Emanuel Top / B.B.E
Techno als Sicherer der Chartmaschine. Immer neue Begriffe pfeifen um die Plattenspieler & wenn es gestern noch Dream-House war, dann ist es morgen
der Acid-Makarena. Jetzt steht das Projekt B.B.E. von Emanuel Top, dem frechen Franzosen aus Lille, hoch oben in den deutschen Realocharts und dabei kannten wir ihn bisher noch von den eher straighten Attack-Records. Das Video von ãSeven Days and One Day" läuft auf Heavy Rotation und das liegt nicht nur an den tollen Architekturaufnahmen. Er selber steht wohl für eine Generation von Jugendlichen, die eher von Trance als von Acid beinflußt wurden.
Im Interview spricht
er gestückelt wie eine bunte Käseplatte und versucht, seinen Weg durch den Erfolg zu beschreiben. Nicht einfach und doch interessant, welche Definition der eher schüchterne Emanuell Top da findet:
Auch du wirst einst den Entschluß für eigene Musik getroffen haben!
Emanuel Top: Als ich begonnen habe war ich 16 Jahre alt, es war schwer und meine Musik mußte erst eine gewisse Reife erreichen. Mit16 ist man eben noch nicht reif. Danach habe ich lange für Diki-Records in Belgien Musik gemacht und schließlich mein eigenes Label Attack Records gegründed. Übrigens, stelle bitte präzise Fragen. Ich möchte das erklären, ich gebe nicht oft Interviews, weil ich mit meinen 25 Jahren finde daß es schwierig, über mich selbst zu reden.
So alt bin ich aber auch; ich werde versuchen, es für dich etwas klarer zu machen. Du hast eine Platte unter dem Namen B.B.E gemacht. Wofür stehen die drei Buchstaben?
Das sind wir drei; Bruno, Bruno und Emmanuell. Ich mache B.B.E gerne, weil ich so um '93 in Deutschland sehr von Trancemusik beieinflußt wurde. Label wie Eye Q, Jam & Spoon, Paul Van Dyk; all die haben mich sehr beeinflußt, besonders der Sound und die Qualität der Produktion von Jam & Spoon. '95 gab es diesen Moment, wo alle dachten, das ist es, es geht nicht weiter mit Trance, das ist vorbei. Das habe ich nicht verstanden. Warum? Ich träumte von einem neuen Leben, von Trancemusik, guter Musik, wie ein Versprechen an die Leute, daß es weiter geht. Ich denke es ist ein Experiment, weil es für Trancemusik sehr wichtig ist, das die Platten im Underground gespielt werden und in kommerziellen Clubs. Das verbindet die beiden Geister. Die Undergroundleute mit den kommerziellen Leuten. Das ist sehr lustig und ich mag das. Ich mag die Vorstellung, für ein Experiment zu arbeiten. Wenn es immer das gleiche ist, dann ist es langweilig. Man arbeitet für Leute in Deutschland, Belgien, England, das macht das ganze objektiv.
Hast du keine Probleme mit dem Sellout-Vorwurf?
Das mache ich ja nicht wegen Geld. Wenn ich mehr Geld haben wollte, dann wär ich auf einem anderen Label. Und ich würde auch aufhören müssen, so undergroundige Sachen wie meine LP 'After Void´ zu machen. Ich mache alles, weil es mir gefällt. Die Musik, die ich höre ist Barry White, Elton John, Michael Jackson und ich mag gerne Klaus Schulze, Can und Pink Floyd. Wenn ich etwas Gutes fühle, dann ist der Unterschied zwischen kommerziell und undergound nicht wichtig. Wenn man 100 Platten verkauft, dann ist man nicht Underground, das ist doch bloß eine Entschuldigung, daß man es nicht schafft, mehr Platten zu verkaufen. Kein Musiker ist wirklich Underground. Es ist mein Leben, mein Job, da ist es nicht schlimm, wenn man Geld verdient.
Wird es ein B.B.E-Album geben?
Ja, aber wann steht noch nicht fest. Die anderen sind Bruno Sancheni, der das sehr bekannte ãAge Of Love" gemacht hat, das von Jam & Spoon geremixt wurde, und der andere ist Bruno Calche, ein neues Talent.
Wer von euch macht was im Studio?
Das ist sehr speziell. Am Anfang war da ein Demo von Bruno Calche, mit 20 Stücken. Und ein anderes Album mit Rockmusik. Das mich auch sehr interessiert hat und ich gerne produzieren würde. Ich wollte ihm beweisen, daß ich eine eigene Art habe zu produzieren. Aber ich habe 19 Tracks davon weggeschmissen. Es blieb nur diese Melodie. Damit bin ich ins Studio, habe die Arrangements und die Mixe gemacht, um ihn zu motivieren. Ich denke, das wichtigste ist die Komposition, aber das Arrangement und der Mix werden immer wichtiger. Die Leute kennen den Sound und wollen immer mehr.
Magst du Robert Miles' >Children noch?
Ja, die erste Version mit der Gitarre finde ich gut, aber auch nicht mehr als OK. Das ist eine schwierige Frage. Er ist ein großer Erfolg zur Zeit und da wäre es natürlich einfach, ihn zu dissen. Wenn Robert Miles seine Tracks macht, denkt er aber auch nicht daran, soviel zu verkaufen. Meine Musik ist nicht wie die von Robert Miles, aber ich würde auch nicht sagen wollen, daß ich einen anderen Stil mache, weil das so klingen könnte, als wollte ich sagen, etwas wäre mit Robert Miles nicht in Ordnung. Großer Erfolg zieht immer auch viel Druck nach sich. Der zweite Track von ihm ist ja auch nicht greade gut für den deutschen Markt und das macht ihm wohl schon zu schaffen.
Was machst du in deiner Freizeit?
In meiner Freizeit mache ich Liebe. Aber ich habe nicht viel Zeit.
Das ist aber schade. Würdest du dich selbst als schüchterne Person einschätzen?
Vielleicht. Ich gehe nicht auf all diese Events in Deutschland und England, auf die ich eingeladen werde. Das macht mir keinen Spaß. Die Leute denken immer, die DJs wären wichtig, aber ohne Musiker gäbe es auch keine DJs. Die Situation ist für sie ja schon OK, aber ich denke, nur weil ich Platten verkaufe, muß ich jetzt plötzlich ein Freund von Laurent Garnier und Carl Cox werden. Ich kenne diese Typen nicht. Die sind vielleicht nett, aber nicht meine Freunde. Wenn man Erfolg hat, gibt es um einen herum auf einmal viele Freunde. Aber nicht wirkliche.
Wie siehst du die belgische Szene zur Zeit?
Das FUSE ist ein wirklich guter Club. Sie haben sehr gute Partys mit excellenten DJs. Allerdings lege ich ja nicht mehr auf. Man muß sich schon entscheiden. Früher war ich ja auch noch DJ, aber als DJ muß man immer reisen, das ist nichts für mich.
Was ist mit Attack-Rec.? Wird das weitergehen und wenn ja, wann?
Es wird weitergehen, aber wann kann ich nicht sagen. Ich mag Überraschungen, so wie mit B.B.E. So wie mit meinen Tracks.
Hast du noch andere Hobbys?
Nein noch nicht, nur Musik!
Wann warst du das letzte Mal in Deutschland.
Vor sechs Jahren.
Das ist lange her.
Ja, ich weigere mich zu reisen.
Irgendeine seltene Reisekrankheit, die wir noch nicht kennen?
In der Vergangenheit bin ich sehr viel gereist. Jetzt hätte ich dann keine Zeit, Musik zu machen. Was ich jetzt sage, soll unter uns bleiben:
(Anm. der Red.: Was so natürlich nicht ganz funktioniert) Mich hat mal jemand gefragt, mit wem ich gerne zusammen arbeiten würde und ich habe ihm geantwortet, mit mir selber. Es wird immer schwieriger und ich brauche immer mehr Zeit, um Musik zu machen.
Hast du das Bedürfnis, dich über den aktuellen Stand der Musik mit Magazinen zu informieren?
Nein, ich muß das erklären, ich lebe nicht in der Technowelt. Ich höre keine Technomusik; nur alte Sachen, Warp, Autechre, Aphex Twin. Panasonic mochte ich, aber die Top Ten von Techno interessieren mich nicht. Früher schon, aber jetzt nicht mehr; da geht es nur um Partys und die Platten bekomme ich so. Interviews interessieren mich nicht. Das ist die Meinung anderer Menschen; ich respektiere das, auch wenn ich es selber nicht so denke, aber es interessiert mich nicht. Ich brauche keine Information. Man muß seinen eigenen Charakter behalten und sich nicht beeindrucken lassen. Für die jungen Leute ist es vielelicht OK, die 16jährigen, dein Magazin, Frontpage, das ist Ok.
Lebst du eigentlich gerne in Lille?
Ja, das ist mir lieber als in London, Paris oder LA. Das Leben hier ist schön langsam, in den großen Städten ist es zu SPEED, da ist man sehr nervös, man hat keine guten Relationships mit Leuten und das ist nicht gut.
Lebst du bei deinen Eltern?
Nein, ich habe meine eigene Wohnung.
Hast du eine Freundin?
Nein, oder eher manchmal, weil ich viel wechsle. Weil die Frau mein Leben ist, nach der Musik. Weil Musik ist ........ aber das bleibt jetzt unter uns. Musik und Frauen geht nicht zusammen. Alle Frauen träumen von den Musikern. Das ist der Grund, warum es immer ein Schritt nach vorne ist, wenn sie einen kriegt. Und du selber brauchst auch noch Zeit für die Frau, aber für die Musik brauchst du mehr Zeit. Wenn die Frauen sehen, daß das wichtigste für dich die Musik ist und nicht sie selber ist, dann verlassen sie dich. Früher mochte ich noch bewundert werden, aber jetzt nicht mehr.