mate galic


FP:
Wie waren die Übergänge vom rheinischen DJ-Gott bis hin zum Moderator bei VIVA? Was ist da passiert in der Zwischenzeit ...
MG:
Untergetaucht nicht direkt, ich habe die ganze Zeit weiterhin aufgelegt - vielmehr hat sich bei mir ein innerlicher Wechsel vollzogen, sei es nun in meinem Lebensstil oder in musikalischer Hinsicht. Früher war ich mehr der Party-Freak, ziemlich jung und das ganze party-machen war so neu. Hinzu kam der schnelle Erfolg mit dem DJen, der zwar schön war, mich aber auch ein wenig überrollt hat. Irgendwann war dann für mich der Zeitpunkt gekommen, wo ich umdenken mußte.

FP:
Du hattest ja eine ziemlich heftige Phase - Moltkestraße und so...
MG:
Ja klar, die Zeit war auch geil, nur irgendwann hatte ich keinen Bock mehr die ganze Woche wach und drauf zu sein, da entdeckt man auf einmal die Lust am schlafen. Genauso war es mit der Musik. Ich habe damals Platten aufgelegt, die nur darauf ausgerichtet waren, Ekstase auf der Tanzfläche zu erzeugen - und blieb damit zumeist auch an der Oberfläche hängen.

FP:
Man warf Dir ja auch teilweise vor,daß du keinen eigenen erkennbaren Stil hattest.
MG:
Mir ging's damals hauptsächlich um die Party an sich, musikalische Inhalte zählten nicht so sehr. Ich wollte mich auch nicht festlegen, weil ich fand, daß das immer von den Leuten und dem Umfeld abhing, was ich nun spielte. Heute sehe ich das anders. Gerade ein Stil ist bei Techno unbedingt erforderlich, um sich so von dem DJ-Job im herkömmlichen Sinn abzuheben, wo der Dj das auflegt, was die Leute gerne hätten. Aber ich glaube, ich war nicht der einzige, der so gehandelt hat, nur einer der wenigen, die es offen zugeben. Der einzige in Köln, der seit eh und jeh sein ganz eigenes Ding gefahren ist und aus meinem näheren Umfeld kommt, ist Roland Casper. Dafür hat er es aber auch immer schwerer gehabt, als so manch anderer. Letztendlich ist sein Weg aber der klügere ...

Die Szene damals war ja auch viel intimer und kompakter, da machte man sich einfach nicht so einen Kopf - man wollte ja sogar ganz bewußt, daß die Leute aufmerksamer auf die Musik werden und das sich die Szene vergrößert. Welche Auswirkungen und welches Nachspiel das mit sich bringt, hat niemand abschätzen können.


FP:
Wie bist Du zu VIVA gekommen?
MG:
Nun, ich war mit Sebastian, mit dem ich Spacemate gemacht habe, von Housefrau-Macherin Andrea Junker, die ja auch gleichzeitig unsere Verlegerin ist, als Interviewgast für das casting eingeladen worden. Da saßen wir dann auf dem Sofa und haben brav Fragen beantwortet. Letztendlich fanden sie wohl meine Antworten besser als die Fragen der Moderatoren. Somit wurde mir nahegelegt, mich doch auch mal casten zu lassen. Gesagt, getan. Ich stelle mich also vor die Kamera und redete aus dem Stegreif ein paar Mods. runter.

Den letztendlichen Anstoß gab aber sicherlich das Interview, indem ich Mark Spoon befragen sollte. Der versuchte mich dann mit Fragen wie "Eh, du bist doch schwul, oder?" vor der Kamera aus der Reserve zu locken,da ich dabei jedoch relativ cool blieb und immer wieder zum Thema an sich zurückkam, war wohl für VIVA alles klar: Wer so einen Interviewgast übersteht, der ist geeignet. Ich ging nach Hause und am nächsten Tag hatte ich den Job.

FP:
Deine Plattentips sind dein größter Freiraum,oder?
MG:
Ja, da gehe ich am meisten auf, weil dort ausschließlich die Platten vorgestellt werden, die Sabine und ich geil finden. Beim Rest der Show müssen wir auch schon mal das ein oder andere Video ansagen, auf das wir überhaupt keinen Bock haben. Aber anders ist das gar nicht möglich, eine wöchentliche Techno/House-Sendung zu machen, weil es total an Videos mangelt und man ist mit dem zufrieden, was man hat. Ich denke mir aber, das entwickelt sich noch, da jetzt auch kleinere Labels anfangen die Chance dieses Mediums zu nutzen, um ihre Produktionen einer breiteren Masse zugänglich zu machen. Soweit ich weiß, produzieren gerade sogar Roland Casper, Rob Acid etc. Videos und das ist doch eine feine Sache, wenn es zu wirklich inovativen Tracks auch ein Video gibt. Es muß ja auch nicht aufwendig sein, viele Tracks sind ja auch minimal - und trotzdem, oder gerade deshalb genial!!

Ich erinnere mich da an ein Video von Orbital, wo jemand mit der Kamera über einen Flohmarkt schlenderte und die Leute bei ihrem Treiben und tun aufnahmen. Das hat schon was.

FP:
Hast Du keine Angst, daß Du als Person bzw. DJ mit all dem, was in der Sendung gespielt wird, gleichzeitig identifiziert wirst?
MG:
Ich denke nicht, weil ich ja dem Zuschauer offen zu verstehen gebe, was ich persönlich gut finde, wie zB bei den Plattentips. Da krieg ich dann sogar Reaktionen in den Plattenläden, wo Verkäufer auf mich zukommen und nach einer wöchentlichen Liste meiner Plattentips verlangen. Das erfreut mich total, weil ich sehe, daß da Labels, die sonst vielleicht nicht so populär sind oder keine Videos haben, trotzdem eine Chance haben, das mehr Leute auf sie aufmerksam werden und sich ihre Platten anhören.

Daran finde ich auch nichts Verwerfliches, wenn sich viele Leute Platten kaufen, die gut und innovativ sind. Schlimm finde ich, daß die meisten eh nur auf Kirmestechno stehen und diesen Leuten möchte ich zeigen, daß es noch interessantere und bessere Varianten von Techno gibt.


FP:
Was findest Du schlimmer- Gabbakommerz oder Trancekommerz?
MG:
Ich mach da keinen Unterschied, wenn es dabei um Stücke handelt, die ausschließlich daraufhin produziert sind, so viele Platten wie möglich zu verkaufen.

Außerdem! ->-> Was hierzulande als Trance bezeichnet wird, ist zumeist nichts weiter als Techno-Pop ... Streicher und Flächen erzeugen also Trance und monotone Stücke sind stumpfe Musik. Dabei ist gerade monotone Musik der wahre Trance, wo Rhythmus und Sequenz so auf die Essenz minimalisiert sind, daß sie sogar eine Stunde nonstop laufen könnten und es würde nicht langweilig werden.

FP:
Zumeist ist es doch so, daß die wirklich innovativen Stücke doch wieder aus dem Ausland kommen,oder?
MG:
Oft, das liegt aber daran, daß es bei den Leuten in den Staaten z.B. den ganzen Techno-Hype gar nicht gibt, es sich vielmehr um eine Subkultur handelt und die Musik straight outta heart kommt. In Deutschland ist es so, daß vielzuviele Künstler zu sehr von dem ganzen Drumherum beeinflußt werden, meistens in die Richtung, die gerade in Mode ist. Man höre sich nur Richie Hawtins Fuse"FU"an, das Teil klingt heute noch genauso geil wie damals.

FP:
Du arbeitest mit Rob Acid. Wie ist die Musik, die Du mit ihm oder alleine produzierst?
MG:
Im Gegensatz zu früher- sehr eigen!

Bei meinen früheren Projekten war ich immer auf einen Engineer angewiesen. Heute ist das anders, ich bestimme wie es zu klingen hat und habe selber Zugriff. Z.Z. arbeite ich mit Rob an einem Projekt, das höchstwahrscheinlich auf JunkFood erscheinen wird. Durch VIVA und das Auflegen habe ich auch nicht so viel Zeit, aber wenn ich erst mal dran bin, kriegst du mich auch nicht so schnell davon los.

FP:
Du legst des öfteren in Kroatien auf. Wie gehts denn dort so ab?
MG:
Also, ich vergleiche Kroatien ein bißchen mit dem Sommer hierzulande in 1991. Die Leute dort haben Techno gerade für sich entdeckt. Als ich das letzte Mal da war, habe ich vor 3000 Leuten in einer Sporthalle gespielt, danach auf einer After-Hour bis mittags. Zwischenzeitlich habe ich mir sogar überlegt, einen Plattenladen in Zagreb zu eröffnen, habe die Idee aber aus Zeitgründen nicht realisieren können.

FP:
Was steht sonst noch bei dir an?
MG:
Auflegen, allerdings mehr in Clubs als auf Raves, VIVA und verstärkt eigene Produktionen. Und warehousetechnisch muß man halt sehen, was das noch alles gibt. Ich plane zukünftig aber auch wieder eigene Partys zu machen. Mit Freunden für Freunde.

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