Klein, orange
und kultig...
Der neue
Vocorder von Boss im
Härtetest
"V" steht für Voice, "T" für
Transformer und die 1 steht einfach for the best. Sagen
wir's mal so, denn die bei der Frankfurter Musikmesse
vorgestellte kleine Kiste aus dem Hause "Boss"
ist einfach nur Klasse.
>>>Was in den Frankfurter Messehallen nur kurz
angetestet werden konnte, steht nun seit vier Wochen
im Studio rum und sie gehört schon fest dazu.
Und nicht nur, um Sprachsamples zu machen. Dafür
wurde das Ding zwar konzipiert und dafür ist es
auch hervorragend. Aber eben nicht nur dafür.
Der VT 1 ist eine Multi-Kiste, die sich auch als Effektgerät
nutzen läßt. Aber dazu später.
Reden wir erst einmal über die eigentlichen Vocoder-Funktionen.
Mit einem Regler lassen sich Frauen in Männerstimmen
und umgekehrt verwandeln.
Dabei wird die Tonhöhe manipuliert, ohne daß
es zu dem bekannten Mickey-Maus-Effekt kommt. Unabhängig
von der Tonhöhe können auch die Formanten
verändert werden. Unter Formanten, so klärt
uns die Betriebsanleitung des VT 1 auf, handelt es
sich um die jeder Stimme eigenen Obertöne, die
ihr ihren typischen Klang verleihen. Der separate Formanten-Regler
erlaubt also das virtuelle
Verändern von Stimmbändern und Sprechwerkzeugen,
um so neue und ungewöhnliche Effekte zu erzeugen.
Mit dem dritten Regler kann das Mischungsverhältnis
von Originalstimme und Effekt bestimmt werden und der
vierte Regler ist für den Hall-Effekt verantwortlich.
>>>Der VT 1 verfügt darüber hinaus noch über einen Robotknopf, mit dem eine roboterähnliche Stimme erzeugt wird. Werkseigen vorgestellt sind vier Presets sowie zusätzlich vier User-Sets. Die werkeigen Presets sind darüber hinaus gleichfalls mit eigenen Einstellungen zu belegen. Acht selbst erstellte Effekte lassen sich so abspeichern und immer wieder verwenden.
>>>Neben diesen Manipulationsmöglichkeiten für Stimmen läßt sich der VT 1 aber noch ganz hervorragend als Effektgerät einsetzen. Der Maschine ist es nämlich völlig egal, ob ein Mikrofon oder Line-In angesprochen wird. Eine klitzkleine Kleinigkeit eröffnet bereits umfangreiche Möglichkeiten. Da die Eingangsspannung bei Line-In und Mikro bekanntlich verschiedenen ist, sind häufig an Geräten direkt zwei separate Eingänge vorgesehen. Der VT 1 verzichtet darauf und man muß mit der Hand die jeweilige Quelle einstellen. Das besorgt ein kleines Rad auf der Rückseite. Hier ergibt sich die Möglichkeit, das Eingangssignal bereits zu übersteuern, also Line-Eingänge aufs Mikrofon zu legen. Das sollte man zwar etwas vorsichtig machen, um Schäden am VT 1 zu verhindern, aber mit Fingerspitzengefühl geht das ziemlich easy. Die Übersteuerung der Signale führt schon zu netten Effekten und wenn nun noch kräftig an den Reglern geschoben wird, dann fliegt die Kuh.
Ich in jedem Falle bin nachts um halb zwei in der Wohnung
rumgekrochen, hab einen alten Casio-(Kinder)Synthi
hervorgekramt und ihn über den VT 1 laufenlassen.
Der Erfolg war einfach überwältigend. Das
Ganze wurde schräg, oberschräg und völlig
schräg. Alle
Tonerzeuger wurden mittlerweile mal über den VT1
angesprochen und jedes mal gab's was überraschend
anderes zu hören. Hi/Hats beispielsweise lassen
sich dann wunderbar von dumpf grollend bis hell metallisch
verändern. Das schönste von allem: Mit den
vier Reglern hat man in Echtzeit alle Manipulationsmöglichkeiten,
das Ding ist für den Live-Betrieb geradezu prädestiniert.
Fazit: Boss ist es gelungen, ein kleines handliches
Teil auf den Markt zu bringen, das sich vermutlich
wie warme Semmeln verkaufen wird und das alle Voraussetzungen
erfüllt, um Kultformat zu erreichen. Und alles
für schlappe DM 670,-...
>ste.-