K Hand


K Hand, mit bürgerlichem Namen Kelli Hand, ist eine der wenigen Frauen, die ihr eigenes Label angefangen haben.

Nach einer langweiligen Karriere als Autoverkäuferin hatte sie die Nase voll und wollte sich ganz auf die Musik konzentrieren, und die beste Möglichkeit dazu schien ihr, ein eigenes Label aufzubauen.

Auch wenn sie lange Zeit durch die Kürzung ihres Namens versucht hat, nicht zu sehr auf diesem Novelty Image herumzureiten, dieses vorauszusehende: "Schaut mal! Da ist eine Frau und die will tatsächlich selber Musik machen.," so gut es ging zu vermeiden, hat sie, nachdem sich ihr Label Acacia allein durch die Musik einen Ruf gemacht hat, angefangen der Welt zu sagen, wer sie ist und daß sie eine Frau ist, und daß es ihr doch ruhig andere nachmachen sollen. Der Underground wird kommen, und mit ihm die Frauen. Einige Ansichten und Gewohnheiten im Musikbusiness werden sich ändern müssen.

Dafür wird Kelli Hand sorgen.

FP:
Wann genau hast du angefangen mit deinem eigenen Label Acacia Records?
K Hand:
K Hand: Das war im Mai 90.
FP:
So früh schon.
Warum wolltest du dein eigenes Label?
K Hand:
Vor allem natürlich, um meine erste Platte rauszubringen. Ich hatte einfach so großen Spaß an der Musik, war immer tanzen und so also dachte ich mir, warum nicht einfach mehr machen.
FP:
Es ist ziemlich ungewöhnlich, ein Label zu machen, um seine erste Platte rauszubringen. Gab es keine Szene, in der du hättest unterkommen können?
K Hand:
Ziemlich ungewöhnlich. Aber das war eigentlich genau der Punkt. Natürlich gab es in Detroit eine Underground Dance Szene, aber es gab nicht so viele Label und warum hätte ich es nicht selber machen sollen?
FP:
War es schwierig, das Label in Gang zu bekommen?
K Hand:
Ja, am Anfang schon. Es gab zwar einige Leute, die mir sofort helfen wollten, aber einige haben nur davon geredet. Aber ich bin auch so durchgekommen. Ich mußte mich halt durchfragen.
FP:
Die ersten Acacia Platten sollen ja anders gewesen sein.
K Hand:
Bei den allerersten hieß das Label sogar anders, UK House Records, aber ich habe den Namen dann geändert, weil einige Leute dachten, daß es ein Label aus England wäre. Und ich wollte einen Labelnamen der aus Detroit kommt, und nicht von irgendwo anders. Einen der auch so klingt wie aus Detroit. Und Acacia ist eigentlich eine Straße in Detroit.
FP:
Wie hat sich dein Sound entwickelt?
K Hand:
Oh weißt du, wenn man etwas länger macht, dann wird man einfach besser und besser. Die ersten beiden auf UK House hatten ein bißchen Einflüsse von anderen. Man hat mir etwas geholfen, mich gelenkt, aber die ersten auf Acacia waren mehr wie ich, so in der Art, wie ich mich fühle. So daß ich mich irgendwie eins fühle mit der Musik. Ich habe die Tracks alle selbst gemacht, aber es ging am Anfang ein bißchen darum, wie man das aufnimmt.
FP:
Zur Zeit geht deine Musik ja mehr in Richtung Technounderground als noch letztes Jahr. Da war es mehr House.
K Hand:
Was eigentlich passiert ist, daß ich im Studio einfach produziere und mir erst hinterher überlege, was eigentlich genau da passiert. Ich schicke dann erst mal Tapes weg und lasse die Label entscheiden, ob sie es haben wollen, wenn ich glaube, daß die Sachen nicht so gut auf Acacia passen. Meine Leiblingsartists waren Depeche Mode und Anne Clark, also ist mein Feeling mehr bei den harten Upbeats, Clubbiger und mehr Richtung Techno, Jungle und so.
FP:
Jungle?
K Hand:
Ja, wenn man sich meine Tracks anhört, dann merkt man das. Straighte Drumpattern sind langweilig. Ich mag sie, wenn sie einen netten Groove haben. Selbst wenn der Junglesound in meinen Tracks versteckt ist, ist er doch da.
FP:
Arbeitest du manchmal mit anderen Leuten an Tracks?
K Hand:
Eigentlich bis vor kurzem gar nicht, aber ich habe jetzt einen Remix für Carl Craigs Throw gemacht, und schon mit Claude Young, Ready for The Darkness. Ich habe Claude eigentlich überhaupt erst dazu gebracht, daß er Musik macht. Das weiß zwar noch niemand, aber er weiß es. Auch Sean Deason übrigens.
FP:
Wie war die Reaktion der Detroit Szene bis jetzt auf dein Label?
K Hand:
Jeder mag es eigentlich, alle sind sehr nett und respektvoll, auch wenn es mich erst seit 4 Jahren gibt. Mittlerweile wundern sich die ersten, daß ich immer noch da bin, aber finden es auch gut.
FP:
Wie kamst du zu Warp.
K Hand:
Oh, ich hänge immer im Plattenladen und habe einfach mal irgendwann eine Warpplatte aus den Regalen gezogen, eine Adresse gesehen und mir gedacht, hey, denen schicke ich ein Tape. Ich hatte keinen Kontaktnamen, aber einer hat mich angerufen und dann war alles in Ordnung, ziemlich cool, weil man normalerweise ohne Namen nirgendwo landet, vielleicht im Papierkorb.
FP:
Machst du viele Platten auf anderen Labeln?
K Hand:
Ein paar auf Global Cut in Belgien, und eine habe ich mal auf Diki unter anderem Namen gemacht, no Hazards. Und auf Tresor, Mystery, aber das war schon 91.
FP:
Legst du nebenbei noch viel auf?
K Hand:
Ein wenig zur Zeit. Meist auf Loftpartys. Ich hatte einen Club in dem ich zwei Jahre aufgelegt habe. Manchmal gehe zu einem anderen Club, Times Square, der DJ läßt mich manchmal auflegen, um einen Break zu haben. Es ist hier ziemlich anstrengend, weil so viele DJs unbedingt auflegen wollen, und ich habe neben dem Label nicht noch unbedingt die Energie, mich da durchzubeißen. Außerdem kann ich so länger im Studio sein.
FP:
Was kommt als nächstes von dir?
K Hand:
Im Januar gibt es eine Platte bei Nova Mute, und den Monat danach eine weitere auf Warp. Bei Acacia kommen wohl wieder mehr housige Platten raus, denn da habe ich eine ziemliche Fangemeinde und ich mache ein eigenes Sublabel für die Technosachen.
FP:
Gibt es da schon einen Namen?
K Hand:
Ja und nein, ich bin noch nicht ganz sicher, also sage ich lieber noch nicht, wie es genau heißén soll.
FP:
Die Detroit Szene ist irgendwie nicht mehr so präsent in Deutschland, hast du eine Ahnung warum?
K Hand:
Ich glaube weil sie alle durch die Gegend fliegen, so etwas habe ich schon gehört. Natürlich ist es ganz schön, mal ein bißchen rumzukommen. Aber wenn man dort nicht ins Studio gehen kann, kann man seine Sachen nicht wirklich zu Ende bringen. Seinen Computer und seinen Sequencer immer mit sich rumzuschleppen, ist ja auch nicht so spaßig. Wenn man dann zurück kommt, sind alle die Hiergeblieben sauer, weil sie so viel machen mußten. Aber wenn man ein Künstler ist, ist es schon ganz gut, wenn man davon leben kann. Ich mache mehr Remixe in der nächsten Zeit.
FP:
Das scheint dir Spaß zu machen.
K Hand:
Ja, der für Carl Craig war ziemlich spaßig. Ich mache demnächst noch einen für ihn.
FP:
Man hört, er sei ziemlich crazy.
K Hand:
Ich habe gehört, er sei ziemlich schüchtern. Ehrlich gesagt war ich grade mit ihm in Chicago und er ist ziemlich nett. Er hat irgendwo aufgelegt und er war ziemlich cool. Wir hatten Spaß.
FP:
Du scheinst Chicago zu mögen.
K Hand:
Ja, ich hatte die Wahl nach Chicago zu ziehen oder nach Georgia, wo meine Familie wohnt, und hätte große Lust gehabt, Chicago zu wählen. Aber irgendwie lag Georgia näher. Aber ich werde meine Basis immer in Detroit haben.
FP:
Ist es wichtig bei Detroit zu bleiben?
K Hand:
Ich würde sagen ja und nein. Das Environment ist wichtig, die Art wie die Leute hier reden und handeln, das hat sehr viel mit der Musik zu tun. Aber jeder Künstler braucht seinen inneren Frieden, Ruhe. Wenn man sich manchmal nicht mehr auf die Musik konzentrieren kann, dann ist es schon nicht so wichtig. Ich bin hier geboren, und habe mein ganzes Leben hier verbracht, und das wird immer um mich rum sein.
FP:
Was an Detroit hat den größten Einfluß auf dich?
K Hand:
Einfach die Umgebung. Detroit ist einfach auf dem Weg nach unten, und was die Wirtschaft angeht, wird sich da wohl nicht viel ändern. Es gibt ziemlich viele Verbrechen, Obdachlose, Bettler, und viel Chaos, ganz einfach. Wenn ich manchmal extrem genervt bin von allem was um mich herum passiert, dann sind die Stücke, die ich mache, oft sehr gut. Aber im Moment bin ich ziemlich müde, das ganze Chaos. Mein Truck ist mir dreimal gestohlen worden. Ich will meine Musik machen und nicht alle drei Minuten nach meinem Auto gucken müssen. Ich will mich nicht um soetwas kümmern müssen.
FP:
Wirst du bald mal aus den Staaten rauskommen?
K Hand:
Ja, ich werde nächsten Monat in Japan auflegen. Die machen da ein Festival, bei dem nur Frauen auflegen. Ein paar, es gibt ja nicht so viele von uns, Saskia ist da, ich, und noch ein paar wenige andere glaube ich, also, wer grade in der Gegend ist.....
FP:
Bei uns gibt es einige Frauen die DJ's sind.
K Hand:
Aber keine im Business, das ist schon seltsam. Vielleicht machen sie es ja noch, so schwierig ist es ja nun nicht. Ich würde gerne ein paar mehr Frauen sehen die sich damit beschäftigen, auch wenn es schwer ist. Man muß nur etwas Stärke zeigen und sich nicht entmutigen lassen, denn das Business ist hart, und es sind alles nur Typen, die das machen. Also los! Hoffentlich passiert es bald und vielleicht kann ich etwas dafür tun.


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