Salam Aleikum aus dem immer sonnigen Orient. Stellt Euch vor, selbst hier, am untersten Zipfel des Persischen Golfs, gibt es House-Parties. Allah sei's gedankt. Impulsgeber und Nährboden für die Technoszene in den Vereinigten Arabischen Emiraten, genauer im Scheichtum Dubai, ist das Projekt Desert Rave. Eine Wüstenparty mit internationalem Line-up an einer extrem bizarren Location, zu der Raver aus Asien und Europa anreisen, um drei oder vier Tage zu feiern. Dubai? Das Emirat ist den meisten von Euch bisher wohl eher als Stop-over und Duty Free Shop bekannt, weniger für seine ausgeflippten Sanddünen und Berglandschaften. Aber das soll sich ändern. Die lokale Szene ist endlich aufgewacht: Die Raving Society lebt auch im totalen Outback. Es gab schon einige kleine Raves privat und in verschiedenen Hotels. Unglaublich, daß es in diesem Metropolenkaff zwischen Wüstendünen und Golf überhaupt so was gibt. Denn die Welt besteht hier normalerweise nur aus biederen Hoteldiscos und Pseudo-Clubs wie Premiere, Lodge, Key Club und Cyclone. DJ Charly, der im Cyclone auflegt, hatte mal die Raveszene unterstützt, ist jetzt aber abgefallen.
Erste Techno-Vibes waren 1993 in Dubais Nachbaremirat Abu Dhabi zu spüren auf dem Blitz-Rave von DJ Limelord im Centre Hotel. Da aber nur das übliche Hotelpublikum, also Geschäftsleute und Ölarbeiter, präsent war, schwenkte Limelord nach einer halben Stunde Techno und House wieder auf den üblichen Euro-Dancefloor um. Die Party war gestorben und mit unsere letzte Hoffnung, daß es in den Emiraten doch nicht so schlimm werden würde, wie wir vor dem Umzug hierher befürchtet hatten.
Doch da waren noch Liz the Shop und Keith, die 1993/94 ihre ersten Fresh-Raves im Imperial Suites Hotel in Dubai aufzogen. Ende 1994 lernten wir die beiden bei einer Party auf der Insel Sadiyat kennen, ein Häufchen Sand vor der Küste Abu Dhabis. Als die Veranstalter besinnungslos abgefüllt waren, wechselte DJ Liz the Shop von Euro zu Techno. Wir waren gerettet.
Derzeit gibt es drei Locations für die neuen, immer noch sehr intimen Strike-Raves: Diplomat Hotel, Tip Top und Champions. Ihr könnt Euch denken, daß die akustische und optische Technik ziemlich improvisiert ist. Die Grundausstattung besteht aus einer Handnebelmaschine, bemalten Tüchern und einem Videomonitor. Die Musik - House, Trance, Hardhouse, Jungl und Tribal - stammt aus einem CD-Mixer. Bei Strike legen neben Liz the Shop und Keith noch Emotional, JJ Alistair und Kathy (K2) auf.
Zu jeder progressiv Dance Party - pro Monat finden jetzt bis zu vier statt - kommen mehr und mehr Raver aus ihren Wüstenlöchern gekorchen. Die meisten sind Engländer, Inder, Singupuris und Stewardessen von Emirates Air, kaum Einheimische. In Dubai sind eh nur ein Fünftel aller Einwohner echte Emiratis. Die kriegen aber auch so langsam mit, was läuft. Ab und an verirrt sich aber einer von den Saudi-Touristen in einen Club. Die fliegen regelmäßig nach Dubai, um sich vollzudröhnen. Saudi-Arabien muß echt die Hölle sein. Die Afterhour verbringt man natürlich goamäßig am Strand oder in den Dünen. Goa ist übrigens nur vier Flugstunden von Dubai entfernt.
Clubwear nähen indische Schneider nach Fotos oder Entwürfen ganz ordentlich nach. Ist spottbillig. Die ganze Musiksoftware bringt man aber am besten aus Europa mit. Per Satellit ist nur Channel V aus Hongkong zu empfangen. Da gibt es wunderschöne Indien- und China-Clips für Hartgesottene. Ach ja, Liz the Shop hat eine eigene Sendung auf Capital Radio in Abu Dhabi, der einzige Lichtblick unter den lokalen Medienbeiträgen. Mit viel Glück findet Ihr in Anis Kassettenladen Music Master einen Strike-Rave- oder sogar - ist mir selbst passiert - die Air-Rave-Compilation auf Tape und ein paar Gabber-CDs. Anis hat auch alle relevanten Flyers für die Strike-Parties unter der Theke.
Am 14. April 1995 wird es einen Probelauf für den DesertRave geben (Info: Music master). Es haben sich ein paar Freunde aus Köln, London, Goa, Berlin und Heidelberg angekündigt, aber das ganze findet eher im lokalen Rahmen statt. Na, jedenfalls sind alle Raver, woher sie auch kommen mögen, herzlich willkommen. Treffpunkt ist irgendwo an der Überlandstraße zur Oase Al-Ain. Dann fahren wir mit Geländewagen in den Sand zur Rave-Zone. Ein füherer Anlauf im Dezember war leider gescheitert, da sich DJ Paul Oakenfold aus London angekündigt hatte, um das Cyclone zu eröffnen - eine insgesamt langweilige und unerfreuliche Party. Dazu paßte dann auch, daß als Live Act Culture Beat ins Scheichtum geladen worden war. Paul wäre am liebsten mit in die Wüste gedüst. Aber es war schon alles abgesagt. Also, der April Rave wird bestimmt ein Erfolg werden. Dann werden so langsam die Vorbereitungen für das Großevent anlaufen. Wir halten Euch auf dem Laufenden.
Eric & Stefanie
Wildfremde Menschen lagen sich Freudentränen vergießend in den Armen, unbeschreibliche Sznen spielten sich ab, als die Nachricht von den zwei neuen Technoclubs sich wie ein Lauffeuer unter der Bochumer Bevölkerung ausbreitete. Da war zum ersten die zuletzt nicht so toll laufende Disco "Es", jetzt X-Ray, deren Namens- und Programmänderung den samstäglichen Goa-angehauchten Technoclub "Spiritwalker" gebar. Die Residents Bim und Greg spielen Dragonfly und Intelligenc rauf und runter, Eye Q oder so geht so eben noch durch, das meiste andere scheint ihnen allerdings eher so ein bißchen schräg vorzukommen. Wahrscheinlich zu wenig Flächen, na ja, wer lieber Acid hört oder schluckt oder schon mal ne ordentliche Dosis House verträgt, ist hier vorläufig fehl am Platz. Kein Wunder, daß selbst die in Bochum sonst allgemein hochverehrte Djane Sylvie Marcks hier einen schweren Stand hatte. Andererseits: Als Goafreak hat man heutzutage auch nicht leicht und hier eventl. sein Paradies gefunden.
Da war zum zweiten die bisher nicht sonderlich gut laufende Halle "Riff", in deren Räumlichkeiten die Kollegen vom Planet neuerdings den "Alien-Club" stattfinden lassen. Die Eröffnungsparty war schon recht vielversprechend: DJ Dennis Siemion gab sich ungewohnt ravig, was das Volk mit wilden Tanz- und Armschwenkeexzessen dankte, DJ Plank war leider nicht anwesend - "Laden nicht gefunden" - . Oliver Lieb räumte total ab, war danach trotz anfänglicher Skepsis sichtlich begeistert und ließ nicht lange bitten, noch ein zweites Set nachzulegen. Nur Yang Huan Odermann kackte ab und war nicht mehr hinter die Technics zu bewegen. Trotzdem ne Spitzenparty. Das Programm der nächsten Tage verspricht uns Marcos Lopez, DJ Henry aus HH, Massimo vom Warehouse, Ellen Alien und u.a. die Frontpage Natural Born Raver Tour. Werde den Laden mal im Auge behalten. Die Höhepunkte der letzten Zeit im Planet: Westbam mit Spitzenclubprogramm vor sage und schreibe vielleicht 200 bis 300 Party People, Robert Hood und Armando mit Minimal-Acid zum Jahresausklang, Paul Cooper und sein italienischer Freund Francesco Farfa vs Marshall Jefferson bei Inner Space 7 (oder 8? oder 9?) und Damon Wild Ende Januar. Keine schlechte Zeit fürs Planet, möchte man meinen.
Wir freuen uns alle auf den 2. Century Rave in der Jahrhunderthalle, diesmal hoffentlich mit besserem Sound und vor allem auf die After-hour mit Sven im Tarn. Andreas Angel
Dont Fuck With Ehrenfeld heißt es, aber der Tiger hat momentan keine Zähne, denn in Köln tut sich recht wenig. Zwar ist der "House Of Domination"-Tag im "42" sowie der Frequency-Abend ein Fixstern am Himmel der Kölner Clubszene, allerdings ist durch die Lage des Clubs immer auch ein gewisser Dummbeutel-Potential anwesend. Ein großes Potential der Leute wartet angespannt auf die 72-Stundenparty von Cosmic Orgasm am Karnevals-Wochenende.
Dennoch gibt es eine neue Sache, die für etwas frische Luft sorgen könnte. Das "Oszilliator" ist ein neuer Club in Köln-Ehrenfeld, in der Herbrandstraße 21, der an den Spirit der ehemaligen Ruine anknüpfen soll. Soll heißen, radikal experimentierende Gangart, DM 7,- Eintritt und eine entsprechende Low Budget Politik. Die DJs der Locations werden sein: DJ Rootpowder, DJ Triple R, Big M und Eq8tor.
Das Warehouse will Gerüchten zufolge in Bonn einen großen Club eröffnen. Wir werden sehen, was draus wird.
Die Katakomben in der Hans-Sachs-Straße nähe Uni, die durch die Cosmic Orgasm Party vor ca. zwei Jahren bekannt wurden, sind jetzt durch Nachwuchs-DJs reaktiviert worden. Die erste Party steigt am 3.3.
Neben Friends Experiment sind nun auch die Frontpage-Redakteure Triple R und Bleed on Air. Die Sendung heißt "Digital Age" und wird im Rahmen des Bürgerfunks auf Radio Köln UKW 107,1 leider unregelmäßig gesendet. Die ersten Ausstrahlungen finden am 19. April und am 27. Mai jeweils um 19.00 Uhr und um 18.00 Uhr statt. Infos unter Tel.: 0221/ 542 830/Fax: 542 620.
Patric Langer