We Love To Play
Jeff Mills & Mad Mike - die Initiatoren
des Underground Resistance Labels, investieren jeder
auf seine Art in die Zukunft: Jeff in ein globales
Network, das Axis weltweit unterstützen soll,
und Mike Banks in neue junge DJs, die die Message vom
Black Planet in die Welt hinaustragen sollen.
Die zweite Generation von Underground Resistance-DJs
hat im Mai in Köln, München, Lüttich
und Brüssel sein Stelldichein gegeben. Eine Promo-Tour
für die Platten der beiden neuen DJs im UR Team,
die gerade erschienen bzw. diesen Monat erscheinen werden.
Für den 18jährigen
DJ Rolando, dem Nachfolger von Jeff im UR Team, war
es das erste Mal, daß er in Deutschland
auflegte; nach Auftritten
in England und Spanien.
Von einem Ersatz für den Wizard Jeff Mills zu
sprechen wäre sicherlich verfrüht.
Der seit 1988 als DJ tätige, im Latino Viertel
großgewordene Rolando, ist ein aufmerksamer und
guter Techniker, der nicht die Agressivität bzw.
Angriffslust seines Vorbildes Jeff Mills übernommen
hat. Seine Sets geben das wieder, was in Detroit gespielt
wird und das ist eine für Deutschland ungewöhnliche
Mischung auch Techno, Electro, R&B und New Wave.
Es geht darum, das zu spielen, was er liebt. Anders
als viele DJs hier, macht er kein Politikum daraus,
was spielbar ist oder was nicht. "Taking a risk"
ist eine Phrase, die er häufiger nennt. In der
roughen Southwest Side geboren, hat er sich dort mit
einigen DJ Gigs durchgesetzt.
"In der Southwest Side ist die spanische Gemeinde
lokalisiert, Mexikaner, Puertorikaner und Cubaner,
dort lebe ich.
Zu meinen ersten Technics kam ich dadurch, daß
ein Freund von mir seine Freundin schwängerte
& Geld brauchte, seine Plattenspieler versetzen
mußte. Ich begann mit zwei Plattenspielern und
vier Schallplatten und habe in Kellern und auf House-Parties
gespielt. Ghetto Parties, wie man sie hier nennt, das
einzig wahre, wirklich! Crazy shit kann ich nur sagen!
Heute gibts das nicht mehr wegen der Gangs. In den
letzten fünf Jahren ist es immer schlimmer geworden.
Leute sind aus Chicago gekommen und haben das Verbrechen
mitgebracht. Zehnjährige in Gangs mit Pistolen.
Es wird zur Zeit wieder etwas besser. Aber im Sommer
wird es traditionell natürlich schlimmer. Du trägst
ein rotes T-Shirt und für manche bedeutet das
direkt eine Zugehörigkeit zu einer Gruppe. Um
aufs DJen zurückzukommen, es gibt Parties fast
nur noch
in Clubs oder Veranstaltungsräumen. Meistens steht
nur ein DJ auf dem Flyer, aber im Verlauf des Abends
hast du fünfzehn DJs, die alle auflegen.
Du gehst einfach hin und sagst du möchtest. Das
ist cool. Der einzige Club in Detroit momentan ist
der Shelter. So eine Art Alternativ-Veranstaltungsort
wo alles läuft, Rock, Hip Hop, Techno. Jeden Freitag
legt dort Mike Hookerbe von Recordtime mit Lokals auf.
Ich treffe dort jede Woche neue, junge DJs, die sich
versuchen. Es gibt wirklich viele, was mich auch immer
wieder überrascht. Donnerstag will jetzt Stacy
Pullen einen Abend machen. DJ Rolandos Platte "Aztec
Mystic", ist mit Hilfe von seinem Ziehvater Mad
Mike entstanden, der ihm das Equipment zur Verfügung
gestellt hat. Zu seiner Tätigkeit als DJ arbeitet
er im Recordstore von Submerge, "Somewhere In
Detroit". "Unsere S.I.D. Serie gibt es exklusiv
nur bei uns. Die ersten drei Platten sind jetzt ausverkauft.
Es gab von jeder 150 Stück und somit hoffe ich
auf neue in der nahen Zukunft." Der zweite DJ
der Tour, James Pennington aka The Suburban Knight,
legendäre Figur im Detroit Techno, hat nach seinem
Hit "The Art Of Stalking" aus dem Jahre 1990
mit UR ein verläßliches Label gefunden.
"Mike hat mich schon zwei Jahre vor meiner Platte
auf UR , signen wollen. Hat mir gesagt ich soll es
mir überlegen. Ich habe zum ersten Mal von seinem
Interesse erfahren, als ich Jeff Mills '93 in einem
Einkaufszentrum in Dearborne traf. Bei Transmat ging
irgendwann nichts mehr. Man hatte vollkommen den Bezug
zu dem ganzen verloren. Carl war nie da." Gebunden
an einen Mayor Kontrakt hat er drei Platten gemacht,
die von dem Label nie veröffentlicht wurden und
wie er selbst sagt, nicht wirklich seinem Stil entsprachen,
weil die Leute "bad" waren. Mit den "Art
Of Stalking" Remixen auf FNAC hatte er selbst
nie etwas zu tun und hätte sie auch nicht herausgebracht.
"Wenn jemand "Art Of Stalking" hätte
remixen sollen, dann wäre ich das gewesen! Genauer
gesagt ist es ja die B-Seite die geremixt wurde!"
Seine neue Platte "By Night" erscheint in
den nächten Tagen, mit Stücken aus seinen
frühen Tagen. "Es sind moody late night trax.
Vintage-Trax im Stil der "Art Of Stalking".
Sie sind Ende 80 gemacht worden. Danach wird eine LP
auf UR erscheinen mit alten und neuen Stücken.
In der Mehrzahl neuen. Ich hoffe
das akzeptiert man. Ich muß machen, was ich fühle,
daß war immer so. "Nocturbulas" war
im übrigen die einzige Platte die in dem Jahr
herrauskam als ich sie gemacht habe. "Art Of Stalking"
z.B. kam drei Jahre später herraus, "Big
Fun" ein Jahr später. Es ist gut, nach 3
Jahren wieder Musik zu machen." Trotz der einschneidenden
Veränderung hat sich eins bei ihm nicht verändert:
sein Equipment. Seit 1989 arbeitet er nur mit einem
Keyboard, mit dem er seine eigenen Sounds macht. "Ich
habe mir mein Equipment immer ausgeliehen. Ich hatte
damals nichts, was ich mein Eigentum nennen konnte.
So haben es früher viele gemacht. Kevin, Juan
und Derrick waren damals sozusagen schon etabliert
& haben ihre Studios angeboten. Du hattest manchmal
dreißig Leute in deinem Studio, die geraucht
& applaudiert haben, wenn es ihnen gefallen hat.
Viele haben die Inspiration für ihre Stücke
dadurch bekommen, daß sie aus den Studio-Fenster
geschaut haben."