Ganz schön kultig....
Rolands MC 303 ist die Novität des Jahres
> von Peter Steiner
Der Herstellername versprach schon einiges: Roland!
Die Gerätebezeichnung setzte dem noch eins drauf: 303!
Und als die ersten Features
der Maschine bekannt wurden,
gab es einfach kein Halten mehr.
> > > Das muß es sein!
Das ist das Techno-Ding '96
Und jetzt steht sie seit ungefähr drei Wochen im Studio, die "groovebox Roland MC 303" so der offizielle Name. Und wirklich, Roland ist ein Wurf gelungen. Die MC 303 wird sich in Studios einen festen Platz erobern als das Einsteigergerät '96 überhaupt, als die vielleicht wichtigste Neuerung des Jahres. Nicht etwa deshalb, weil der Sound besonders abgefahren ist oder weil man so viel damit machen kann. Es ist vielmehr die Konzeption, die überzeugt und das bedeutet in erster Linie: Die Maschine hat einen absolut feinen Sequenzer. Aber der Reihe nach: MC 303, das bedeutet: > 8-Spur-Sequenzer, > 133 Presets, 211 RPS-, 300 Variation-, 50 User-Patter, die zu 10 Songs zusammengefaßt werden können (max. 14.000 Noten kann der Sequenzer handeln) > Echtzeit und Stepaufnahme > Quantisierungsmöglichkeit (Grid, Groove und Shuffle) > Arpeggiator (33 div. Motive auf jeweils einen Part zu schalten) > Keyboard-Pad (16 Tasten) > Anschlüsse: Line Out (L/Mono, R), Kopfhörer, Midi-In/Out, Controller, AC-Adapter sowie Low-Boost-Regler, > Tonerzeugung: PCM, 28fach polyphone, 448 Töne, 12 Rhythmensets.
Reden wir zuerst über den Sequenzer, ist er doch einer der Hauptunterschiede zu anderen, in diesem Jahr vorgestellten Techno-Maschinen wie beispielsweise der Drum-Station von Novation oder dem Yamaha CS1x. Roland ist hier zu einem Beutezug im eigenen Haus angetreten und hat alles Schöne, Gute und Bewährte an Sequenzer-Technologie in die MC 303 gepackt. Wer einmal an einer 909 gesessen hat, wird sich mit dem Sequenzer sofort anfreunden können. Es gibt einfach kein anderes System, was so überzeugt wie das von Roland. Besonders Drum-Pattern lassen sich unglaublich schnell erzeugen. Bei der Eingabe zeigt ein LED jeweils die aktuelle Position im Takt an. Ein kleiner Tip auf die Minikeyboards und schon takkert die Maschine los. Da gibt es nichts zu kritisieren, da stimmt alles + pure Freude stellt sich ein. Insgesamt können pro Pattern 7 Tracks plus Drumtracks erstellt werden. Die Tracks lassen sich jeweils im Live-Betrieb muten, also ab- und wieder anstellen. Eine kleine aber feine Variante haben sich die Entwickler bei den Drum-Tracks ausgedacht. Sie lassen sich sowohl einzeln (also beispielsweise nur die HiHats oder Claps) als auch zusammen muten. Und alle Pattern lassen sich bei laufender Maschine zu einem Song zusammenkoppeln. Roland unterscheidet zwischen Presets, Variationspattern und User-Pattern. Dabei lassen sich die Presets nicht dauerhaft verändern. Variationspattern lassen sich sowohl aus den Presets als auch aus den User-Sets generieren. In diesem Mode kann festgelegt werden, welche Tracks gemutet oder nicht gemutet werden. User-Pattern lassen sich entweder frei gestalten, also live oder step-by-step eingeben oder aber man kopiert ein Preset in ein User-Set und kann jetzt alles mögliche editieren und das so erstellte auch abspeichern.
Ein Techno-Tool ohne Arpeggiator ist im Jahre 1996 undenkbar und so hat Roland auch der MC 303 ein solches Features verpaßt. Er läßt sich auf einen Part anwenden und man hat die Auswahl zwischen 33 verschiedenen Motiven wie Abspielrichtung, Abfolge und so weiter. Das klappt alles wunderbar und mehr ist dazu nicht zu sagen.
Ein Sequenzer ohne Quantisierungsmöglichkeiten ist kein richtiger und deshalb gibt es drei verschiedene Quatisierungsarten, die selbst bei laufender Maschine verändert werden können: > Im Gridmode wird alles genau auf Note gespielt, > im Shufflemode verzögert sich alles ein bißchen, es stellt sich ein Live-Drum-Gefühl ein > > > > und im > Groove-Mode, ja, da groovt eben alles ganz herrlich. Auch hier gar keine Probleme, zumal im Groovemode noch Dutzende von verschiedenen Templates aufgerufen werden können.
Alle die bisher genannten Features sind für eine etwas bessere Maschine selbstverständlich, kommen wir also zu den Sahnehäubchen, die Roland noch oben draufgesetzt hat. Und die heißen Echtzeit-Manipulationen. Dafür wurden oben am Gerät sieben Räder installiert. Damit lassen sich sowohl LFO, Resonance und Envelope verändern. Über die Zweitfunktion ("Functions-taster") läßt sich die Portamento-Zeit, Level, Panpot und Release beeinflussen. Weiterhin stehen diese Filter zur Verfügung: Delay/Reverb und Flange/Chorus. Alles zusammengenommen bedeutet, daß während des Spiels alle wichtigen Para-meter verändert werden können. Praktisch hat das zur Folge, daß Stunden um Stunden vergehen, man rumschraubt und man gar nicht mehr aufhören kann mit der Spielerei. Doch, das Ding ist nicht ungefährlich, es macht süchtig. Ist der Sequenzer-Teil der MC 303 fast verschwenderisch breit ausgefallen, so scheint der Midi-Teil von einem Japaner schottischer Herkunft programmiert worden zu sein. Denn hier wurde brutal gespart. Das gilt besonders für die Sektion Midi-Out. Genau genommen gibt sie neben Midi-Clock nur Note-on-Befehle weiter. Zwar kann der gesamte Speicherinhalt via SysEx. in einen anderen Sequenzer übertragen werden, aber viel geholfen ist einem damit nicht. Ein Nottürchen bleibt allerdings offen. Es ist möglich, einzelne Parts so zu konfigurieren, daß nicht der Klangerzeuger der MC 303 angesprochen sondern die Daten über Midi/Out ausgegeben werden. Dabei kann der Rhythmuspart auf Midi-Channel 10, die Parts 17 auf den entsprechenden Midi-Kanälen gesendet werden. So lassen sich externe Klangmodule wenigstens ansprechen. Großzügiger zeigt sich Roland beim Midi-In. Das ist so geregelt, daß die Kiste auch als Soundmodul zu gebrauchen ist, also Note-on/Note-off-Befehle werden genauso verstanden wie Bank/ Programm-Wechsel und Controller-Daten.
Das Stichwort "Sound" ist gefallen. >>>Und da sind wir beim Knackpunkt. Ehrlich gesagt, so rumgeeiert in einer Einschätzung habe ich noch nie. Zuerst hörte ich das Roland-Teil bei der Frankfurter Musikmesse. Da hatte man kleine und billige Kopfhörer rangeklemmt und das Hörergebnis war grauenhaft. Besser wurde es in der Redaktion, als ein lieber Kollege seine Super-Head-phones rausholte, aber überzeugend klang es noch immer nicht. Dann an der Anlage im Studio. Leider habe ich einen total geistesgestörten Nachbarn und der macht selbst nachmittags Stunk, wenn es etwas lauter wird. Und so griff ich an einem Samstagnachmittag zum Telefon, rief den Techniker vom "Bunker" an und eilte gegen halb zehn abends in den Club. Die nagelneue Anlage war gerade aufgebaut und dann gab es den Härtetest: Ich sag nicht mehr viel, nur das: Mit einer tiefgestellten Bass-Line der MC 303 schaffte ich es, ein Stahlgitter hinter den Turntables zum Beben zu bringen. Also, seit diesen Stunden im "Bunker" sind alle Zweifel ausgeräumt. Das Teil ist live- tauglich, es schreit geradezu nach Club-Atmosphäre. Wichtig: Mitentscheidend für die Soundqualität ist der kleine Low Boost-Regler auf der Rückseite. Der muß unbedingt auf ganz böse eingestellt werden, also volle Pulle bei den Bässen. Wenn man's nicht macht, klingt das Teil einfach nur kastriert. Klar, die Sounds sind selbstverständlich nicht so gut wie bei den großen Roland-Teilen üblich. Das ist angesichts des Tonerzeugungsverfahren es sind Samples auch nicht zu erwarten. Aber es gibt trotz Einschränkungen keinerlei Punktabzug, was die Tonqualität angeht. Die Sounds selbst sind in 29 Bänken organisiert. Und hier gilt das, was schon über die Sequenzer-Technologie gesagt wurde. Roland ging einmal bei sich zu Hause quer durch den Garten und erntete alles noch einmal, was uns der Hersteller bisher so servierte. 303, 808, 909, Jupiter, JD warum soll man das hier aufzählen? Roland schrieb wesentlich mit an der Techno-Geschichte und ein paar der süßesten Früchte wurden in die MC 303 gepackt.
Schlußfolgerung: Alle die dachten, Roland habe sich aus dem aktuellen Geschehen verabschiedet und bastle nur noch an Klassik-Teilen, der hat sich glücklicherweise geirrt. Die Firma ist präsent und hat mit der MC 303 bewiesen, daß man mit ihr rechnen muß. Wir User dürfen uns jetzt an dem rundherum gelungen Teil freuen, denn außer der Sparsamkeit beim Midi-Out gibt es überhaupt nichts zu bemängeln. Das gilt auch für den >Preis: DM 1235,- Korrekt!å