Abe Duque


Der in Queens lebende Südamerikaner Abe Duque ist einer von wenigen DJs in New York City, die gleichermaßen Techno, House und Ambient veröffentlichen. Seine ganz spezielle Stärke ist seine funkige Art, die 303 zu programmieren und lateinamerikanisches Rythmusgefühl in minimalistische Stücke einfließen zu lassen.

Der am Regenwald des Amazonas geborene Sohn einer Missionarsfamilie hatte dies schon ansatzweise auf dem Bruderlabel von Vortex "Death" gezeigt, auf dem er unter dem Projektnamen "Kirlian" Angel Of Death rausbrachte. Mit seinen nun vier Labeln Tension, Rancho Relaxo, Inner Sanctum und Hollis Haus frißt er sich in das Relief der europäischen Techno- und Houseszene ein. Hoffentlich, denn mit dem Niedergang der Raveszene in New York und dem Wegdriften in Richtung Vokalhouse wird der Platz dort langsam eng.

Abe Duque bezieht seinen Künstlernamen Kirlian von dem sowjetischen Elektroniker Semyon Davidovich Kirlian, der als erster von biologischen Lichterscheinungen Photos machte, die in Hochfrequenzfeldern entstanden und sich in jeder Lebensform wiederfinden. Bevor er anfing, Stücke zu schreiben, arbeitete er als Sanitäter. "Ich war ein Parademic. Du kennst diese Art von Typ, der von einer Unfallstation zur nächsten zieht und Personen medizinische Hilfe anbietet. So eine Art Felddoktor." Letztendlich in Kontakt mit Musik kam er durch seinen Vater.

"Mein Vater war ein Musiker. Er spielte neun Instrumente. Er war derjenige, der mich zu Klavierstunden geschickt hat, als ich noch sehr jung war. Ich habe es gehaßt. Ich wollte nicht Stunden lang am selben Ort sitzen und Tonleitern üben. Es war langweilig...... Ich erinnere mich daran, wie meine Klavierlehrerin Mrs. Perry mir ein Stück gab, um es zu lernen und ich mir die Schallplatte davon gekauft habe, um durch Hinhören zu lernen, anstatt die Noten zu lesen. Ich habe es nie gelernt und die Unterrichtsstunden hörten bald auf. Es dauerte bis zur siebten Stufe. Die Lehrerin konnte nicht kommen und schickte eine Vertretung. Nun, ich fühlte mich in Spiellaune und spielte Stücke, an die ich mich noch von früher erinnern konnte. Von dem Augenblick merkte ich, daß Mädchen Jungen mögen, die Klavierspielen können. Ja wirklich, ich glaube ich bin musikalisch aufgewachsen! Mit sieben kaufte ich mir meine erste Schallplatte, die in einem Comic beworben wurde, Mr. Rogers Greatest Hits. Ich nervte meine Mutter so lange, bis ich sie bekam. Sie enthielt alle meine Lieblingstücke."
Schon sehr früh hatte er sein Augenmerk auf elektronische Geräte geworfen, in einem Alter, wo andere Malvel Comix nachjagen. Aber es dauerte noch einige Zeit.
"Als ich 13 Jahre alt war, ging ich mit meinem Vater in ein local Recordstore um die Ecke und dort sah ich es.... Es war unglaublich. Ich hatte so etwas noch nie gehört... Es war ein Synthesizer. Direkt verliebte ich mich in ihn. Aber der Preis war zu hoch für das, was sich ein Junge im Alter von 13 Jahren leisten konnte. Sogar mein Vater hatte das Geld nicht. Aber von da an wußte ich, was ich wollte. Ich wußte, daß ich eines Tages so etwas besitzen sollte. Danach besuchte ich den Laden jede Woche. Ich kannte jedes Instrument, was neu im Laden stand und MIDI hatte. Es dauerte bis ich 17 war, als ich mir ein Gerät kaufen konnte. Es war ein Korg Poly 800. Danach war alles einfacher. Ich bekam einen Job und gab alles Geld für Studiozeug aus. Es wurde so schlimm, daß mich meine Mutter streßte, neue Klamotten zu kaufen. Langsam nahm mein Studio Formen an".
1988 erschien seine erste Platte unter dem Projektnamen "Running Man" auf Panther Records, die zugleich auch die letzte Platte des Labels war. Die Labelmacher wurden verhaftet, als sie versuchten, Zivilpolizisten ein Kilo unverschnittenes Heroin zu verkaufen.

Tension Records, sein momentan aktuelles Label, welches die mörderische Experiments With Trigger EP als letztes veröffentlichte, wurde in den frühen 70ern als ein Salsa-Label von seinem Vater gegründet. Nach seinem Tode 1980 mußte das Label geschlossen werden, konnte aber Dank eines columbianischen Investors wieder in Betrieb gehen. Seine Labelaktivitäten, die eine Bandbreite von Chill Out über House zu Techno umfassen, werden begleitet von DJ Auftritten up and down N.Y.C. und Happenings, die für deutsche Standarts unvorstellbar sind.

"Wir haben gerade angefangen, eine Rancho Relaxo Nacht samstags im Limelight zu machen. Es ist eines der coolsten Events, mit denen ich je zu tun gehabt habe. Was ich gemacht habe, war alle meine Freunde einzuladen und irgendetwas mitzubringen: Platten, Synthies, Drumcomputer oder irgendwas anderes und dann haben wir die ganze Nacht gejammt. Wir kennen kein Format. Wir spielen Live-Sets mit DJ-Sets zusammen. Wir haben immer eine gute Show, wenn es darum geht, gute Leute einzuladen. Letztesmal hatten wir die Sähkö- Leute da. Wenn du mich fragen würdest, was wir für Musik spielen....nun wir nennen es Ambient, bis ein Freund kam, um uns zu sagen, daß das, was wir spielen, Chill Out ist, weil nicht alles ohne Beat abläuft."
Und was kommt als nächstes von Tension? "Mika Vaino von Sähkö bringt als nächstes eine EP mit dem Namen Rheuma raus auf Tension. Die Nr. 10 auf Sähkö dagegen wird vier lange Stücke von mir featuren. Die Platte wird Porzellangasse Grooves heißen."


Copyright © 1995, Technomedia GmbH HomeBattnSm2 HomeBattnSm1