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Jeder hat sie auf einem Rave oder in einem Club schon gesehen und war doch überrasscht, wie gut das Konzept von Schlagzeug meets Electronic funktioniert. Ralf Hildenbeutel ist ein Teil von Earth Nation und einer der geschäftigsten Producer bei Eye-Q, Harthouse und Recycle or Die. Doch Studioluft ist nicht der letzte Atemzug, den der Producer des Jahres (>VIVA-KOMET) machen will. Über Ehrungen und Filmmusik, Clubs und Junglemusik sprachen wir über einen heißen Draht nach Frankfurt...

Du hast bei der Verleihung des VIVA-Komet den Preis für den besten deutschen Producer bekommen. Welchen Stellenwert hat er für dich?

Ralf Hildenbeutel: Sicherlich ist es eher untypisch, daß jemand wie ich so einen Preis bekommt und in so fern denke ich mir, daß diese Preisverleihung eher als Anerkennung für Labels wie Eye-Q gedacht ist. Das sind nun mal Labels, die nicht direkt für die Charts produzieren. Gefreut habe ich mich schon und der Preis ist ja eher allgemein für meine Produzentenarbeit zu sehen. Bezüglich Technovideos scheint das Medium noch längst nicht ausgereizt zu sein und selten herrscht irgendein künstlerischer Anspruch. VIVA ist eigentlich sogar noch viel rigoroser als MTV und da wird noch viel mehr auf den realen Markt geschaut.

Die Verleihung ist auch Referenz für den Anteil von deutschen Musikern, die immer mehr den internationalen Markt erobern!

Es stimmt schon, daß sich da einiges geändert hat. Man muß sich wirklich nicht verstecken, wenn man als Produzent aus Deutschland kommt. Wenn ein Künstler aus einem ganz anderen Genre auf mich zukäm, wäre ich da schon sehr offen und könnte meinen eugenen Background da mit reinbringen.

An welchen Projekten arbeitest du im Moment?

Earth Nation ist für mich das Clubprojekt und das soll auch so bleiben. Filmmusik wird für mich immer wichtiger und da wollen wir auch noch mehr machen. "Recycle or Die" ist so mehr eine Spielwiese, wo man mal etwas ausprobieren kann.

Du hast für den Experimentalfilm "Hommage à Noir" die Musik gemacht. Was war da die Geschichte?

Der Film ist eine Art Dokumentarfilm über Afrika, in dem aber nicht gesprochen wird und in dem es keinen Handlungsstrang gibt. Deswegen lebt dieser Schwarz-Weiß-Film auch von seinen Bildern und eben der Musik. Die Zusammenarbeit entstand dadurch, daß der Regisseur Ralf Schmerberg schon den Film mit Musik vertont hatte und dabei relativ viel "Recycle or Die"-Material benutzt hatte. Jemand aus seiner Produktionsfirma kannte dann jemanden von uns und so kam der Kontakt zustande.

Wie stellt man sich das Vertonen eines Films vor?

Im Film gibt es Passagen von meistens drei Minuten, die thematisch schon eine Einheit bilden. Darauf habe ich die Musik dann bildgerecht eingespielt.

Ist die Musik auch ohne Film konsumierbar?

Du hattest sicherlich die Promo-CD, die die Original-Musik des Films enthält. Auf der endgültigen CD ist schon mehr Luft in den Tracks und im ganzen sind sie dann länger. Durch die Bilder gibt es halt manchmal halt harte Cuts und das macht die Musik auch relativ schnell. Trotzdem müßten die Tracks auch so gut zu hören sein.

Wo wird der Film zu sehn sein?

Da ist man noch in Verhandlungen. Erst einmal wird der Film an Festivals gehen und dann soll er schon im Fernsehen zu sehen sein.

Könntest du dir vorstellen, daß du bei einem Festival die Musik auch live präsentierst?

Wir hatten das sogar überlegt, daß bei der Premiere zu machen. Die Musik ist jedoch zu komplex und extrem aufs Bild zugeschnitten, als das man das live so schaffen könnte. Auch der Aufwand des ganzen Equipments wäre sehr hoch.

Die meisten Leser werden dich von Earth Nation her kennen. Wie kam es zu dieser doch eher ungewöhlichen Kombination von Schlagzeuger und elektronischer Musik? Das war doch auch ein gewisses Statement!

Die Idee war damals, elektronische Musik wirklich live umzusetzen und eben nicht mit dem DAT aufzutreten. Gerade zu dieser Zeit war dieser Beweis nötig. Natürlich läuft auch bei uns mal ein Sequencer, denn so ganz schnelle Sachen kann ich ja nicht spielen. Jedenfalls hat das auf Anhieb gleich gut geklappt und so macht es auch eine Menge Spaß.

Was wird da von Earth Nation in nächster Zeit zu erwarten sein?

Wir haben in den kommenden Monaten noch einige Gigs, wo wir spielen werden. Und danach sieht man weiter und es wird bestimmt auch wieder ein Album geben. Trotzdem gibt es bei Live-Acts immer noch diesen Hinguckeffekt, der doch eher diesem klassischen Bühnending entgegenkommt! Aber wir wollten nie eine strickte Trennung zwischen Bühne und Publikum. Die Leute tanzen ja auch, doch viele aus der eher jüngeren Generation ist nun mal nicht mit Bands aufgewachsen und da ist es nun mal klar, daß mehr in unsere Richtung geschaut wird. Es entsteht schon eine Gemeinsamkeit zwischen Publikum und Live-Act.

Welchen musikalischen Trends kannst du im Moment am meisten abgewinnen?

Es gibt feine Sachen aus dem Drum&Bass und Junglebereich und das hat sich zu einem sehr eigenständigen Bereich geformt. Ich werde sicherlich nie eine Drum&Bass-Platte machen, aber es gibt halt diese Einflüsse. Man probiert dann halt mal so aus, ob es einem gefällt und nimmt Elemente mit rein. Ich schließe halt keine Stilform aus und so klappert es halt mal eben schneller!

Zum Schluß die bizarrste Einordnung, die jemand für die Musik von Earth Nation gefunden hat?

Das war noch ein Kommentar zum ersten Album; da nannte es jemand einen >>süffigen Trance-Rock-Ethno-Cocktail!! Das war schon sehr hart...


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