>phecy
Die Zukunft hören oder Korgs
"Prophecy" - die neue
Dimension bei digitalen monophonen Synthesizern
Der erste Eindruck ist der der: Gut sieht der "Prophecy"
aus mit seiner silberfarbenen Lackierung und dem etwas
spacigen Design, verhältnismäßig klein,
wenn ich ihn mit meinen anderen Synthis vergleiche
und ziemlich leicht ist das Ding auch, was an dem Kunststoffgehäuse
liegt.
Jetzt müßte eigentlich eine seitenlange Abhandlung
über die Art der Tonerzeugung folgen. Aber wen
außer Toningenieuren und Profi-Testern interessiert
so was eigentlich? Schließlich werden Synthis
nicht gekauft, um Studien über Tonerzeugungsmöglichkeiten
zu betreiben, sondern um Musik zu machen. Von Interesse
sind da doch letztlich nur diese beiden Fragen: "Wie
klingt das Teil?" und "Wie läßt
sich mit dem Synthi arbeiten?" Für den "Prophecy"
kann dazu nur gesagt werden:
>der Synthi klingt hammermäßig und
>die Bedienoberfläche ist absolut easy.
Beides ist für digitale Synthis in dieser Preisklasse nicht selbstverständlich. Vielfach finden wir leider die Kombinationen Klang/gut und Oberfläche/mies. Die Korg-Leute haben eine Menge Gehirnschmalz investiert, um hier Änderungen zu bewirken. Es ist ihnen voll gelungen. Über Taster, Handräder und Drehknöpfe lassen sich die meistgebrauchten Parameter direkt beeinflussen, ohne daß man sich mittels Taster durch ungefähr zehntausend Menus tippen muß.
>>Kommen wir aber erst einmal zum Klang. Der "Prophecy" ist ein monophoner, also einstimmiger Synthi und damit wird sofort eines klar. Wer mit Techno anfangen will und weder über Drum-Maschinen bzw. einen polyphonen Synthi verfügt, der sollte sich die Anschaffung des "Prophecy" überlegen. Allen anderen sei dieser Rat gegeben: Leute spart und seht zu, daß ihr die zweineinhalb Mille zusammenkriegt, das Geld ist verdammt gut angelegt. Denn als Lead- und Solomaschine ist der "Prophecy" zur Zeit konkurrenzlos.
>Zu den Sounds: Sie sind in zwei Bänken organisiert
- Bank A und Bank B - mit jeweils 64 Einzelsounds.
Erweitern läßt sich die Maschine zusätzlich
noch um Steckcards mit weiteren 64 Sounds. Das ist
erst einmal nicht viel, ziehen wir als (eigentlich
unzulässigen) Vergleich polyphone Synthis heran.
Die "kleine" Soundauswahl wird aber doppelt
wettgemacht durch deren abgefahrenen Klang und die
vielfältigen Möglichkeiten, beispielsweise
nur über unterschiedliche Velocitywerte, von den
Filter mal zu schweigen, geradezu unglaubliche Effekte
hervorzurufen. Die Flächen beispielsweise sind
so angelegt, daß man den Eindruck hat, sofort
einen Schmalztopf unters Gerät stellen zu müssen,
um Schäden am Teppichboden vorzubeugen und sie
lassen sich so gestalten, daß die "Einstürzenden
Neubauten" vor Neid platzen werden: So heftig,
schräg und schrill kann's mit dem "Prophecy"
zugehen. Und was für die Flächen gilt, gilt
durchgängig für alle Sounds.
In ungefähr drei Wochen habe ich vielleicht ein
Drittel der Sounds ausprobiert und habe das Gefühl,
noch immer völlig Neues, Ungewohntes und bisher
nicht Hörbares aus den Bänken hervorgezaubert
zu haben. Es besteht ernsthaft die Gefahr, sich einfach
nur in den Sounds zu verlieren und das Produzieren
hinten an zu stellen. So variabel, so vielfältig
kannte ich es bisher nur von meinem alten Jupiter,
also einem analogen Gerät. Übrigens: Die
Sounds tragen Namen, die man aber getrost vergessen
kann, vielleicht sogar sollte. Eine Klarinette, ein
Saxophone oder eine Trompete sind nicht gerade die
Instrumente, die für Techno-Sounds bevorzugt genutzt
werden. Bei "Prophecy" allerdings ist es
ziemlich egal, wie die Dinger heißen, denn selbst
aus einer Oboe lassen sich geniale Acid-Klänge
zaubern.
>Zur Bedienoberfläche. Erklären kann man
das an dieser Stelle nicht. Nur so viel: Mittels der
Knöpfe lassen sich blitzschnell die verschiedensten
Parameter aufrufen. Die wirkliche Stärke jedoch
liegt in den fünf Drehknöpfen, die direkt
unterhalb des (gut lesbaren) Displays angebracht sind.
Diese Regler lassen sich frei belegen und wie man sie
belegt hat, das wird während des Spielbetriebs
durch deren Namen angezeigt. Ein Balkendiagramm gibt
Aufschluß darüber, welcher aktuelle Wert
gerade aufgerufen ist. So übersichtlich habe ich
das bisher nur beim "Prophecy" gesehen.
>Gigantisch wird es bei den Spielhilfen, drei Wheele-Rädern
nämlich, von denen eins noch zusätzlich mit
einem Ribbon-Controller aufwartet. Das Ding ist nun
der absolute Hammer. Einen Sound anspielen und dabei
leicht mit dem Finger über den Ribbon gleiten
und zusätzlich noch das Rad selbst bewegen - Puhhh,
da fliegt die Kuh, das ist bestes Analog-Feeling, da
geht's wirklich ab....
>Nett auch die Portamento-
Funktion, die via Knopf zuschaltbar ist und erwähnenswert
der Arpeggiator, gleichfalls zuschaltbar und via Knopfdruck
und Drehregler sofort und vielfältig zu manipulieren.
So, das wäre es. Fassen wir es noch mal kurz zusammen.
Korg hat mit dem "Prophecy" verdammt viel
getan, die Synthesizertechnologie nach vorne zu bringen.
Das vermutlich beste an dem Teil ist einfach die Tatsache,
daß es vermutlich lange dauern wird, bis man
sich an den Sounds "überhört" hat.
Ich bin sicher, noch in Monaten bisher nicht Gehörtes
rausholen zu können. Und das kann man leider über
die wenigsten digitalen Geräte dieser Preisklasse
sagen.
>ste.-