INTERjeans
Polo all over... Interjeans - was ist aus ihr geworden? Die Interjeans, einst hoch gehandelt als die innovativste Modemesse Deutschlands, als Wiege der neuesten Clubweartrends, steht sie nun am Rande der Langeweile? Zumindest ist in den Kölner Hallen 12 I. und 12 II., dem ehemaligen Clubwearmecca, nichts mehr vom alten Partygeist zu spüren. Keine ausgelassene Stimmung, keine Feierei und wenig neue Trends.
> Aber alles halb so schlimm, denn wir lieben ja unsere Polos und so werden wir auch in der nächsten Saison wieder Poloshirts, gestreifte Sweatshirts und unheimlich lockere Baggy >Pants, in halblang und länger, tragen. Der >zentrale Trend heißt Dezenz und damit sind große grelle Aufdrucke glücklicherweise endgültig out; stattdessen gibt es jetzt liebevoll detailierte Stickereien. Die angesagten Farben sind gedeckt: kakhi, beige, ocker, creme..... na gut, dunkelgrün, hellblau und vor allem dunkelbraun haben wir auch gesehen. Angenehmes Old-School Understatement also.Und so sehen wir sie ja auch gerne unsere Boys, in dem dreißiger-Jahre-Chicago-Style, der uns stark an Clark Gable erinnert. So traf man neben den klassischen Skijacken bei Pash zum Beispiel Fischgrät und dezentgestreifte Pullis mit V-Necks. Auch HOMEBOY setzte diese Trends souverän um und verzierte die klassischen Schnitte mit Labelstickereien und Absatzstreifen an Kragen und Bund. Neu von HOMEBOY ist die Anzugkollektion für Herren. Für Homegirls gibts Uniformkleider, Hemdblusen & Poloshirts mit femininem Schnitt. Insgesamt ist es nicht zu übersehen, daß die Looks und Styles der Skate- und Snowboardwear in alle Kollektionen integriert wurden. Und um diesen Eindruck zu untermauern, waren an jedem Stand mindestens zwei Snowboards an die Wand genagelt.
Für Frauen die nicht auf baggy skatewear setzen, gibt es auch noch etwas farbenfrohere, femininere Varianten. Absolutes Highlight war der kleine Stand von "subarbie", der ganz neue Akzente setzte. Er hat unser Herz gerührt, und zwar nicht nur weil ihr Massage-sessel all unsere hart erlaufenen Verspannungen löste, sondern auch, weil sie auf der Herrenmodemesse eine Damenkollektion präsentierten, mit der man für alle Lebenssituationen schön ange - zogen ist: at home, at the office, at the barbie-q; sprich: Geblümte Trägerkleider im white-trash-housewife-look, smarte pencil skirts und simple Uniformkleider in frischen, klaren Farben. Eine ganze Weile schon beglückten sie Hausfrauen, Managerinnen und Discoqueens in New York City, bevor sie dann vor einem halben Jahr nach Berlin zogen und hier auch einen Showroom eröffneten, um die Metropolen Europas mit ihrem Trailerpark-Chic zu versorgen. Wait and see!!
>Ähnliche Designs gabs auch bei Fiorucci zu sehen, die uns allen ja noch aus den 80ern bekannt sind, nur noch bunter und mit dem gewissen italienischen Chic. Die legendären Engel sind wieder auf Shirts und kleinen Accessoires zu sehen und ansonsten ist die Kollektion stark im "Alice aus dem Wunderland"-Stil gehalten.
"Red or dead", das kleine extravagante Label aus London präsentierte ihre trashige, stark siebzigerangelehnte Kollektion und erfreute vor allem mit ihren Schuhen, bei dem farbenfrohe Liebe am Detail zu erkennen ist.
Aber es gab auch böse Einbrüche, die vor allem zur Unterhaltung beitrugen. Gipfel der Peinlichkeiten war der Stand von Mola Adebisi. Ihr habt es längst erraten, wir alle haben drauf gewartet und endlich ist es soweit: Mola Adebisi, semiprominenter Viva-talker, präsentiert im Rahmen der Interjeans seine UNDERWEAR-KOLLEKTION!! Zugunsten der SOS Kinderdörfer! Und wenn es einem so noblen Zweck zugute kommt, sind natürlich auch andere Lieblinge aus Funk und Fernsehen bereit, dumm aus der Wäsche zu gucken. Die Protagonisten der namhaftesten deutschen Daily Soaps ("Unter Uns", "Verbotene Liebe" ...) hatten sich für die Gala im Theater am Rudolfplatz verpflichtet. Unterstützt wurden sie von Miss Intercontinental 96, Miss Germany 95/96, sowie von den Shootingstars Sabine und Jessica von "Just Friends". Natürlich alles Stars, die wir schon immer mal in Unterwäsche sehen wollten, aber das abendliche Event haben wir dann trotzdem geschwänzt. Am Messestand selbst ging es weniger prominent zu, dafür war es dort dank der zahlreichen Prestige-Rapper aber am lautesten. Mola selbst war ständig umgeben von 16jährigen Messdienerinnen mit Silikonbrüsten (oder Mola-Wonderbras??). Und diese mußten natürlich die Hosen auf der Hüfte tragen, damit das große "M" vom Bund hervorschimmern konnte.
Richtig aufgetrumpft dagegen hat G-Star, die nach dem Motto "Wir stecken all unser Geld in die Präsentation" mit einem Showroom für die Klamotten und einer Extra-Showbühne den mit Abstand größten Stand hatten. Um sich von dem üblichen Budenzauber abzuheben, ließ man die Kollektion von extra eingeflogenen Londoner Break-dancern gekonnt in Szene setzen. Eine gelungene Show, die die unbehandelten raw denim Jeans und -Jacken an 1A durchtrainierten Bodies ins rechte Licht rückte.
Ob von mir der gleiche Zauber ausgeht, wenn ich in meiner G-Star Jeans und mit Bolle-Tüten beladen den Neukölln Boulevard entlangschlurfe?
>BK/JK