Octagon Planet kommt aus Bielefeld und hat seine Debutplatte nach etlichen Versuchen, sie auf anderen Labels rauszubringen, auf dem eigenen Label Atomic Silence veröffent-
licht. Die Platte kommt mit transparentem Phosphoraufdruck und einer Stückzahl von 300. Einmalig sind die knochentrockenen, völlig selbständigen, rudimentär erscheinenden Arrangements, deren radikales, minimalistisches Set-Up es ermöglicht, das Augenmerk auf die intensiven Klang-Überschneidungen & Kombinationen zu lenken.
Die Art, wie die Stücke sich entwickeln, ist konzeptionell und zugleich stark intuitiv. Sympathisch auch die zurückgenommene, kraftlos-potent wirkende PC-Ästhetik, mit der die Platte extrem arbeitet. Eine sähköäske Dynamik wie beim A-Seitenstück oder ELIN-ähnliche Sequenzen beim B2-Stück sind als einzige Kathegorisierungen möglich. Octagon Planet selbst mag seine Stücke ausschließlich als persönlichen Ausdruck, ohne Anbindung an ein bestimmtes Genre sehen. Zwar benutzt er einen 303-Nachbau, läßt aber dessen Qualitäten nicht die Stücke bestimmen. Seine Stücke sind extrem verschieden, arbeitet er doch von Stück zu Stück immer mit verschiedenen Effektgeräten, die er sich bei einem Gebrauchtwarenhandel ausborgt.
Die Person hinter Octagon Planet macht seit
Jahren Musik und hat in seiner Vergangenheit Saxophon
in einer Jazzband gespielt. 1993/94 hat er für
sich Techno entdeckt und damit das probate Mittel,
um sich auszudrücken. Mit der Zeit hat er für
sich seine eigene Definition von Techno geschaffen:
"Techno ist das absolut perfekte Timing. Das hat
sehr viel mit Zeitabständen zu tun.
Alle Musik
die früher gemacht wurde, und sei sie auch noch
so gut und professionell gemacht, trägt Timing-Schwankungen
in sich. Beim Schlagzeug kommt der Schlag etwas früher
oder später und wenn es beabsichtigt ist, nennt
sich das Groove. Wenn das immer zum selben Zeitpunkt
passiert, also eine Konstante hat, dann ergibt sich
so etwas, was man Trance nennt. Es muß so etwas
wie ein Rückkopplungeffekt im Gehirn sein, die
die Faszination auslöst. Das die Wiederholbarkeit
exakt bleibt, daß passiert eigentlich nur im
Techno. Andere Musik lebt eigentlich davon, daß
das gerade nicht ist. Ich glaube sogar das Musik, aus
einer herkömmlichen Betrachtungsweise eines Musikers,
davor panische Angst hat, sich zu wiederholen, im Kreise
zu drehen. Da ist der Erfolgsdruck, ständig etwas
Neues zu bringen."
Seine Stücke provozieren Erwartungshaltungen, ähnlich
denen von Mika Vaino, und basieren auf einer weitangelegten
Dynamik. "Ich habe das mir von Frank Zappa abgeschaut.
Der hat immer dann damit aufgehört, wenn ich etwas
richtig geil fand. Es hat micht tierisch geärgert,
aber es hat Spannung erzeugt."
Wenn auch nicht musikalisch beeinflußt, so fühlt
er sich doch inspiriert von der finnischen Band Panasonic.
"Ich find Sähkö geil. Ich habe mit die
10" Box gekauft und zuerst fand ich sie merkwürdig,
hatte keinen Zugang und als sie dann zu Ende war, hat
sie meine ganze Stimmung verändert. Die war danach
durchaus gut. Ich möchte sagen, sie hat meine
Lebensqualität verbessert."
Was Octagon Planet auf seiner ersten Platte auszeichnet,
ist der anders gesetzte Akzent im Klang und der Wille
sich zu unterscheiden. Seine 303-Sounds zirpen nur
kurz, um dann auf Befehl abrupt zu verrecken. "Ich
finde es spannend wenn etwas passiert, wovon ich nicht
denke, daß es passieren wird. Wenn ich etwas
höre, was ich noch nie zuvor gehört habe,
daß begeistert mich. Im Techno ist es ja leider
so, daß einer eine Idee hat und viele sie kopieren.
Für mich ist es wichtig, daß meine Musik
inspiriert und wenn es nur eine gute Laune ist, die
ich dadurch gewonnen habe. Unter dem Strich muß
etwas übriggeblieben sein, ob in küntlerischer
Hinsicht oder anderer."
In seinem Freudeskreis findet seine Platte besonders
bei Nicht-Techno-Hörern Zuspruch. Vertriebe lehnten
seine Platte mitunter mit der Bemerkung ab, daß
Techno heutzutage eine Materialschlacht sein muß
und seine Produktion zu simpel sei.
Derzeit ist seine Platte bei PLANET-Distribution
zu haben; Tel: 0421) 185 66