Andreas Dorau

Vor der Glotze
mit Andreas Dorau

Als Andreas Dorau uns in sein Studio einlud, um uns schon vorab einmal die Rohfassung seines neuen Albums vorzuspielen,
da haben wir uns natürlich sehr

Gefreut. Schließlich gehörten wir so zu den ersten, die das relaxt knapp oberhalb 100 bpm groovende Meisterwerk zu Gehör bekamen.
Unser eindeutiger Favorit der Listening Session: das ungeheuer fragile Liebeslied "Ich weiß es nicht", das Andreas so romantisch wie selten zuvor zeigt. Textkostprobe: "Und ich, was wär' ich ohne dich? Frag mich nicht, ich weiß es nicht" > Andreas neue Flamme, eine Hamburger Musikjournalistin, wird dahinschmelzen, und mit ihr 54 % der deutschen Bevölkerung, nämlich alle Frauen. Die restlichen 46 % fangen an, Gedichte zu schreiben und Blumensträuße kunstvoll zu binden. Von wegen RoMo-Movement. Auch super, aber der Dorauschen Das-ist-aber-jetzt-zu-platt-Zensur zum Opfer gefallen: die XXX-Rated-Version des "Ohrwurms" (ich brauche keine Black & Decker / um bei dir zu sein / mir reicht meine Orgel / und so dringe ich in dich ein). Als Single auserkoren (Doppel-A-Seite mit "Ich weiß es nicht") wurde der Titel "Girls In Love" > zugegebenermaßen trotz beeindruckender Nadel-Abrutsch-Effekte ein ziemlich kommerzielles Ding, der Refrain klingt ein bißchen so, als würde er am besten über die Lautsprecherboxen einer Auto-Scooter-Bude auf der Kirmes kommen, aber wie sagt Andreas es selbst so treffend: "Hervorragend ist die falsche Grammatik des Refrains, und eine schöne Moral hat das Lied auch noch." Auf all das, sowie auf grandiose Sascha-Hehn-Samples, die Fortsetzung des Bleep-Revivals mit "Ab" und tausend weitere schicke Details könnt Ihr Euch freuen, wenn im August endlich das langerwartete Album erscheint.
Vorher wollten wir Andreas aber noch eine kleine Aufgabe stellen: wir baten ihn, einen neuen Soundtrack für "Pulp Fiction" zusammenzustellen. Andreas ist nämlich nicht nur ein formidabler Musiker, sondern auch in Sachen Film äußerst bewandert. Vor drei Jahren absolvierte er die Münchener Filmhochschule im Fach Spielfilm mit dem Abschlußwerk "Schlag Dein Tier"
(demnächst als Kaufvideo erhältlich). Darin treten Tierbesitzer in einer Fernsehgameshow gegen ihre Tiere an, und selbst Gottschalk & Koschwitz waren von
dem Streifen so beeindruckt, daß sie zahllose Deko- und Spielideen daraus klauten. In einer 5tägigen Marathonsession vertonte Andreas außerdem zusammen mit seinem Partner Tommy Eckart in dessen Schlafzimmerstudio den Kassenknüller "Manta > Der Film". Die 40 Minuten Musik schafften sie in dieser kurzen Zeit allein deshalb, weil sie sich ein Limit von einer Stunde pro Stück setzten. Eine unangenehme Pflichtübung war der Manta-Soundtrack für die beiden trotzdem nicht: "Es macht mehr Spaß, Filmmusik für einen schlechten als für einen guten Film zu machen!" Also Vorsicht, liebe Jungregisseure, wenn Herr Dorau Euch erzählt, er möchte unbedingt den Soundtrack Eures Debütfilms machen, weil ihm das Script so toll gefallen hat, dann solltet Ihr vielleicht nochmal über das ganze Projekt nachdenken...

FILMMUSIK>MUSIK IM FILM
von Andreas Dorau

Musik kann helfen. Besonders schlechte Filme haben beinahe durchgehend Musik, die dort auf ihre ureigene Weise hilft. Im Falle von Pulp Fiction ist die Musik äußerst sparsam eingesetzt und man hat nach 90 Minuten doch das Gefühl sehr viel Musik gehört zu haben.
Normalerweise wird für die Herstellung der Filmmusik ein Komponist/Musiker herangezogen, der Musik für die entsprechenden Szenen und deren speziellen Stimmungswechsel schreibt. Nicht so in diesem Falle. Der amerikanische Autorenfilmer Quentin Tarantino benutzt für seinen Streifen nur Retorten-Musik. Der Einsatz der alten Soul- und Surfmusikstücke ist relativ willkürlich, denn in diesem Film wird in erster Linie gequatscht.
Da ich aber nun über den speziellen Einsatz der Musik schreiben soll, möchte ich eine gelungene Szene hervorheben, in der John Travolta von seinem Dealer Kumpel ein Tütchen besonders gutes Heroin erwirbt und mit dieser Ladung im Ärmel eine coole Autofahrt unternimmt. In der Szene sieht man John am Steuer seines Wagens wie er sichtlich den guten Stoff in seinem Körper genießt, unterschnitten mit Flashbacks einer detailierten Drogeneinnahme.
Die instrumentale Surfmusik dieser Szene soll sein extremes Gefühl von "Sich cool fühlen" ausdrücken, so wie es das in den 40er Jahren der Jazz als Edel-Junkie- Musik in entsprechenden Filmen getan hätte. Mir persönlich kommt der Einsatz von Surfmusik, anstelle von Jazz, sehr angenehm entgegen. Nur schade, daß der Film damit der Surfmusik von Dick Dale nur zu einem meist traurigem Comeback auf zweitklassigen TU-Mensa-Parties verhelfen konnte.

Das Problem bin ich