terrance parker
Die Geschichten von Menschen aus der Technostadt werden immer wieder erzählt, auch wenn sie vielen in Deutschland zu fremd klingen mögen! Ein Talent, daß sich langsam geformt
hat und sein ganzes Leben in Oak-Park, etwa 5 Minuten nordwestlich von Detroit zugebracht
hat und uns doch mit seinen Platten öfter umarmt hat, als wir ahnen mögen. Ein Streiter für House in der Wiege des Techno, der sich einen Standpunkt zur Lage der Musik
definitiv leisten kann. Wohin geht House und was kommt in den Zeiten nach Wild-Pitch? >>>>How funky is life?
Mit seinem Album Tragedies of a Plastik Soul Junkie,
das beim Talentschuppen
!K7-Records (Berlin) erscheint, erzählt er in 72 Minuten sein ganzes Leben und pustet uns die Sorgen aus dem Gesicht. Demnächst ist er in Deutschland auf Tour & Frontpage begleitet ihn dabei. Sein Markenzeichen ist da der Telefonhörer, an dem der geübte Clubbe-sucher gleich erkennt, daß er beim cooleren T-Punkt angelangt ist...
Welches Lebenswerk kannst du dein Eigen nennen?
Mein Label heißt Intangible-Records and Soundwerks, das ich 1993 gegründet habe und mittlerweile 25 Releases draußen hat. Vieles davon hielt sich im Stil an klassischen House-Musik, aber auch einige Technoplatten waren darunter zu finden. Auf dem Label finden sich z.B. Produzenten und DJs wie Kenny Dixon jr. oder Lu Robertson, den viele als Scan7 vom UR-Label her kennen. Die meisten Releases kommen von mir selbst und dabei benutze ich verschiedene Decknamen wie den eher langen Titel ăThe Diciples of J.Blade«, ăSeven Grand Housing-Authority", ăDisco Revisited", ăThe Lost Articles" oder eben ăPlastic Soul Junkies"...
Und was bringt dich auf diese Namen und Titel?
Eigentlich muß es nur gut klingen. It's got to have a clever ring!
Du legst schon seit Jahren als DJ auf und hast schon viele Entwicklungen mitgemacht. Könntest du aus deiner Sicht beschreiben, wie sich House-über die Jahre entwickelt hat?
So wie ich das beurteilen kann, hat sich House-Musik mehr und mehr aufgespalten! In seiner ursprünglichsten Form ging's beim House-Sound nur um einen 909/808-Drumtrack, der einen guten Groove & eine straighte Baseline hatte. Dazu kam vielleicht noch ein paar Vocalsamples und das war es auch schon. Bei allen anderen Stilarten wie z.B. Techno handelt es sich am Ende um Seitenarme des großen Baumes House-Musik, der immer weiter expandiert & wächst. Da wird's immer schwieriger, Namen zur Klassifizierung zu erfinden.
Ist das denn positiv zu sehen oder verwirrt das am Ende nicht zu sehr!
Vielleicht verwirrt das, aber ich glaube, das die Unzahl von Labels noch viel mehr verwirrt. Ich meine damit nicht die Plattenfirmen, sondern die vielen Bezeichnungen, die für die gleiche Musik gefunden wird. Das kommt meist eher von der geografischen Lage: Was wir in Detroit noch Deep-House nennen, würdet ihr ganz anders nennen. Sometimes we are not in sync! Die Tatsache, daß es so viele Stilformen gibt, finde ich dagegen eher positiv. Es zeigt, daß ungeheure Dynamik in der Musikform steckt.
Bei einer Party ist dieseja Stilvielfalt angenehm, beim Plattenkaufen schafft es jedoch immer noch viel Verwirrung!
Da stimme ich dir zu. Viele haben ja auch gar keine Zeit, sich den nötigen Wissensstand über Labels und ihre Künstler zu verschaffen. Sie gehen also auf den Verkäufer zu und wollen einige Deep-House-Platten, bekommen jedoch was ganz anderes, als was sie am Abend zuvor noch im Club gehört haben.
Immer wenn ich dich hab auflegen sehn, hast du viel im Set gescratcht. Stammt das noch aus deinen HipHop-Zeiten?
Ja, definitiv. Als ich mit DJen so zwischen '82 und '85 angefangen habe, wurde nur zu Stuff von Grandmaster Flash, RUN DMC oder Whodini getanzt. Wollte man also mit irgendeinem anderen Sound die Leute überzeugen, mußte man schon etwas auffälliges oder vom Style gewohntes tun. Jeff Mills hat bei seinen Radiosendungen in Detroit auch immer gescratcht!
Du besitzt beim Auflegen noch ein besonderes Merkmal: Deinen Telefonhörer! Erklär uns doch mal, woher du den hast...
Ich kann mich schon gar nicht mehr erinnern, wen ich zuerst mit dem Telefonhörer gesehen habe. Ich bin jedoch dann in einen Laden gegangen und habe mir den selbst zusammengebaut und gerade im Club ist er viel praktischer als ein Kopfhörer. Außerdem ist er wesentlich lauter und auch stabiler als die üblichen Teile, die nach fünf mal auflegen kaputt sind...
Die Frage hab ich schon mal Carl Craig gestellt: Nenn doch drei Klischees über Detroit?
UUUh man!! Also als 1. bestimmt, daß Detroit einer der gewaltsamsten Städte in Amerika ist, was natürlich nicht stimmt. Detroit ist dann noch die Heimatstadt des Techno; Ok damit kann ich leben, aber es gibt trotzdem eine Menge House-Musik! Das 3. wäre wohl Detroit als Motorcity. Natürlich werden hier noch Autos gebaut, aber in anderen Städten werden noch viel mehr Autos produziert. Mehr fällt mir jetzt auch nicht ein....
Mehr fallen auch anderen nicht ein. Deswegen sind es wohl Klischees! Gibt's für dich eigentlich ein reguläres Date, wo du in Detroit auflegst?
Ja, meist donnerstags im Club 246. Ich bin nicht immer da, aber es lohnt sich, mal hinzugehen. Außerdem produziere ich noch zwei Radioshows; eine läuft in Californien und eine andere in New-Yersey (NY).
Zwischen dem House-Sound aus Detroit/Chicago und dem aus New-York gab's immer Unterschiede. Wie stehst du dazu?
Mittlerweile kann ich mehr mit diesem Sound anfangen als noch vor einigen Jahren. So um '87 bis '89 schienen mir zu viele Produktion falsch verstanden und schlecht kopiert. Da steckte kaum Gefühl drin. Um '90 haben aber dann DJs wie Frankie Bones oder Frankie Knuckles der Szene einen neuen Drive gegeben; und dabei kommt Knuckels ja auch aus Chicago!
Genau wie DJ Pierre nur in New-York produziert.
Ja, genau. In den letzten drei-vier Jahren gabs aber aus New York eine Menge guter Platten und ich konnte auch in Läden wie dem SHELTER oder der SOUND FACTORY-BAR auflegen. In letzter Zeit gab es zwar einige Clubschließungen, aber sie haben wirklich eine gute Szene.
Und was kommt nach Wild-Pitch, wenn du in die Zukunft sehen könntest?
Sehr wahrscheinlich wird sich der Trend fortsetzten, daß immer mehr Disco-Samples in die Tracks intergriert werden. Gerade bei kommerzielleren Platten wird das auch in der Zukunft noch funktionieren.
Wäre das am Ende des Tages nicht ein billiger Witz, da doch House-Musik als Ablösung des damaligen absterbenden Discotrends angetreten ist?
Ich glaube, es gibt jetzt eine Menge junger Leute, die Disco jetzt gerade für sich erst entdecken. Ich dagegen habe das alles mitgemacht und sehe/höre das ganz anders. Andere dagegen wollen jetzt damit herumexperimentieren and put their own twist to it!
Gibts für dich einen deutschen House-Produzenten, dessen Platten du magst?
Ja, sein Name ist Move D. und ich bin wirklich ein großer Fan von ihm. Dann gibt es noch einen anderen, dessen Name ziemlich schwierig ist. Er heißt Boris.....
Dlugosch??
Ja, Boris Dlugosch. That's the name. Den finde ich auch sehr gut. Ich kann halt mit deren Platten was anfangen; I get into their music! You know, what I mean!