Marco Micheli


Neben Leo Annibaldi ist Marco Micheli einer der vielversprechendsten Acts auf Out Of Orbit und einer der Wenigen, die es verstehen, ein Stück über Minuten endlos zu entfremden und auf die Spitze zu treiben. Hätte Tribal nicht so einen unangenehmen Beigeschmack, dann wäre die Art Rhtyhmen zu steigern und Sequenzen immer explosiver werden zu lassen, genau die Art, wie man Marco Michelis Stücke beschreiben könnte. Endlose technische Rituale, die sich immer tiefer bohren. Man sollte ihn ernst nehmen, denn seine Musik entwickelt beschwörerische magische Kräfte. Stehen wir etwa kurz vor einer neuen psychodelischen Revolution? Geht es wieder Richtung Indienshop oder bleiben wir dieses mal von dem ganzen folkloristischen und new-agigen Blödsinn und der etwas irrwitzigen Palette fernöstlicher Mystik befreit und können Worte wie Geist wieder ganz neutral benutzen? Wird es Fußmassagen geben oder ein gutes Buch? Fragen, die wir Marco Micheli nicht gestellt haben, denn er würde es gar nicht wissen wollen. Was ihn beschäftigt ist Musik und freies Denken. Dogmen und Prophezeiungen wird man aus ihm nicht rausbekommen.

FP:
Stimmt es, daß du bisher zwei Platten veröffentlicht hast, "Elektrage" und "Extra Vehicular Activity"? Und wer hat dich in den Anfängen beeinflußt?
MM:
Ich habe vorher noch "Full Immersion" mit Leo Annibaldi zusammengemacht. Da ist wohl klar, wer mich beeinflußt hat, und aus dieser Zusammenarbeit ist dann auch "Out Of Orbit" entstanden.
FP:
Die beiden Platten scheinen eine gewisse Art von Konzept zu verfolgen. Electrage scheint sehr soundreduziert zu sein und sehr rituell, und Extra Vehicular Activity sehr mystisch und teilweise kindlich. Könntest du irgendwie erklären warum?
MM:
Das ist sehr schwer für mich. Es gibt eine Konzeptualität hinter der Musik, aber da es von meinem Geist kommt, ist es sehr von der jeweiligen Stimmung abhängig, in der ich bin. Das beeinflußt die Musik stark.
FP:
Stimmt es, daß die Namen der beiden Seiten deiner EVA Platte von Carlos Castaneda stammen?
MM:
Ja, Castaneda hat in seinen Schriften die Konzepte von Nagual und Tonal beschrieben, und ich habe sie deshalb benutzt, weil ich glaube, daß es eine Art Schlüssel zum Verständnis der Stücke ist.
FP:
Interessierst du dich für Mystizismus im allgemeinen, oder benutzt du solche Begriffe und Klänge mit einem bestimmten Ziel?
MM:
Ich bin nicht ganz sicher, ob Mystizismus das richtige Wort dafür ist. Aber es stimmt schon, daß ich mit meiner Musik ein Ziel verfolge. Ich will die Gefühle, die ich dadurch in mir hervorrufe, auf jeden übertragen.
FP:
Interessierst du dich für irgendeine Weltsicht im speziellen, oder für religiöse Praktiken?
MM:
Ich glaube nicht an Religion, weil es die Fiktion der Menschen ist, eine Fiktion, die nur dazu dient, andere Leute zu kontrollieren und auszubeuten. Obwohl ich noch recht jung bin, habe ich schon verstanden, daß die einzige Art von Religion, die ein Recht hat zu existieren, die ist, die man in sich trägt.
FP:
Glaubst du, daß Musik dafür da ist, höhere Spären zu erreichen?
MM:
Musik als eine Form des Ausdrucks sollte zumindest - und kann es auf jeden Fall - sehr sehr hohe Spären erreichen.
FP:
Glaubst du, daß viele Leute dich mit Annibaldi vergleichen, weil du auf dem gleichen Label bist? Wie würdest du deinen eigenen Sound beschreiben?
MM:
Wie ich schon gesagt habe ist es für mich sehr schwer, eine exacte Definition dessen zu geben, was ich tatsächlich mache, weil ich es eben selber einfach nicht weiß. Manche nennen es »wierd techno«, aber ich mag eigentlich keine Definitionen
FP:
Was bedeutet der Term Extre Vehicular Activity?
MM:
Ich habe den technischen Terminus genommen, den man gebraucht, um die Bewegungen der Astronauten im Weltraum zu bezeichnen.
FP:
Würdest du deine Musik als abstrakt bezeichnen?
MM:
Nein, ich glaube nicht, daß sie abstrakt ist. Weil ich mich selber als abstrakt definiere, ist meine Musik eher real.
FP:
Alle deine Stücke sind beherrscht von einem sehr stark flackernden Rhythmus und einer sehr intensiven Hauptsequenz. Glaubst du, daß die beiden eher gegen oder miteinander arbeiten?
MM:
Ich würde sagen, daß ich da eigentlich keinen Unterschied mache, eins komplettiert das andere.
FP:
Glaubst du, daß deine Musik eher expressiv, strukturell oder experimentell ist?
MM:
Diese drei Eigenschaften sind Basis meiner Musik, und je nach der momentanen Lage betone ich das eine oder andere.
FP:
Wer macht das Labelartwork für Out Of Orbit?
MM:
Alles was wir machen ist ein Teamwork, alles entsteht hier.
FP:
Was ist das Spezielle an elektronischer Musik in Italien?
MM:
Ich weiß gar nichts von elektronischer Musik Italiens, aber die Musik die wir hier in Rom machen, kommt immer mit etwas neuem.
FP:
Gibt es irgendwelche Musiker, die dich entscheidend beeinflußt haben, oder die du bewunderst?
MM:
Ich höre alle möglichen Arten von Musik. Aber ich bevorzuge Musik, die mir starke Emotionen vermittelt. In der Psychodelischen Zeit waren Pink Floyd die beste Band, die in der Musikszene je existiert hat.
FP:
Was sind deine Lieblingssachen außer Musik?
MM:
Peace Love & Harmony


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