Hat die Techno-Szene ein Drogenproblem?

Hans Peter Tossmann, Sozialpädagogisches Institut Berlin, hat in Zusammenarbeit mit Frontpage (www.techno.de) 1.500 Ecstasykonsumenten befragt. Ergebnisse darf er zwar noch keine herausrücken, doch die großen Vorurteile kann er schon mal beiseite fegen.

"Techno und XTC ist wie Bratwurst und Senf," schrieb der Stern im Januar 1996. Die Klischeevorstellungen über Technoparties und Ecstasy in der Öffentlichkeit verfestigen sich mit jedem Tag. Nach diesen Vorstellungen treffen sich junge Leute in Clubs oder auf Raves, um ein ganzes Wochenende durchzufeiern, zu tanzen und kurzfristig aus dem Alltag auszusteigen. Wobei der Konsum von Drogen wie Ecstasy oder Speed hier ganz selbstverständlich mit dazu gehöre. Zuerst einmal muß hierzu gesagt werden, daß es bislang nur sehr waghalsige Schätzungen über den Anteil von Drogenkonsumenten in der Techno-Szene gibt. Es muß also angenommen werden, daß Techno-Parties auch für viele Leute eine hohe Attraktion haben, die jeder Pille und jedem Pulver ein gutes Pils vorziehen. Einen zwangsläufigen Zusammenhang zwischen Techno-Party und illegalem Drogenkonsum gibt es also nicht! Seriöse Jugendforscher wie zum Beispiel das "Institut für Therapieforschung" in München gehen davon aus, daß heute fast jede(r) zehnte Großstadtjugendliche(r) im Alter zwischen achtzehn und zwanzig Jahren Erfahrungen mit Ecstasy gemacht hat. Und natürlich lassen sich Ecstasy-User eher auf Techno-Raves finden als auf Rock'n'Roll- oder Punkkonzerten. Dies haben die Initiatoren von Eve&Rave schon früh erkannt und seitdem leisten sie engagierte Aufklärungsarbeit. In diesem Zusammenhang sind eine Vielzahl von Informationen über Drogen, deren Wirkungen und Safer-Use Praktiken verbreitet worden. Und vielleicht ist in dieser Initiative ein Grund dafür zu sehen, weshalb sich die dramatischen Visionen vieler Medien und Drogenexperten bis heute kaum bestätigt haben.

Und dennoch: Wer aufmerksam durch die Clubs geht oder seinen Bekanntenkreis durchforstet, wird feststellen, daß nicht alle Leute kontrolliert mit Drogen umgehen. Nach einer Befragung von 250 Berliner Ecstasy-Konsumenten betreiben nicht wenige User einen ziemlich 'harten' Konsum von Ecstasy, Speed, Halluzinogenen und Kokain. Etwa die Hälfte der Befragten gibt an, in diesem Zusammenhang Depressionen, Ängste oder Probleme mit Alltagsbewältigung erfahren zu haben. Nun passen derartige Problemlagen natürlich nicht in einen Partykontext. Es stellt sich aber dennoch die Frage, welche Formen der Unterstützung Raver finden können, die sich im Gestrüpp von Party feiern und Drogen konsumieren verloren haben. Zu befürchten ist, daß doch viele Raver in solchen Situationen ziemlich allein dastehen und sich unter Umständen gar in einer psychiatrischen Klinik wiederfinden. Auch wenn das Drogenproblem der Techno-Szene vielleicht nicht größer ist als das Alkoholproblem deutscher Stammtische, so sollten wir dennoch Ideen entwickeln, wie soziale Unterstützung und Kommunikation in der Szene gefördert werden können.


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