Andrea Parker

Es gibt Zeiten, da stößt man auf Platten,
die es erneut schaffen, einen neuen Style in die Ohrmuscheln
zu treiben. Dann wartet man ab, ob das nur ein Glückstreffer war, oder ob noch mehr Labsal diesen Produkten steckt.
Dies trifft auf Andrea Parker ganz besonders zu, denn Talent & Kreativität finden in der 24jährigen einen guten Parkplatz. Zeitscheibe auf unendlich eingestellt. Kein Ticket wg. geschmackloser Sounds oder falschen Staredom. United Kingdom, dis point.
Im Schaukelstuhl sprachen wir beschwingt mit der Frau, die falsche Hypes längst nicht mehr nötig hat...



Wie sieht ein typischer Tag im Leben der Andrea Parker aus?


Andrea Parker: Ziemliche Hektik. Im Moment renne ich wirklich jede zwei Minuten wie ein Verrückter von einem Termin zum nächsten. Außerdem drehe ich gerade ein Video und so gibt es da noch zusätzlich Streß & Arbeit... Dann noch einige DJ-Gigs, einen Remix für Lamb und natürlich noch die Arbeit an meinem eigenen Album. Es geht also richtig rund...

Immer, wenn ich dich sprechen wollte, warst du wieder in einem anderen Land..

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Ich habe viel in Frankreich, Belgien und Deutschland aufgelegt; in Dänemark war ich ein paar Mal und einmal in Budapest.

Wo hast du in Deutschland aufgelegt?


Einmal in der Electric Lounge/München und dann im WMF-Club in Berlin. In Deutschland lege ich noch am liebsten auf, denn die Leute scheinen sich gut auszukennen. Ich lege mehr in Richtung Old-School auf: Elektro, Hip-Hop-Sachen, Detroit und experimentellen Techno. Da das nie so oft aufgelegt wird, bringt man in Deutschland dem auch eine gewisse Wertschätzung entgegen.

Wer Andrea Parker bisher nicht kannte, möchte jetzt bestimmt mehr über dich wissen. Leg los:


Vor acht Jahren habe ich mit einem Freund auf dem Lande, wo ich damals noch gewohnt habe, mit dem Auflegen und generell mit Musik angefangen. Jeder entdeckt ja irgendwann sein großes Hobby!
Vor zwei Jahren hab ich dich das erste Mal während der R&S-Jubiläumsparty in Gent gesehen. Da hast du mit David Morley als "Two sandwiches short of a lunchbox" einen Live-Auftritt gehabt.
Du meinst dies Live-PA. Oh Gott, an dem Abend hatte ich eigentlich eine wahnsinnige Erkältung und dann hat es am Ende doch noch ziemlich Spaß gemacht.

Mit welcher Instrumentierung schaffst du diese deepen Tracks, die auf Mo'Wax von dir erschienen sind?


Grundsätzlich benutze ich nur alte analoge Synthesiser und deswegen habe ich damals auch mit David Morley zusammengearbeitet. Ich habe Moogs, Arps und Fairlights und andere old-fashioned Keybords, die zu der Zeit auch von Bands wie Art of Noise benutzt wurden. Dazu sample ich eine Menge organische Sounds aus meiner Umwelt; statt einer normalen Hi-Hat nehme ich dann Sounds von Nägeln, die in eine Blechdose fallen. Für mein Album habe ich meine Arbeitsweise noch mal geändert. Dort wird es eine Menge Strings geben, sie wird halb live und halb elektronisch sein und auch Vocals beinhalten. Im Ganzen sehr anders als meine bisherige Arbeit. Auf dem Album spiele ich auch Cello und meine nächste 12" beinhaltet mit "Rocking Chair" ein 40köpfiges Orchestra.

In letzter Zeit gab es von den großen Firmen verschiedene Nachbauten klassischer Synthesiser. Hast du davon welche ausprobiert?


Ich kenne Firmen wie Doepfer aus Deutschland und habe hier und da mal etwas ausprobiert, aber am Ende bevorzuge ich doch die alten Geräte.
Deine erste "Melodius Thunk"EP auf Mo'Wax klang sehr zeitlos. Wann sind diese Tracks entstanden?
Die sind jetzt etwa ein Jahr alt. "Rocking Chair" ist schon sehr anders im Verhältnis zu "Melodius Thunk", aber ich habe in der Zwischenzeit auch unter dem Einfluß einer Menge von für mich neuen Platten gestanden. Auch zwischen dem, was ich Zuhause höre und dem, was ich im Club auflege gibt es große Unterschiede. Mit David Morley und anderen früheren Partnern werde ich auch weiter Platten machen, aber das Album wird sehr persönlich werden.

Warum hast du dich mit deinen Tracks für das Mo'Wax-Label entschieden?


Ich bin mit meinen Promos zu mehreren Labels gegangen und keinem schien dieser Sound zu gefallen. Mo'Wax war das letzte Label, bei denen ich vorging und denen sagte meine Musik etwas. James (Lavelle) war als A&R-Mann wirklich cool und fair. Bei Mo'Wax konzentriert man sich nicht nur auf ein paar wenige Artists; andere Labels machen das dauernd und neue Künstler haben dann traditionell am Anfang ziemliche Schwierigkeiten.

Wie wichtig ist dir als neuem Künstler die Presse, der generelle Hype und was für Erfahrungen hattest du bisher damit?


Die Platten von David und mir wurden in England nur sehr wenig beachtet; aber so ist es wohl manchmal. Bei der EP mit dem 40köpfigen Orchester gab
es natürlich direkt eine ganz andere Pressereaktion. Darüber können die dann besser schreiben, als wenn es "nur" um Musik geht.

Beeinflußt dein Leben in London irgendwie deine Musik oder die Art, wie diese entsteht?


Nein, kann man eigentlich nicht sagen. Es ändert nichts und es inspiriert mich auch nicht besonders. Meine Sounds kann ich überall generieren.

Welche Acts oder Gruppen sind deine Long-Time-Favourites?


Diese harte Herangehensweise von Drexiya aus Detroit gefällt mir im Techno-Bereich noch am besten. Überhaupt Underground Resistance und ähnliche Bands übertreffen sich in der Qualität und im Sound jedesmal wieder.

Und wie findest du den Ansatz der Chemical Brothers?


Ich hasse die Chemical Brothers. Ich mag generell keine Progressive- oder Handbagsounds.

Und in welche Club gehst du in London am liebsten?


Ins LOST, das bleibt für mich der beste Club!!

Wie handelst du bei Interviews, in denen du nur nach deiner Rolle als Frau gefragt wirst?


Ehrlich gesagt, mache ich sowas nicht mehr. Wenn ich merke, daß der/die Journalist(in) sich nicht für meine Musik oder meine Arbeit interessiert, then it really pisses me off. Wenn Journalisten sich daraus ein Problem oder eine Story stricken wollen, dann sollen sie mir egal sein.

Das war das, was ich mit Hype meinte. Statt deiner Musik focussiert die Presse nur auf dich als Frau!


Drei meiner besten DJ-Freunde sind Frauen. Chantal von Warp und ein paar andere. Warum daraus was Exotisches machen? Es gibt auch hier in London solche All-Female-DJ-Abende. Davon halte ich überhaupt nichts. Das ist wirklich schwachsinnig. Wenn man in etwas gut ist, dann ist man gut. Weiblich oder männlich. Schluß, aus.

Dein Album wird wann kommen?


Ich denke, es kommt Ende November. "Rocking Chair" wird am 4. August released und es wird darauf 8 verschiedene Mixe geben. Auch Remixe von MajorForceWest und Attica Blues.

Und noch eine Frage für die Touris unter uns: Welches ist dein Lieblingsrestaurant in London?


Das wäre eindeutig "Nid Ting", ein thailändisches Restaurant im Norden von London. Sehr empfehlenswert!