Ibiza

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Ibiza '96> Vor der ausführlichen Ibiza-Sommerberichterstattung jetzt schon mal der Zwischenstand von der balearischen Disco-Insel. Und was dieBoulevard- zeitungen mit ihren Liegestuhlkriegen so alles gegen die Völkerverständigung unternehmen, das können wir bei der Frontpage schon lange. Also: im Spiel um die Partyweltherrschaft zwischen England und Deutschland steht es in der zweiten Halbzeit 2:1 für die Angelsachsen, was aber in erster Linie an den schieren Massen von britischen Clubbertouristen und nicht an der Qualität der jeweiligen Veranstaltungen liegt. Man muß sich das mal so vorstellen: Ganz San Antonio ist in der Hand der englischen Promoter, sie haben alle Läden mit ihren Plakaten vollgekleistert, in den Plattenläden die Flamenco-CDs gegen Ministry-Of-Sound-Compilations eingetauscht und auch fast alle Strandbars mit eigenem Thekenpersonal und DJs übernommen. Dort treffen sich dann abends die 16 - 22jährigen, von der Sonne arg gebeutelten Posses aus Leeds und London (denn Familien oder gar Menschen über 30 gibt es hier einfach nicht mehr!), blättern in der vom DJ-Magazin herausgegebenen englischen Ibiza-Club-Zeitung und kaufen sich anschließend direkt ein Ticket für die abendliche Tanzveranstaltung, zu der sie nach dem Ende der Warm-Up-Party per Shuttle-Bus direkt von der Strandbar aus hingekarrt werden. So kriegt man natürlich leicht das Ku mit 8.000 Leuten voll, wenn man seine ganze Heimat mitgenommen hat. Diese fast vollständige Kolonialisierung Ibizas durch die Briten (es hat sogar fast niemand seine Uhr auf kontinentaleuropäische Zeit umgestellt, weil man ja sowieso unter sich ist) kommt inzwischen bei den Einheimischen nicht mehr ganz so gut an, weshalb die Spanier ziemlich froh sind, daß dieses Jahr auch die Deutschen mit im Spiel sind. Und die X-Fun-Parties im Ku werden tatsächlich langsam, aber sicher immer besser. Zwar kann man mit der Gigantomanie der Briten nicht ganz mithalten und nur Besucherzahlen unter 2.000 vorweisen, aber immerhin ist das ja das erste Jahr deutscher Partyaktivität, und da ist das ja schon mal ein beachtlicher Anfang. Beste Stimmung herrschte zum Beispiel bei Sven Väths Gastspiel, was nicht zuletzt am souveränen Umgang von Deutschlands beliebtestem DJ mit dem gigantischen Soundsystem des Ku lag. Trotzdem: auch wenn man sich angesichts all der Cream/Up-Yer-Ronson-Happy-Housigkeit wie wahnsinnig über jede 303-Line und distorted Bassdrum bei X-Fun freut, kommt man letztlich nicht umhin anzuerkennen, daß die beste Clubnacht der diesjährigen Saison die Manumission World Series

unter Regie des Ex-Manchester-Club-Impresarios Mike Manumission ist. Der veranstaltet, was Aufwand, Show, Menschenmassen & Hysterie angeht, jede Woche zweimal eine kleine Mayday. Und das DJ-Line-Up ist auch nicht gerade von schlechten Eltern. Stargast im späten Juli war Mister Todd Terry höchstpersönlich, der mit seiner Neuauflage von "Jumpin'" den Ibiza-Hit schlechthin gelandet hat und folgerichtig auf der Insel auch empfangen wurde, als wäre er Michael Jackson, inklusive Autogrammeschreiben, sich mit den Fans fotografieren lassen und in jedem Laden, den er betritt, nach zwei Minuten eins seiner Stücke zu hören bekommen. Der Meister hat gerade einen Deal mit Manifesto unterschrieben, für die er ein Album mit Tina Turner, David Bowie und dem INXS-Sänger produzieren will. Klingt zunächst absurd, aber in dieser Superstarliga scheint Todd sich mittlerweile zu sehen. Ein ausführliches Interview mit ihm bringt Frontpage exklusiv im Oktober!! Bis dahin können sich alle Daheimgebliebenen den Vibe der Insel mit "Classic Balearic Beats" auf Mastercuts und "Café Del Mar Volumen Tres" auf React oder der Safari 2002 Compilation (Picosso) nach Hause holen... > sl


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