justice

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Drum&Bass ist in einer seltsamen Phase. Die JumpUp-Posse hat nichts besseres zu tun, als eine lustige Bassline an die andere zu reihen und damit die Raves vollzukleistern; Darkness vertieft die modulierten Beats und entwirft immer härtere Szenarien und die musikalische Seite, das was hierzulande gerne hämisch ãAmbientjungle" genannt wird und den plattesten Jazzattitüden untergeordnet wird, entwickelt sich schneller und erfolgreicher als alles andere weiter, ohne daß sich die Medien wirklich damit befassen würden.

Zu Anfang des Jahres war noch die Rede von einem neuen Detroiteinfluß, der sich auf Labeln wie Precious Materials ausbreitet, aber die Tragweite dessen was geschieht, ließ sich so einfach nicht fassen. Justice ist einer der Vorreiter dieses Sounds. Sein eigenes Label Modern Urban Jazz bringt diese Richtung auf den Punkt. Jazz ist mehr als nur ein Sample. Jazz ist immer wieder wichtig, wie schon die ganzen Detroiter Helden wußten, und die Art, die Haltung, die es erzeugt, geht an Musik unter vollkommen anderen Vorraussetzungen heran. Es ist nicht der coolste Beat oder die fetteste Bassline die zählt, sondern die musikalische Struktur, die den Track trägt. Justice, der seit den Anfängen von Breakbeat mit seinem Partner Blame immer wieder die Grenzen des Möglichen verschoben hat, entwirft eine neue Richtung von Drum&Bass, die zu gleichen Teilen Electro, Jazz und dieses endlose Gefühl früher Detroitsounds zu einer Fusion bringt, die das Clubleben nicht nur durch die Auflösung von Grenzen revolutionieren könnte.

FP: Spielst du oft als DJ?

Justice: Ja, so habe ich vor 7 Jahren angefangen. Dann kam allerdings das Produzieren und ich mußte mich entscheiden. Mit meinen Projekten wie Icons, Headhunter, Gliderstate, Justice und meinem Label Modern Urban Jazz, auf dem auch immer mehr LPs erscheinen werden, habe ich einfach zuviel zu tun.

Was ist das Konzept von Modern Urban Jazz.

Es gibt keine Regeln. Nonkonformismus vielleicht. Jazz für die 90er. Das ist unser Lick. Das ist auch einer der klarsten Einflüsse. Wir folgen niemand, setzen unsere eigenen Standarts. Und entwickeln sie weiter. Zuviele Leute wollen nach anderen klingen. Es werden noch andere zu Modern Urban Jazz kommen. Environmental Science, die dubbige HipHop Sachen machen, aber auch Drum&Bass. Und ein paar, die ich nicht verraten darf.

Was ist für dich Jazz?

Miles Davies natürlich, Black Jazz, eine Fusion, ein Zusammenschmelzen von allem. Ich denke vieles, was wir tun ist wie Jazz, aber in einem anderen Zusammenhang, ein leicht mißzuverstehender Zusammenhang, der Grenzen niederreißen will, damit die Leute verstehen. Das was mal Jungle war, ist für uns vollkomen unwichtig. Die Medien halten es noch aufrecht, aber wir sind Jazz Pioniere, auch wenn es dumm klingen mag. Es gehtnicht darum, jazzy zu klingen, sondern eher um eine spezielle Art Musik zu machen, zusammenzusetzen. Freestyle Elemente. Nicht die Samples zählen, das Gefühl ist viel wichtiger.

Deine Tracks sind schwerer zu spielen als vieles andere. Die Rhythmik ist komplexer.

Vielleicht, aber ich mache sie auch nicht wirklich für den Dancefloor. Es ist Musik, die Leute müssen die richtigen Gründe haben, sie zu hören, nicht nur Mode. Der musikalische Aspekt wir immer wieder gerne aufgrund der Szene vergessen. Man muß es selber gut finden. Das ist viel wichtiger.

Viele deiner Tracks haben diesen sehr starken Einfluß früher Detroit-Tracks. Eine eurer EP's hieß ja auch Detroit und viele halten dich für den begründer eines neuen Stils, der zwischen Techno und Drum&Bass vollkommen neue Beziehungen schafft.

Ja, das stimmt wohl auch irgendwie. Carl Craig, Juan Atkins, frühe Electrotracks, all das hört man in unseren Tracks mehr als in vielen anderen Drum&Bass-Sachen. Das hat uns sehr stark beeinflußt. Aber die ganze Szene nähert sich dem an. Ich verfolge die Detroitszene mehr als die Breakbeatszene. Das hat mehr Substanz. Aber auch HipHop ist nach wie vor wichtig.

Arbeitest du immer noch mit Blame zusammen?

Ja und nein. Nimm zum Beispiel Gliderstate. Auf der LP sind 5 Tracks von ihm und 5 von mir. Früher haben wir unsere Tracks immer zusammen gemacht, aber es hat sich herausgestellt, daß wir alleine irgendwie besser arbeiten können. Icons ist auch oft eine Seite von ihm und eine von mir. Wir entwickeln uns in leicht verschiedene Richtungen. Das ist auch gut so, weil es verschiedene Sichtweisen zeigt. Zusammenzuarbeiten kann einen auch begrenzen. Der letzte Track, den wir zusammen gemacht haben, ist schon über ein Jahr her. Jetzt versuchen wir unseren ganz eigenen Stil zu finden. Wir waren zusammen auf dem Collage. Ich hatte Mediastudies. Und Blame machte Graphic-Design. Wir hatten ein kleines Soundsystem, haben Partys gemacht. Unsere erste Platte war auf Chill. Die haben uns vielleicht abgezogen.

Viele andere auch.

Ja, Damon ist schon ein komischer Typ. Auch aus Luton. Er konnte unsere Tracks auch nicht ganz verstehen. Blame ging dann schnell zu Moving Shadow und ich machte ãSooth My Soul". Modern Urban Jazz kam dann zustande, als wir beide genau wußten, was wir wollten. Etwas, daß uns die Möglichkeit gibt, an allen A&R Leuten vorbei, das zu tun was man will. >>>>Das ist das Wichtigste.


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