Interviews 94-09


mr magic jonzon

Den Mann kann man eigentlich mit fast allen großen Technosachen in und um Berlin in Verbindung bringen: Er hat im Ufo, im Planet und im Tresor aufgelegt, hat auf Technozid oder Technostorm die Massen verzückt und gehört zu den Leuten, die lieber konzentriert ihren Job machen, anstatt nach mißglücktem Übergang auch noch die Arme hochzureißen und sich feiern zu lassen.

This is our House, and House is a building. Zwischen schreiendem und kackenden Töchterchen Jessie Lee, dem eifersüchtigen Sabbermaul Boris, unter brennender Sonne, umgeben von brandenburgischem Wald- und Wiesenambiente stellte Terry Belle einen der Altmeister des Genres zur Rede. What's next Mr. Jonzon? Was wird passieren und warum ist alles so wie es ist?


tom clark

Es ist Tradition, daß Frontpage auf jeder Tour talentierten Nachwuchs-DJs die Chance gibt, sich in den besten Clubs Technodeutschlands zu bewähren. Also sandten wir auch diesmal wieder unsere Späher aus, um jemanden zu finden, der einerseits ein vielversprechender Vertreter der jungen DJ-Garde ist und der andererseits auch in der Lage ist, die großen Anstrengungen und Entbehrungen zu verkraften, die uns zweifellos auch auf der bevorstehenden Frontpage-Tour blühen werden ...

Und wir haben den DJ gefunden von dem wir sicher sind, daß er imstande ist diesen schweren Weg mit uns zu gehen. Er heißt Tom Clark, ist 23 Jahre alt und kommt aus Berlin.


force inc

Force Inc war schon immer mehr als ein Label. Als Achim Szepanski die ersten Platten von Exit 100, Alec Empire, Age und Spacecube herausbrachte, wurde klar, daß es hierzulande nicht nur das damals übliche Umtaataatechnozeug geben konnte, sondern dass neben den amerikanischen Acidproduktionen deutsche durchaus mithalten konnten. wenn nicht sogar neue Standards setzten ...

Was ist so falsch an der derzeitigen Technolandschaft Deutschlands?

Viele der ersten Force Inc. Platten wurden im Ausland als Kultplatten gefeiert und trugen immens dazu bei, daß Germany auch in Sachen Acid ernst genommen werden mußte. Und noch heute zählt Force Inc. in Amerika und England zu den wichtigsten Labels Deutschlands.


sam jennings

monosphere

Sieht man den Anteil von Trance-Produktionen und -Labels in Deutschland, so sind etwa 80% aller Labels Trancefabriken. In Köln sind über die Hälfte der Label Acid-Label. Und trotz dem Anstieg der Trance-Label hier muß man sagen,¥ daß Trance hier keine große Chance hat ...

Hardcore, Acid --- und nicht zu unterschätzen: House! haben hier in Köln Tradition ...

Hatte man 1991 b.z.w. 1992 mit Mate Galic einen kompetenten Vertreter dieser Stilrichtung, der es verstand, Raver für Trance zu begeistern, was sich in der Bildung einer Trancezsene kundtat, so muß man sagen, das heutzutage davon nicht mehr viel übrig geblieben ist und er selbst sich davon immer mehr distanziert, wie man bei den letzten Housefrau Sendungen auf Viva festellen mußte.

Durch die Vielseitigkeit von Techno und nicht zuletzt durch das Aufkommen einer neuen Generation von Ravern, die für sich nicht erst Techno neu entdecken mußten, sondern die mit Techno aufwuchsen, in der Art wie es in den Medien presentiert wurde, änderte sich das Bewußtsein. Techno goes Hookline, Techno goes Pop heißt die Devise. Ist man in der letzten Zeit ins Warehouse gegangen, so mußte man feststellen, daß nur wenige von der Stammbelegschaft von 1992 übriggeblieben sind. Trance ist zumindest in Köln eher ein Ravephänomen geworden, auch wenn mit dem U-Club und der After Hour Lokation, Nachtrock, neue Anlaufstätten geschaffen worden sind.

Der gebürtige Engländer Sam Jennings war und ist einer der wichtigsten Vertreter der Richtung, der für Hits wie, "The Sound", "For Love" und "Our Hobby Is Different" verantwortlich war( letztere mit Mate Galic produziert). Anhand seiner eigenen Projekte, unter dem Namen Plasma und Monosphere, die sich bis dato anhand von sechs Veröffentlichungen manifestierten, zeigt sich die ganze Bandbreite von Trance und die notwendig erscheinende Entwicklung, weg von Hooklines und billigen Flächen.

Frontpage sprach mit Sam Jennings anläßlich seiner neuen Platte auf Bionic Beats, "Midiology".


disko b

Ein Label, das Freiräume schafft

Wer die deutsche Labelszene über die letzten Jahre verfolgt hat, wird erkennen müssen, das viele ehemals gute Label heute nur noch auf der Trendschiene fahren. Ein Label gehört hier keinesfalls dazu. ->->->

Nur wenige Labels, wie z.B. Structure, Force Inc., Basic Channel oder D.Jungle Fever haben ihr Niveau halten können. Zugegeben, dies sind alles Acidlabel und Acid ist nicht halb so populär gewesen und hat die 90er nicht in dem Maße bestimmt, wie Techno und Hardcore -> trotz Revival.

Techno und Hardcore tragen die Bürde der glanzvollen Jahre 91 und 92. Acid war immer da, untergründig. Mit der Zeit haben sich zwangsweise andere experimentelle Richtungen entwickelt, die auf geschmackvolle Art und Weise den Spirit von 91 und 92 auf ihre Weise wieder aufleben lassen. Ein Spirit, der kreative Qualitäten auf Grund von freiheitlichem Denken, möglich machte.

Disko B sieht sich in dieser Tradition und hat heute, mehr denn je ein wasserfestes Angebot and internationalen, guten Acts und Producern. Eckpfeiler des Labels sind: DJ Hell, Acidscout, Kotai, Pulsinger+Tuna Khan, Dave Clark und nicht zuletzt Jeff Mills.

Parallel zum Label gründete Peter Wacha (->: DJ Upstart), der Macher des Labels Ultraworld ein monatlich stattfindenes Rave in einer der Hallen im Flughafen Riem, mit dem eigentlichem Ziel einen Club zu eröffnen.

Mitte Juni nun, eröffnete Ultraschall, der offizielle Club von Disko B, in der Küche des Flughafens.

Frontpage sprach mit Upstart.


low > high

Low Spirit haben seit Beginn dieses Jahres eine Erfolgsserie hinter sich, die keine Vergleiche kennt. Als erstes deutsches Dance- und Technolabel war das Berliner Traditionslabel, das im nächsten Jahr zehnjährigen Geburtstag feiert, kontinuierlich mit mehreren Titeln in den deutschen Top 40 Verkaufscharts.

Ein Megahit jagte den anderen und Frontpage hat ja Anfang des Jahres, als keiner den Verlauf ahnen konnte, mit Marusha ein Interview gemacht und zu einem Zeitpunkt, als man das ganze noch als vorübergehende Erscheinung einschätzen konnte, mit DJ Westbam gesprochen. Dieses Interview erregte damals viel Aufsehen, unter anderem mit der These, daß Techno die nächsten Vierzig Jahre bestimmen würde.

Das hört sich jetzt schon banal an, die These ist zum Allgemeingut geworden. Keine Revolution war schneller (was eben noch auf dem Transparent stand ist jetzt schon Wirklichkeit). Alle sind überrascht und überrumpelt von der Entwicklung, sogar Low Spirit selbst. Die Auswirkungen auf die Musikszene der Zukunft sind gigantisch und schon jetzt bemerkbar. Im einfachsten Fall: Hat dieses Jahr irgendwer noch offene Autos gesehen, aus denen nicht Techno hämmerte ...

Über den Erfolg von Low Spirit, die Konsequenzen und Bedeutungen, Kehrseiten und Konfrontationen des ausgelösten Booms sprach Frontpage mit DJ Dick, einem der wichtigen Konzeptioner des Low Spirit Labels.


mate galic

Lange Zeit wurde er als die größte deutsche DJ-Hoffnung gehandelt, doch plötzlich war er von der nationalen Rave Bühne verschwunden. Nun ist er wieder da und zwar präsenter als je zuvor, nämlich in den deutschen Wohnzimmern als Moderator der Technosendung Housefrau auf VIVA.

Frontpage traf den 20jährigen in seiner Heimatstadt Köln zum Interview.


n o w !

Kein Plattenladen ist so aktiv in Sachen Techno und Acid wie der Now Recordstore in Mainz. Neben den bekannten Labels wie Labworks und Overdrive veröffentlichen die Inhaber Andy Düx und Holger Wick, nun auf insgesammt sieben Labeln, mit einem musikalischen Spektrum von Ambient bis Gabba.

Obwohl der Schwerpunkt bei einheimischen Acts und Producern liegt und oft eine geradezu familiäre Beziehung zwischen Labelmacher und Künstler besteht, hat sich mit Labworks ein Label etabliert, welches rücksichtslos, ohne irgendwelchen Trends zu huldigen, strikt einen Weg geht und der heißt; "Experimental Acid". Das in Amerika geradezu Kultstatus besitzende Label hat mittlerweile bekannte internationale Künstler wie DJ ESP Woody McBride b.z.w. den Analogtüftler Freddie Fresh unter Vertrag und hat sich im Kontrast zu einem Label wie Adam & Eve, das gute Verhältnis mit der U.S. Techno Scene bewahrt.

Triple R sprach mit beiden.


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