Mann bei EG an Thomas Fehlmann's Teutonic Beat-Label und später sehr stark an unserem "O'Locco" interessiert war. Im November '93 waren wir mit Orb in England auf Tour und Anfang '94 kam's dann eben zu "Pomme Fritz". Wie's war? Wir brauchten viel Geduld und noch mehr papers...
- FP:
- Kam durch Alex Patterson auch euer Kontakt zu WAU! Mr.Modo?
- S.E.:
- Ja, klar. Schließlich war Alex Teil von WAU! Mr.Modo.
- FP:
- Wißt ihr, was dort jetzt noch passiert?
- S.E.:
- Wir sind nicht genau informiert, aber ich glaube, es ist nur noch Inter übriggeblieben.
- FP:
- Was habt ihr beide für einen musikalischen Background?
- E.S.:
- Hauptsächlich haben wir beide ausschließlich unseren Studiobackground. Max hat außerdem eine Klavierausbildung.
- FP:
- Ambient wird ja von vielen in die New Age-/Esoterik-Ecke gesteckt. Wie steht ihr dazu?
- E.S.:
- Wir sind nicht besonders esoterisch veranlagt und New Age ist uns zu langweilig.
- FP:
- Ist Ambient in seiner Ausdrucksmöglichkeit nicht stark eingeschränkt? Letztendlich kann die Stimmung, die erzeugt werden soll, ja immer nur entspannend sein...
- S.E.:
- In diesem Sinne kann auch Hardcore letztlich immer nur aufputschende Wirkung haben. Was uns interessiert, sind fließende Übergänge, wie zum Beispiel der Auf- und Abbau von Spannungskurven und sich verändernde Stimmungen. Außerdem ist Ambient auch nur eine Seite unserer Musik.
- FP:
- Brian Eno definierte Ambient als Musik, die nur existent sein, aber nicht bewußt gehört werden soll. Geht ihr damit konform?
- S.E.:
- Ja. Nur wird der Begriff Ambient heute in einem viel größerem Zusammenhang verwendet, das heißt, die wenigste sogenannte Ambient-Musik ist wirklich ambient.
- FP:
- Ihr habt gerade neben dem Live-Album noch das Studio-Album "Kitchen.wiederveröffentlicht. Welches Album gefällt euch persönlich besser?
- S.E.:
- Kitchen" wurde ja schon Ende '93 bereits einmal veröffentlicht. Das Live-Album ist sehr ruhig und von daher schon etwas ganz anderes. Uns gefallen beide.
- FP:
- Schon mal daran gedacht, aus Berlin wegzuziehen?
- S.E.:
- London wäre natürlich eine Alternative, aber uns gefällt's hier.
- FP:
- Was ist typisch Berlin?
- S.E.:
- Berlin ist partygeil, aktiv, launisch, sehr selbstbewußt und hat nicht so viele Sucker, die Dinge erzählen, wie "Ich hab schon mal Westbam's Koffer getragen".
Copyright © 1995, Technomedia GmbH