eine Ladung Pilze, Dope und 4 bis 5 E..."
Chris K, 25, aus Berlin, war ein Jahr lang in Therapie wegen Koks und Ecstasy. Heute ist er DJ und veranstaltet eigene Parties. Seine Geschichte:
Nach der Hauptschule habe ich mich so durchgeschlagen. Mit Dope gedealt, im Head-Shop gearbeitet, beim Bühnenbau gejobbt und so Sachen halt. Eigentlich war ich ja immer mehr so der Kiffer, war gerne der Beobachter und habe geguckt, was die Leute so machen. Meine erste E habe ich, warte mal, da muß ich nachdenken, 1992 geworfen. Ich wohnte damals in einem Haus mit einer Familie, die ziemlich heavy mit Drogen gedealt haben, große Mengen an Koks und so, jedenfalls sah das für mich so aus. Selbst Bodyguards hatten die. Irgendein Typ hat uns dann mal vier Es gegeben. Ein paar Tage später habe ich eine probiert und bin tierisch abgefahren, im E-Werk war das, glaube ich, und dachte nur: 'Das ist es!' Ungefähr zu derselben Zeit kam meine Schwester auf H., und vorher hatten wir noch zusammen gekifft!
Ich habe die Drogen immer gerne gemischt. Pilze, LSD, Ecstasy, Koks; dieses up and down habe ich total genossen, wie eine Achterbahnfahrt. "Wenn meine Freunde oder meine Familie wüßten, wie es mir jetzt gerade geht" - der Gedanke mich noch mal extra angetörnt. Ein Gramm Koks, Pilze, Dope & vier bis fünf E habe ich mir an einem Abend bestimmt reingetan. Nach einer Weile bin ich in eine Wagenburg nach Karow gezogen. Da habe ich Zoran kennengelernt, meinen besten Freund, und kurz danach beschlossen, DJ zu werden. Wir haben zusammen Kassetten gemischt, uns einen Mixer gekauft, danach einen Computer, ein kleines Soundsystem und hier und da auf Parties aufgelegt und noch immer viel gekifft und E's geworfen.
Als meine Schwester inTherapie ging, 1993 war das, habe ich angefangen über Spätfolgen und so nachzudenken. Zoran und ich haben immer wieder versucht, aufzuhören, haben die Blubber versteckt, hatten keinen Bock mehr, durch die Gegend zu ziehen, nur um was aufzutreiben oder Siebe auszubrennen, auf dem Boden herumzukriechen und heruntergefallene Bröckchen aufzulesen, man kennt das ja. Das hat mich total angekotzt. Die Love Parade 95 haben wir uns dann total nüchtern gegeben. Da haben wir in einer Fußgängerunterführung aufgelegt und noch mal so richtig aufgedreht. Zum ersten Mal hatte ich keine Drogen genommen, damit es mal so richtig kommt. Vorher dachte man nach einem Mix: "Geiles Tape". und hinterher war es dann doch Scheiße. Ich stand also hinter dem DJ-Pult und die Leute haben geschrieen. Das ging rein. Das kann keine Droge ersetzen & brachte noch viel mehr als der ganze andere Stuss. Zu diesem Zeitpunkt habe ich wieder Kontakt zu meiner Schwester aufgenommen, die mittlerweile ihre Therapie hinter sich hatte. Nun ging alles recht schnell. Ich fuhr selbst nach Hannover, wollte eine Therapie und nach zwei Monaten bekam ich den Platz. Aber die Trennung von Zoran war hart. Wir hatten ja voll die Symbiose, mußten die Platten aufteilen und alles.
Zuerst kam die Entgiftung, zwei Wochen im Krankenhaus. Da habe ich nur rumgekomat, voll der Stillstand. Du liegst auf einer Station mit lauter Junkies, aber weil meine Schwester mal drauf war, auf H meine ich, war das okay. Danach kam ich nach Völcksen zur Therapie, in ein superschönes Haus auf dem Land. Das Schlimmste war, daß ich keine eigene Musik hatte. Es war ein härterer Entzug als der von den Drogen. Irgendwann bin ich zu dem Häuptling gegangen, Dietrich hieß der, und habe ihm gesagt, daß ich 'ne Party machen möchte. 'Leg' mir ein Konzept vor', meinte der, 'und dann schauen wir mal.' Zusammen mit Marc, der war auch wegen Koks und Ecstasy da, habe ich eine Anlage gemietet und im Gruppenraum eine Technoparty veranstaltet. Das war so ziemlich der Renner. Bei der dritten Party hatten wir schon Nebel und Strobes. Du bekommst bei so einer Therapie genau das reingedrückt, was gut für dich ist. Ich hatte vorher immer Angst, irgendetwas zu verpassen. Ich glaube, das ist das Besondere am E. > Junkies hauen sich mit ihrer Droge ja eher dicht. Das ist bei E eben anders. Nach einem halben Jahr hatte ich ein paar Tage Urlaub. Ich ging natürlich sofort in die Hirschbar und ins E-Werk, das war ja meine Welt. Wie ich das aufgesogen habe, und das alles ohne Drogen. Ich hatte so viel Spaß, die anderen Leute dachten ich sei drauf. Als ich dann wieder in Völcksen war, bekam ich tierischen Ärger und wurde erst einmal zurückgestuft. Aber für manche Sachen muß man sich eben gerade machen.
Jetzt wohne ich in Hannover. Von der gesparten Kohle, ich bekam ja noch Arbeitslosengeld, habe ich einen neuen Plattenspieler gekauft. Nun bin ich wieder dabei, Parties zu veranstalten oder gebe DJ-Workshops. Mit meinen alten Freunden ist auch alles wieder okay, auch mit Zoran. Der hatte ja die größte Angst, daß sie mir eine Gehirnwäsche verpassen würden und wollte mich erst da rausholen und so. Na ja, und jetzt kann ich nur feststellen: Es ist alles immer noch geil!