Bush


Bush ist nicht gleich Dave Clarke, auch wenn das hierzulande viele gerne so sehen möchten. Das Selbstverständnis des Labels ist ein anderes und daran soll auch in Zukunft festgehalten werden: eine Kombination von House und Techno, gut produziert mit funktionaler Bassdrum, wobei Dave Clarke die oberste Grenze des Härte-Barometers besetzt. Daß es ein Leben vor und nach Dave Clarke geben muß und gibt, bestätigen Releases wie 1016, Rozzo und Blackcat. Über die Geschichte des Labels wollten wir mehr wissen und sprachen mit

FP:
Welche Idee steckt hinter Bush?
CB:
Ich habe mit meinem Partner Eric Godden versucht, Garage, wie es um 1992 herum präsentiert wurde, "tougher" zu machen, einen Schritt weiter nach vorne zu bringen. Ich bin sehr beeinflußt worden von Terry Hunter, der Vibe Records macht und vor zwei bis drei Jahren noch harten House veröffentlichte, genauso wie von DJ Pierres "Generate Power". Garage-Music muß nicht Mädchenmusik sein. Es ist gut, ein paar Elemente zu übernehmen und daraus eine harte Housevariante zu machen.
FP:
Die Platten vor dem Aphrohead Release waren also in diesem Stil?
CB:
Die Platten waren viel housiger. Wir haben nach harten Houseplatten gesucht, aber wir konnten sie nicht wirklich finden. Die Platten basierten anfänglich stärker auf Todd Terry, ja waren, man kann es sagen, im Todd Terry-Stil produziert.
FP:
Mit wem habt ihr zu dieser Zeit zusammengearbeitet?
CB:
Wir haben zum Beispiel mit Wild Child gearbeitet, der unter dem Namen Bitch auch Stücke auf Loaded herausgebracht hat. Dann haben wir "Can´t Stop", diesen New Yorker Klassiker, lizensiert und ein paar andere Sachen gemacht. Danach kam das Original von "Can you see the light" von Felix Da Housecat, der Remix von Dave Clarke und sein eigenes Red Material. Langsam aber stetig sind wir immer härter geworden. Ab und an kommen wir aber mit einer Houseplatte, wie z.B. mit der Rozzo. Wenn ich auf manche der ersten Releases zurückblicke, hätte ich mir gewünscht, etwas mehr Geld in die Produktion stecken zu können, aber das war zu diesem Zeitpunkt noch nicht möglich.
FP:
Die großen Namen wie Aphrohead und Dave Clarke sind uns ein Begriff. Aber andere Artisten wie z.B. 1016 bleiben relativ anonym. Sind diese Acts exklusiv bei Bush oder veröffentlichen sie auch auf anderen Labeln?
CB:
Die Acts sind mit Ausnahme von Rozzo, der aus der Schweiz kommt, in England durchaus bekannt und produzieren unter anderem Namen auch auf anderen Labels. 1016 produzieren z.B. unter Difficult Child auf Magnetic North. Ich habe nichts dagegen, so lange sie ihren Sound nicht verwässern. Die Namen unter denen sie bei uns produzieren, liegen exklusiv bei uns.
FP:
Wie kamt ihr dazu, Rozzo zu signen?
CB:
Er hat mir ein Tape geschickt und es gefiel mir. Was ich als DJ festgestellt habe ist, daß eine Menge der Platten, die ich mag, aus Deutschland, Holland oder Italien kommen. Was ich mochte, war, daß die Produktion sauberer war als in den USA.
FP:
Welche Label fallen dir dabei ein?
CB:
Ich mag momentan sehr viel von Dimitri. Aus Italien mochte ich früher sehr gerne die UMM Platten. Stealth Platten aus Holland fand ich absolut phantastisch, genau wie Quazar auf GO BANG! Aus Deutschland gefielen mir immer die Mike Ink Platten ziemlich gut. Eine Platte, die ich auch jetzt noch oder wieder spiele, ist Mike Inks Remix von "Move Your Body".
FP:
Das ist damals eine halb illegale Platte gewesen!
CB:
Ich wußte das nie. Ich habe die Platte nur durch einen Zufall gekauft. Ich bin in einen Laden gegangen, der nie Techno-Platten verkauft, nie und die hatten eine Copy von der Platte. Ich habe bisher keinen gesehen, der diese Platte aufgelegt hat, und wenn ich nicht mit dir bzw. mit Achim von Force Inc gesprochen hätte, wüßte ich es bis heute nicht. Gerade über die letzten zwei, drei Wochen habe ich angefangen, die Platte wieder zu spielen und bis jetzt weiß keiner hier irgendetwas über die Platte. Für mich ist Mike Inks neue Love Inc- New Jack City 10" die einzige Platte, die ein ähnliches Statement gemacht hat wie Dave Clarkes Red Platten, allerdings mit einer individuelleren Mike Ink typischen Note. Mike Ink hat die amerikanischen und die deutschen Einflüsse zusammengeführt.
FP:
Wo legst du auf als DJ?
CB:
Ich habe 1990 angefangen Platten aufzulegen und bin jetzt Haus-DJ vom Zap Club in Brighton, wo ich jeden Freitag auflege. Samstags bin ich Guest in anderen Clubs. Ich lege z.B. im "The Final Frontier" in London auf, der auch als Club UK bekannt ist. In Europa, sprich in Holland, habe ich vor zwei Wochen zum erstenmal aufgelegt. Der Club hieß "Funky Business" und es war ein phänomenales Erlebnis. Es war im übrigen so gut, daß man mich überredet hat, dort auch noch am Sonntag aufzulegen. Ich werde im Dezember wieder dort sein.
Anfänglich hat mir die Vorstellung, in Holland aufzulegen, etwas Angst gemacht. Sagen wir mal: Wenn du in Deutschland auflegst, dann weißt du ungefähr, was du in dein Flightcase packst. Aber was geschmacklich in Holland vor sich ging, das wußte ich nicht. Ich kannte Rotterdam-Gabba und die Platten aus Holland, die ich selbst kaufe, sonst nichts. In England war ich früher oft auf den großen Techno-Events.
Aber irgendwann habe ich mich in dieser Sache etwas zurückgezogen, weil ich gemerkt habe, daß das Publikum für Techno weniger und weniger wurde. Mich hat das eine Weile lang frustriert und ich muß sagen, daß ich in erster Linie auflege, weil es mir Spaß macht. Oft war ich für zwei Stunden gebucht, mußte aber schon nach 45 Minuten aufhören, bekam dasselbe Geld, merkte aber nach kurzer Zeit, daß es nur ein Job wie jeder andere war.
Heutzutage habe ich meine festen Abende in einem 500-Mann-Club und die Leute wissen, was sie erwartet. Das ist wesentlich angenehmer. Im Zap spiele ich vier Stunden, von House bis Techno, was mir vorher in einer Stunde natürlich nicht möglich war. Ich hoffe, daß ich Leute, die nur an House interessiert waren, für Techno interessieren konnte und umgekehrt. Es ist dieselbe Politik, die ich auch mit meinem Label verfolge.
FP:
Von den Platten, die du herausgebracht hast, was war die erfolgreichste?
CB:
Ohne Zweifel war es Dave Clarkes Mix von Aphroheads "In The Dark We Live". Was Aphroheads und Daves Platte anging, war es für uns ein Risiko, sie zu veröffentlichen. Wenn ich eine Platte veröffentliche, dann tue ich das, weil sie mir gefällt und ich glaube, daß sie den "break even" erreicht. Ob sie mir Geld einbringt oder nicht, ist mir egal. Als ich mit Dave zusammenkam, war weder er noch ich sich bewußt, wie erfolgreich die Platte werden würde. Die anfänglichen Reaktionen zur Platte waren nicht sehr gut. In den UK gab es nur wenige Läden, die die Platte unterstützt haben. Nur durch Reaktionen aus dem Ausland, z.B. den USA und Deutschland, wurde ein Interesse in England geweckt. Der Auslöser war im Grunde genommen eine Mixshow von Junior Vasquez auf Radio1, einer öffentlich-rechtlichen Radiostation, in der er Dave Clarks Remix gespielt hatte. Von Freitag bis Montag stand mein Telephon keine Minute still, und es waren letztendlich die Leute, die die Platte abgelehnt hatten, die mich jetzt anriefen.
FP:
Wie fühlt man sich da?
CB:
Ich bin da zynisch im Umgang mit der Sache. Ich sehe allerdings diesen Prozeß des verzögerten Erfolgs als einen häufig stattfindenen Vorgang. Fakt ist, daß viele unserer Platten eine etwas längere Anlaufzeit benötigt haben.
FP:
Habt ihr die Aphrohead Remixe von Dave Clark oft lizensiert?
CB:
Die Aphroheadplatte gibt es jetzt seit einem Jahr. Wir haben die Platte an Emotive lizensiert und das war eine Lehre für mich! Es war keine positive Erfahrung, wenn ich das sagen darf. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, ein Buch zu schreiben, wenn du das verstehst. Die Amerikaner betreiben Business völlig anders als wir. Danach haben wir die Platte an Reload lizensiert, sowie an viele DJ- Mixtapes. Wir werden in der Zukunft etwas weniger lizensieren. Bisher machen sich die Remixe auf anderen Labels verkaufstechnisch bei uns nicht bemerkbar. Unsere Platten verkaufen sich noch immer gut . Europa wächst immer mehr zusammen, was Vorteile, aber auch Nachteile hat.
FP:
Ward ihr eigentlich mit den Remixen auf Reload zufrieden?
CB:
Wir verstehen ja, daß manchmal eine Platte geremixt werden muß für einen speziellen Markt. Womit wir ein Problem hatten war, daß auf der ersten Platte von Reload Remixe von der Red 1 waren, von denen wir nichts wußten. Wir bekamen erst Copies, nachdem die Platte schon in den Läden war. Das hat uns geärgert.
FP:
Was an Bush interessiert, ist nicht alleine die Musik sondern auch der Schriftzug. Wer ist dafür verantwortlich?
CB:
Verantwortlich dafür ist Michael Hernan, der in Manchester aufs College gegangen ist und jetzt in London lebt. Wir haben uns damals hingesetzt und beschlossen, etwas sehr Simples auf das Cover zu bringen. Wir wollten etwas, was einen Eindruck macht, aber gleichzeitig nicht zu blumig war, sondern die Sache präzise auf den Punkt brachte. Mit Micheal Hernan hatten wir jemanden gefunden, der stark an Musik interessiert war und somit das graphisch umsetzten konnte, was wir uns musikalisch vorgestellt hatten.
Das interessante an dem Logo bzw. der Schrift ist, daß man nicht wirklich weiß, was sie bedeutet. Es war auch immer wieder witzig, den "Oh Yeah"-Effekt von Leuten zu hören, nachdem du ihnen sagst, was es heißt. Es ist eine Schrift, die er selbst erfunden hat. Er hat mit dem "B" angefangen und hat daraus die anderen Buchstaben entwickelt. Er ist als Mensch sehr wählerisch und hat das Logo nur unter der Voraussetzung gemacht, daß wir an Geld bei der Produktion der Cover, sprich dem Druck, nicht sparen würden.
Ein weiterer Beweggrund für das ausgefallene Design war - ich weiß nicht, wie das in Deutschland ist - die unglaubliche Anzahl an Platten, die nur als Weißpressung in einer weißen Hülle erscheinen und bei mir den Eindruck eines Einweg-Produktes hinterließen. Meine Intention war, daß man unsere Platten als etwas betrachten konnte, das gut aussah und das man besitzen/behalten wollte. Ich dachte, daß die Art, wie Independent Labels ihre Platten repräsentierten, geändert werden müßte.
Jetzt hat sich das mittlerweile auch geändert, mit colored Vinyl z.B. Independent Label wollen jetzt der Öffentlichkeit mehr geben. Force Inc ist mit ihrer Picture Disk und 10" ein Beispiel. Wenn ein Indie-Label das tut, ist es weniger zynisch, als wenn ein Mayor-Label das in Auftrag gibt. Denn ein Indie-Label macht es, weil es interessant ist und der Mayor macht es, weil er sich davon eine Steigerung der Verkaufsrate um 10000 erhofft.
FP:
Manchester war lange Zeit als Musikstadt bekannt, die man mit Northern Techno, sprich 808-State, in Verbindung sah. Plötzlich aber scheint von dem ganzen nichts mehr übrig zu sein. Was ist passiert?
CB:
Die Szene ist vom Norden in den Süden gewandert. Meiner Meinung nach sind Clubpromoter dafür verantwortlich. Irgendwann einmal ist die Szene explodiert. Es gab Raves mit 15 000 Leuten, wo eine Durchmischung der Musikstile stattfand. Dabei spielten auch kommerzielle Gesichtspunkte eine Rolle. Das ist an sich ja nicht schlimm, aber es ist schlimm, wenn die Musik darunter leidet. Was die Clubszene in Manchester angeht, so hat hier jeder versucht, sich an dem Hazienda zu orientieren, statt etwas neues zu machen. Das hat zur Stagnation geführt.
FP:
Wann wird die nächste Platte auf Bush erscheinen?
CB:
Red 3 wird im November bzw. Dezember veröffentlicht. Danach wird es eine RED LP von ihm geben. Wir warten mit seinen Produktionen etwas, weil er momentan viele Remixe macht und er nicht wollte, daß alle Welt denkt, er bringe nur Red Platten heraus. Für uns als Label gilt das selbe.


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