Eric Morand - F-Communication
von KK
Am Tag, als der Beaujolais Nouveau in die französischen Restaurants kommt, und die ganze NachbarNation deshalb betrunken ist, telefonierte KK mit Eric Morand von F-Communication, um ein für alle mal zu klären, was denn eigentlich aus dem Fnac-Label hervorgegangen ist und was uns in Zukunft
von der Nachfolge zu erwarten gilt.
Die letzte und wahrscheinlich größte Überraschung war das Laurent-Garnier-Album,
über das Eric Morand sagt:
Laurent mußte sich was beweisen.
Er mußte wissen,
ob er fähig ist, die Musik, die er selber hört und spielt, zu produzieren.
Dieser Beweis ist ihm zweifellos gelungen
- er hat eines der größten und abwechslungsreichsten Alben
der Technogeschichte produziert
- FP:
- Du hast jetzt mit Laurent Garnier ein neues Label, F-Communication, welches aus dem vorherigen Erfolgslabel Fnac gewachsen ist.
- Eric Morand:
- Daß wir Fnac verlassen würden, war sehr logisch, von Anfang an. Fnac ist eine große Firma und wußte nicht so genau, was wir da machen, sie hatten kein Verständnis, geschweige denn Gefallen für die Musik, die wir produzierten. Als wir dann schnell Erfolg hatten, waren sie zwar überrascht, aber es gab auch Leute in der Firma, die neidisch auf das Dance Departement wurden. Wir wußten von Anfang an, daß wir früher oder später ein paar Probleme haben würden. Und irgendwann hatte Fnac Geldprobleme und ich habe mich entschieden, das Dance Departement bei Fnac aufzugeben. Vorher dachte ich, daß ich die Firma verlassen würde, wenn es Probleme mit den Artists gegeben hätte, aber mit denen hatte ich immer ein sehr gutes Verhältnis, und so haben Laurent und ich mit all den Künstlern gesprochen ein neues Label gestartet: F-Communication mit Play it again Sam als Vertrieb.
- FP:
- Wie bist du zu Fnac gekommen,
niemand hat je verstanden, welcher Zusammenhang zwischen der Ladenkette und dem Technolabel besteht .
- Eric Morand:
- Ich war immer im Dancebereich tätig. Ich habe erst als Promoter für Polygrams Dance Departement gearbeitet, dann für ffrr- France und dann hat Fnac mich gefragt, ob ich nicht ein Dance Departement für sie machen möchte. Ich sagte, daß ich es mache, aber daß ich als erstes ein paar französische Künstler signen möchte und sie herausbringen würde. Und es gab einen Typen bei Fnac, dem die Idee gefiel, und sie fanden, daß es nicht zu teuer ist, es durchzuführen. Der Typ hat dann die Firma leider schnell verlassen und danach standen wir ziemlich allein da. Sie haben halt nie den Sinn unserer Musik verstanden. Ihr Gedanke war, daß sie als Firma ein Dance-Departement haben müssen. Aber sie haben sich nie darum gekümmert. Für mich war die Situation ja gut, ich konnte ein Label machen mit dem Geld einer großen Firma im Hintergrund, und ich hatte absolute Freiheit. Das Einzige, was sie kümmerte, waren die verkauften Einheiten, sie haben niemals eine Platte gehört. Früher oder später mußte das Verhältnis enden. Nun bekommen sie die ganzen Anfragen für den Backcatalogue. Ich hätte ihnen gerne das Geld durch die Gewinne und den Verkaufserfolg der Platten zurückgegeben, daß sie investiert haben.
- FP:
- Wie habt ihr den Wechsel überstanden?
Hat denn jeder den Wandel mitbekommen? Oder war es schwer für euch, daß zu verdeutlichen und bekanntzumachen?
- Eric Morand:
- Ich war mir sicher, daß Fnac endlich sein würde und habe dementsprchende Verträge für die Künstler gemacht und sie wollten ja auch weiter mitarbeiten. Das Problem war die Organisation des Labels, der richtige Vertriebspartner. Es war eine Menge Arbeit.
- FP:
- Wieviele Releases hattet ihr denn jetzt auf F?
- Eric Morand:
- Bis heute 17.
- FP:
- Das ist viel, es ist noch nicht mal 1 Jahr alt.
- Eric Morand:
- Es startete im Mai, also erst ein halbes Jahr alt. Ja, es ging ziemlich schnell, aber den letzten Monat z.B. haben wir gar nichts rausgebracht. Wir hatten eben eine Menge Material rumliegen, von Scan X und Ludovic usw. Und ich hatte Kontakte zu vielen neuen Künstlern, und ich wollte ihnen einen Vertrag geben, aber nicht mehr bei fnac. Es ist eine neue Generation von Künstlern, Juan Trip, Nova Nova und ich bin sehr froh, sie gefunden zu haben.
- FP:
- Was bedeutet denn nun das F? Ihr habt noch einen zusätzlichen Promosatz, AFTER E COMES F
- Eric Morand:
- Es ist ein Witz und irgendwie auch kein Witz. Die Wahrheit ist, daß Laurent oder ich nie wegen der Drogen auf der Szene waren, sondern immer nur wegen der Musik. Und ungefähr vor 1 Jahr war ich mit Laurent auf einer großen Technoparty in Leeds und da haben alle Kids ein T-Shirt mit einem riesiegen E drauf getragen. Und wir haben halt darüber gelacht, das war schon ein bißchen zuviel und peinlich. Und da meinte Laurent im Scherz, wir sollten da was mit F machen. Ein Label, das F heißt und wir fanden es total lustig, weil F ist wie Frankreich, F ist wie Fnac und wir haben uns damit amüsiert. Es kann eben alles sein, Fuck wenn du willst. Es ist eben nur eine Andeutung, und after e comes f macht eben auch unser Ziel klar, daß wir für die Musik sind, die Musik ist unser einziges Anliegen. Und für andere ist es an der Zeit von der Droge auf die Musik zu kommen.
- FP:
- In Frankreich ist die Szene kurz vor einem Overkill wie in England, sie wird vom Gesetz teilweise verboten?
- Eric Morand:
- Ja, die Situation für die Rave-Szene ist eine Katastrophe, es wird schrecklich und es kann sich in eine Repression wie in England verwandeln. Ich habe immer für die House- und Technoszene gekämpft. Aber es gibt mittendrin Veranstalter, die total unprofessionell sind und nur Parties für das Geld gemacht haben, ohne jeden Respekt für die Raver und ohne jeden Respekt für die DJs, keine Sicherheitskräfte. Und oftmals mit offensichtlichen Verbindungen zu Drogen und es ist klar, daß es da früher oder später ein Problem mit den Autoritäten geben muß.
Die Medien waren schrecklich, sie haben die Musik nur mit den Drogen in Verbindung gebracht. All das zeigt, daß die Regierung die Raveszene killen möchte, aber was will man dagegen sagen, wenn man auf solche Parties geht und 2000 Kinder sieht, von denen 1500 auf Drogen sind. Was willst du den Eltern sagen? Man kann nicht sagen, daß es nicht so ist.
Es liegt daran, daß soviele Leute keine Verantwortung übernommen haben. Ich bin eventuell sehr hart im Urteil über die französische Szene, aber wir, die immer für die Musik gekämpft haben, und dann beobachten müssen, wie sie kaputt geht, werden dadurch sehr unglücklich, ja depressiv gemacht. Ich glaube aber nicht, daß es ganz sterben kann. Ich denke die Raveszene wird den Bach runter gehen und es wird wieder mehr in den Clubs passieren, wie in Deutschland, England oder Belgien. Die französiche Szene muß professioneller werden. Du kannst alles machen, aber du mußt verantwortungsvoll bleiben.
- FP:
- Was ist mit Guillaume alias Lunatic Asylum, produziert er noch für euch?
- Eric Morand:
- Nein, es war schwierig mit ihm, denn seine letzten Tracks waren alle sehr hart. Ich glaube, er hat seinen Erfolg mit Meltdown und Renegade Legion nie ganz verstanden und akzeptieren können. Ich habe ihm dann geholfen, ein paar Tracks auf CarlCox's Label zu releasen. Ich weiß nicht, was er jetzt vor hat, soweit ich gehört habe, möchte er jetzt was mit PCP machen. Wenn er damit glücklich ist, bin ich es auch. Wer weiß, in zwei Jahren arbeiten wir vielleicht wieder zusammen.
- FP:
- Was für neue Künstler habt ihr gesignt?
- Eric Morand:
- Zunächst einmal Juan Trip, einer der ersten Producer von House und Techno in Paris.
Er hat 90/91 schon einmal eine Platte auf Raveage Records gemacht, auf die er nicht sehr stolz ist, aber er ist sehr sehr verrückt, talentiert und hat eine Menge Energie. Er kommt aus der Rockmusik und ist daher eine Mischung aus Psychedelic, Rock, Acid und Madness, und wenn er live spielt ist er unglaublich. Ich glaube, es wird früher oder später irgendwas mit ihm passieren, denn er hat eine Menge Charisma.
NOVA NOVA ist eine Formation aus dem Westen von Frankreich und sie machen sehr melodische House- und Trancemusik. (Es ist immer sehr schwer für mich, die Musik der Künstler zu beschreiben.) Dann haben wir noch einen Jungen aus Barcelona namens Iberia. Ich mag seine Musik ganz besonders, er hört eine Menge R&S und Warp und Fnac, dadurch hört er sich auch in einer Art und Weise ganz extrem nach Fnac an. Es erschien mir auch wichtig, einen spanischen Künstler zu haben.
Und dann haben wir Lady D, ein Drag-Queen-DJ aus dem Süden. Ihm gehört ein Techno-Restaurant in Cannes.
Da gehen immer alle zur Midem hin, es gibt da eine Wand, an der sich alle verewigen, ganz Rock'n'roll-Star-mäßig.
Ja, so haben wir ihn auch getroffen, man hat uns geraten in das Restaurant zu gehen, und er hat uns ein Stück vorgespielt und wir sagten wir lieben es und er ist mit Scan X ins Studio. Aber es wird noch mehr Artists geben, es gibt immer mehr Produktionen aus Frankreich und es gibt eine Menge neuer Label. Wir werden natürlich auch ein paar Artists von ausserhalb haben, aber vor allem wollen wir unsere Arbeit mit Ludovic etc. fortsetzen.
- FP:
- Eure Verbindung zu Play It Again Sam ist aber nur der Vertrieb oder besitzen sie auch Anteile an F?
- Eric Morand:
- Nein, es ist nur der Vertrieb. Aber sie helfen uns in sehr vielen Dingen. Laurent und ich sind nicht sehr involviert in Buchhaltung und den ganzen Kram. Meine Arbeit ist eher, als A&R tätig zu sein, den Kontakt zu den Künstler zu halten und auf die Labelpolicy zu achten. Und so haben wir Play It Again Sam, die die finazielle Ebene unseres Labels mit ihrer Struktur abdecken. Für mich ist es wichtig, nicht so viele Leute zu engagieren, um nicht irgendwann einmal dem Druck ausgesetzt zu sein, Platten heraus zu bringen, die ich nicht mag, nur weil ich irgendeine Rechnung bezahlen muß. Es ist eben ein kleines Label - nur Laurent und ich.
- FP:
- Was denkst du denn über den Pariser Underground, du selber magst ja keinen Hartcore, aber wie findest du diese Entwicklung?
- Eric Morand:
- Ich habe großen Respekt dafür, ich mag es zwar nicht, und höre es auch nicht, aber wir wollen openminded bleiben. Vor einem Jahr haben die Leute über Frankreich gesprochen, weil es neu war und sich etwas bewegt hat, und jetzt wissen sie, daß es ein interessanter Markt ist, wo etwas passiert. Es gibt eine Menge neuer unabhägiger Produktionen, sowie Laurent Ho, die ja sehr gut in Deutschland ankommt. Ich kann das Ganze schwer beurteilen, weil ich da nicht so involviert bin. Wir haben z.B. immer Manu le Malin supportet, weil er ein wahnsinnig guter DJ ist, auch wenn er hart auflegt. Und es geht jetzt sehr gut für ihn, er wird bald eine Platte machen und ist auch sonst sehr erfolgreich.
- FP:
- Über eins müssen wir noch sprechen, das Album von Laurent Garnier. Wir waren so glücklich, als wir es erhalten haben, denn es ist brilliant. Der Track Geometric World für Manu Le Malin
z.B., wir hätten nie erwartet, daß Laurent so hart sein kann.
- Eric Morand:
- Manchmal denken die Leute, daß Laurent nur Wake Up und Alaska ist, aber wenn man mitbekommt, was er in der Vergangenheit gemacht hat und wenn man ihn als DJ beobachtet hat, ist das die notwendige Konsequenz. Als ich das Album das erste Mal hörte, habe ich gesagt, Laurent, das ist sehr Underground! Aber es ist eben auch nur die Reflektion von dem, was er seit Jahren auflegt. Es ist alles Underground, Detroit, Acid, Chicago, harter Techno, soft, rhythmisch... es ist sein Stil.
- FP:
- Wir haben zwar gehofft, daß Laurent sowas macht, aber wir waren nicht sicher. Planet House z.B., ich weiß nicht, wie gut sie sich verkauft hat, aber es war 1 unvergleichliches Album.
- Eric Morand:
- Ich glaube, dieses war eine interessante Herausforderung für ihn. Planet House war kein Fulltime Projekt, Laurent war immer auf Reisen, als er es gemacht hat. Einen Track in Paris, einen in Berlin, er hatte keine Zeit darüber nachzudenken, was er macht. Als er sich entschieden hatte, dieses Album zu machen, hat er sein Stduio zu Hause aufgebaut und hat 9 Monate alles alleine gemacht. Er war total konzentriert und ich glaube er mußte sich selber etwas beweisen, er wollte beweisen, daß er es kann. Außerdem möchte er den Kids die Underground Musik näher bringen, ihnen zeigen, daß es nicht Kommerz sein muß. Vielleicht sind ein paar Leute verstört, weil sie ein Wake Up Album mit einer Menge Hits erwartet hatten, aber das war nicht das Ziel. Er wollte Musik machen, wie er sie mag. Aber wir können schon jetzt sagen, daß das Album ein sehr großer Erfolg überall in Europa ist.
Copyright © 1995, Technomedia GmbH