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  #1
Alt 06.03.2007, 15:20
Mailyne
Forumuser
 
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Date: 17.01.06
Alter: 28
Beiträge: 9.174
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Idee Geschichte der Technomusik

An alle, die immer so viele blöde Fragen stellen:

hier habt ihr mal ein bisserl was zu lesen!




Geschichte der Technomusik

1. Vorwort

Technomusik ist ein Begriff, der sich in einer schriftlichen Arbeit keineswegs genau definieren
lässt. Technomusik ist von zu vielen Einflüssen geprägt, um hier darzustellen, was eben diese
Musik bewirkt und was sie darstellt. Eines ist sicher: Technomusik ist die Musik unserer Zeit
und weniger vergleichbar mit vergangenen Musiktrends als je ein Musikstil zuvor. Deshalb ist es
schwer zu glauben, dass selbst die Technomusik ihren Standpunkt der Weiterentwicklung vorheriger
Musiktrends verdankt.

Vielen wird die Technomusik fremd vorkommen, da sie sich keine genaue Vorstellung über ihre
Entstehung machen können. Der Computer als unbegreifliches Instrument. Man braucht sechs
aufnahmefähige Kassettenrecorder und sechs Endlos-Kassetten (Spieldauer 1-3 Minuten).

Mit dem Mikrofon nimmt man auf der ersten Kassette die Bass-Drum eines Schlagzeuges auf, auf der
zweiten ein ebenso gleichmäßiges Schlagen der Hi-Hat, die dritte wird mit der Snare bespielt.

Mit der vierten Kassette steigt man in den Zug und nimmt dessen Fahrgeräusche auf, und auf der
fünften zeichnet man das Geräusch einer Trillerpfeife auf. Jetzt bespielt man das letzte Band
nur noch mit einer Melodie mittels Klavier oder ähnlichem.

Bei dieser altmodischen Sequenzer-Art ist darauf zu achten, dass alle Aufnahmen das gleiche
Metrum besitzen (dieses ist mittels Schraubenzieher am Laufwerk der Kassettenrecorder noch zu
regulieren).

Jetzt verbindet man alle sechs Kassettenrecorder mit einem Mischpult und kann mit dessen Hilfe
ein Lied erzeugen. Zuerst blendet man nur die Bass-Drum ein (Band 1), nach acht oder sechzehn
Schlägen kommt die Hi-Hat dazu, dann Snare, etc..

Ein Computer funktioniert vom Prinzip nicht anders. Ein Produzent kann mittels eines Sequenzer-
Programmes, je nach Rechnerleistung und Art des Programms, bestimmt viele Spuren bespielen.
Diese Spuren sind mit den oben genannten Kassettenbändern zu vergleichen, nur dass die Nachbe-
arbeitungsmöglichkeiten einer Aufnahme des Computers gigantisch im Gegensatz zu den Kassetten
sind. Der Produzent mischt alle seine Spuren zusammen und fertig ist sein Stück.

Es ist natürlich alles ein bisschen komplizierter, aber das ist das sehr vereinfachte Prinzip
einer Computeraufnahme.

In meiner Arbeit will ich jedoch nicht über Aufnahmemöglichkeiten schreiben, sondern über die
Entstehung und Entwicklung des Musikstils Techno. Diese Untersuchung soll in zwei Teile geteilt
werden. Zuerst will ich eine chronologische Entstehungsgeschichte der Technomusik darlegen, als
zweites eine Übersicht über die verschiedensten Musikstile, die unter den Oberbegriff Techno
fallen. Mittlerweile sind es schon mehr als 50 verschiedene Arten Techno die es gibt (z.B Goa,
Trance, Gabber, etc.). Als erstes Unterscheidungsmerkmal dient die Anzahl der Bass-Schläge pro
Minute (Beats per minutes, bpm).

Die Stilart, die von den Bass-Schlägen her am schnellsten ist, ist Gabber, aber dazu mehr im
zweiten Teil dieser Arbeit.


2. Chronologische Entstehungsgeschichte der Technomusik

2.1. Der erste Gedanke - Geräusche als Musik

Der erste Gedanke, technische Musik zu erschaffen entsteht bereits in den ersten Jahren unseres
Jahrhunderts. Die Industrialisierung unseres Kontinents ist bereits eingeläutet und Maschinen
und Industrie schlagen einen ununterbrochenen Takt der Zeit.

“Wir finden viel mehr Befriedigung in der Geräuschekombination von Straßenbahnen, Auspufflärm
und lauten Menschenmassen, als beispielsweise im Einüben der ‚Eroica‘ oder ‚Pastorale‘”, heißt
es in einem bereits 1913 veröffentlichtem Manifest von Luigi Russolo namens “Kunst der
Geräusche”.

Der Durchbruch der modernen Musik, die an keine harmonischen Regeln gebunden ist, findet bald
darauf statt; zunächst noch im Deckmantel der Klassischen Musik. Arnold Schönberg, bekannt
durch die Einführung der Atonalität, eine Musikform, die sich als erste von allen bekannten
Kompositionsregeln löst, ist einer der ersten Musiker, der nicht nur Harmonie als Musik ver-
steht. Er ist der Komponist, der einen musikalisch revolutionären Schritt vollzog, und es sollen
ihm einige Schüler der zweiten Wiener Schule, der auch er angehört, folgen.


Jedoch macht sich diese neuartige Form der Musik noch nicht die Elektronik zu Nutze, wie es bald
darauf in einem neuem Stil der Fall sein soll: Die ‚Musique Concréte‘. Karl Heinz Stockhausen
führt diese Art der Musik, in der sowohl Schreibmaschinengeklapper als auch Sirenengeheule als
Stimmen dienen, ein und schreibt ”Alle Klänge und Geräusche sind Musik”. Das Prinzip dieser
Musik, auch von John Cage und Pierre Schaeffer praktiziert, Klänge und Geräusche aufzunehmen,
auszuschneiden und an bestimmte Stellen eines Musikstückes wieder einzusetzen, ist bereits
vergleichbar mit der Vorgehensweise der Computer. Das “Sampling” macht seine ersten Versuche.

Nicht viel später werden die ersten Versuche einer synthetischen Klangerzeugung gestartet.

Zuerst dient hierfür der ‚Sinuston‘. Seinen Namen verdankt er der aus der Mathematik bekannten
Sinuskurve, die ebenso periodisch verläuft wie die Schwingungen dieses Tones. Aber nach ver-
schiedenen Bearbeitungsformen dieser Schwingungskurve, wie z.B. Verkürzung, Verlängerung,
Verdichtung und Überlagerung können aus diesem einzigen Klang bereits eine Vielzahl weiterer
Klänge produziert werden. Die Idee des Synthesizers ist geboren.


2.2. Die ersten Hits

1972 landet Gorge Kinsley mit “Popcorn” den ersten Hit, der völlig auf elektronischer Klang-
erzeugung basiert, welcher ebenfalls als Techno-Vorläufer gilt. Jedoch als eigentliche Urväter
der Technomusik gelten auch heute noch die deutsche Gruppe “Kraftwerk”. 1975 bringen sie ihr
viertes Album “Autobahn” auf den Markt. Dieses Album schafft es ohne Probleme in die
Amerikanischen Hitlisten und soll von nun an viele Musiker inspirieren und zu einer neuen Musik
bewegen. Die Welle des Synth-Pop wird gestartet.

Brian Eno, zuvor bei “Roxy Music”, gründet 1975 das “Obscure Records” Label, das sich auf
“Ambient Music” spezialisiert.

Ein Jahr später bringt Jean-Michel Jarre sein Meisterwerk “Oxygéne” auf den Markt. Dieses
Erfolgsalbum schlägt wie eine Bombe ein und verkauft sich über acht Millionen mal.

1977 bringt Giogio Moroder, Erfolgsproduzent aus München, die Sängerin Donna Summer unter
Vertrag, und produziert mit ihr den Hit “I Feel Love”.

Zeitgleich in diesem Jahre bringen auch “Kraftwerk” ein neues Album heraus, mit dem Titel
“Menschmaschine”. Bei diesem Titel ist der Aufruf dieser Gruppe, ein engeres Verhältnis
zwischen Mensch und Maschine zu schaffen, unverkenntlich.

“Moroder” und “Kraftwerk” bildeten zu dieser Zeit die Szene.


2.3. Die achtziger Jahre - “Synth-Pop” entwickelt sich zur Technomusik

Die achtziger Jahre beginnen. Von nun an soll sich auch die Technomusik in verschiedene
Richtungen entwickeln. Die Welle des Synth-Pop soll noch lange nicht abflachen; aber ein
neues Kind wird geboren : Die House-Music.

Ihr Ursprung ist in den USA. Obwohl Disco-Music in den Staaten bereits für tot erklärt
wird lebt sie ab 1980 im schwarzen Gay-Underground von Chicago und New York weiter.
Entscheidend hierfür sind zwei legendäre Discos. In New York befindet sich das “Paradise
Garage”, in dem der DJ Larry Levan nächtelang Underground-Klassiker auflegt. Das “Paradise
Garage” prägt im Laufe der Zeit sogar seinen eigenen Musikstil - “Garage Disco”, später
“Garage House”.

Zur gleichen Zeit legt in Chicago, in einer Disco namens Warehouse, der DJ Frankie Knuckles
von samstagsabends bis sonntagsmittags seine Platten auf, von Disco-Klassikern bis Euro-
Importen. In beiden Städten sind diese beiden Orte die einzigen für szeneinteressierte
Menschen, und bald sprechen diese von “that sound they play down the house”. Dies war die
Geburt der House-Music.

1984 wird in Deutschland die erste Diskothek, die sich ausschließlich auf elektronische
Musik spezialisiert, in Frankfurt eröffnet, namens “Technoclub”.

1985 ist ein weiteres bedeutendes Jahr der Techno-Geschichte, da das Kultlabel “Trax Records”
gegründet wird. Weiterhin produziert Juan Attkins, einer der Altväter des Detroit-Techno, die
erste Technoplatte, die aus heutiger Sicht schon nach Technomusik klingt. Diese erscheint
unter dem Pseudonym seines Projektes “Modell 500” und trägt den Namen “ No UFO´s”. Sie dient
anderen Produzenten als Grundlage für alle darauf erschienenen Technoplatten. Seine
Inspirationen entnimmt er der Europäischen Musik wie zum Beispiel “Tangerine Dream” oder wie
so viele andere “Kraftwerk”.

Im folgenden Jahr entsteht eine neue Variante der Technomusik: “Acid-House”. Die Verursacher
dieses neuen Trends sind “Phuture” die auf dem Lable “Trax Records” ihre “Acid Tracks” heraus-
bringen.

Kurze Zeit später soll von der House Formation “Finger´s Inc.” ein weiterer Stil eingeführt
werden, genannt “Deep-House”. Der “Deep-House”-Sound zeichnet sich durch die Vielzahl jazziger
Elemente und durch gesampelte und später bearbeitete Vocals aus.

Auch in diesem Jahr sorgen zwei Tracks für höhere Popularität der Housemusik. Zum einen bringt
“Steve ‚Silk‘ Hurley” seinen Riesenhit “Jack your Body” auf den Markt, zum anderen soll auch
in Deutschland der Produzent “Sven Väth” seinen ersten Discorenner produzieren. Dieser bringt
mit seinem Projekt “OFF” das Stück “Elektrica Salsa” heraus, welches sich zu einem Clubhit in
ganz Europa entwickelt.

In Deutschland ist es jedoch das Jahr von “Westbam”. Dieser Berliner DJ und Produzent glänzt
auf Tanzveranstaltungen durch seine Non-Stop-Music. Er mischt Disco und Soulplatten auf unbe-
greifliche Weise zusammen, dass aus verschiedensten Stücken ein endloses Meisterwerk wird ohne
Unterbrechung und Übergang.

Diese “High-Energy-Music”, unbestrittener Grundstein der heutigen Housemusic, welche nicht
unwesentlich von “Westbam” geprägt wird, war eine Sensation, und es sind ganz wenige, die diese
Mixtechniken beherrschen. “Westbam” ist einer von ihnen, und er hat eine unbeschreibliche
Sammlung von Platten; er kauft alles, wo auch nur “House” draufsteht.

In diesem Jahr versucht er die erste Berliner House-Party zu organisieren. “Berlin hatte zu
dieser Zeit noch keinen Dance-Untergrund, von der High-Energy-Schwulenszene vielleicht abge-
sehen. Aber hier gab es schon immer mehr, als in jeder anderen deutschen Stadt, Untergrund-
Kultur. Das EX und POP, eine Berliner Szenebar, war ein Teil davon, eben mehr für Leute, die
Einstürzenden Neubauten hörten oder Black Flag und dazwischen Schostakowitsch. Wir schleppten
also zwei Technics 1210er, ein Mischpult und eine Roland 808 und meine ersten 30 House Platten
hinein. Daß Underground-Dancemusic plus Undergroundszene noch keine Underground-Danceszenen
ergeben, kann man wohl als Ergebnis dieser ersten House-Parties Berlins, wohlmöglich
Deutschlands, bezeichnen. Die Gäste (...) wippten etwas mit und fragten sich, was da wohl
passiert in ihrer Kneipe.” (Westbam, 1986)


2.4. Der “Acid”-Boom

1987 beginnt der große “Acid”-Boom. Entstanden ist dieser Sound eher zufällig ein Jahr zuvor in
Chicago, als zwei DJs (“Phuture”) mit dem “Roland TB 303” Synthesizer dessen Bassfrequenzen
veränderten und daraus ein Lied komponierten. Der “Roland 303” ist auch heute noch einer der
meistbenutzten Synthesizer im “Acid”-Bereich. Dieser neue Sound findet sofort großen Anklang im
Untergrund Chicagos, erreicht unwesentlich später auch Deutschland, genauer gesagt den Unter-
grund Berlins. Dieser Untergrund Berlins wird erst richtig anerkannt, nachdem die erste “Acid-
House”-Party in der “Turbine Rosenheim” stattfand.

Eine weitere Adresse für Szenegänger in Berlin ist das “UFO”, die “Geburtsstätte der Berliner‚
House‘-Szene”, wie sie genannt wird. Diese Adresse ist aber nur ausgewählten Personen bekannt,
da das UFO von der Polizei und den Behörden gesucht wird, und deshalb gut versteckt ist. Die
illegalen Parties im UFO werden kurzfristig von Monika Dietl, Moderatorin bei “Radio 4U” ange-
kündigt. Das UFO ist ein Lagerkeller einer Kreuzberger Ladenwohnung. Hier tanzen 1988/99 die
etwa 50 bis 100 ausgewählten Besucher stundenlang gasmaskiert zu ohrenbetäubendem “Acid”-
gequietsche durch den dicken Nebel, angespornt durch endlose Stroboskop-Blitze.

Zeitgleich wird in den USA zu “Garage” getanzt, obwohl die Geburtstätte das “Paradise Garage”
bereits ein Jahr zuvor geschlossen wurde.

In England werden zu dieser Zeit die ersten “Raves” gefeiert, welche aber noch nicht all zuviel
mit dem heuten Begriff “Rave” gemein haben. Ersteres besteht aus einem Gemisch von Techno, House
und Gitarrensound. Interpreten dieser “Raves” sind zum Beispiel “EMF” mit dem Song
“Unbelievable”, welche eher in die Skating-Szene einzuordnen sind.

Der Hit des Jahres 1989 ist der “House”-track “French Kiss”, produziert von Lil Luis.
In Chicago steht die “House”-Szene durch Kommerzialisierung kurz vor dem Ende.

Auch in Deutschland hilft “Westbam” der Housemusik mit der Partyhymne “And Party” zum ersten
Schritt aus dem Untergrund zum Mainstream. In Frankfurt wird ein Musikmagazin namens Frontpage
von Armin “Jeff” Johnert und Tallar 2XLC herausgebracht.


2.5. Der eigentliche Durchbruch der Technomusik - Die erste Loveparade

1990 ist das Jahr, in dem die Technomusik ihren eigentlichen Durchbruch vollzieht. In Berlin
wird die erste Loveparade organisiert. Es wird lange über den politischen Sinn der Loveparade
diskutiert, da sie ja offiziell als Demonstration gilt. Einerseits hat die Loveparade einen
eher unpolitischen Charakter: “Es gibt uns, wir sind viele, wir sind anders, wir wollen Spaß”.
Manche Stimmen der Loveparadeanhänger schreiben ihr jedoch sehrwohl einen politischen Charakter
zu: “(...)Techno ist deswegen politisch, weil es die Musik demokratisiert hat und sich jeder
seine Musik machen kann. Wir brauchen Fehler anderer Jugendbewegungen nicht mehr zu wiederholen.

(...) Wir sind keine Antibewegung zur Spießergesellschaft, wir stellen eine Alternative dar.”
Cord Schnibben, Autor beim “Spiegel”: “Die Loveparade ist so politisch wie ein Sommerpicknick
und so unpolitisch wie eine Friedensdemo, aber wenn Politik die Verständigung darüber ist, wie
man zusammenleben will, dann sind drei Tage voller ‚Love Peace and Unity‘ politischer als drei
Kilo Parteiprogramm.”

Der Kultcharakter der Loveparade bleibt in anderen Großstädten nicht unerkannt.

Nicht lange Zeit danach wird es von einigen dieser erfolgreich imitiert: 1992 in Zürich, 1994
Köln “Night Move” und 1995 findet der Münchener “Union Move” statt.

Im gleichen Jahr der ersten Loveparade kommt “NY-House” groß heraus. Vom Lable “Strictly Rythm”
werden Hits am laufenden Band produziert. Erfolgsproduzent “David Morales” mixt alles, was in
den Clubs gespielt wird. Auch “Acid” steht durch kommerzielle Ausbeutung kurz von dem Ende.

Verschiedenste neue Stilrichtungen entstehen in den unterschiedlichsten Regionen. So zum
Beispiel “Bleep” in England, welche sich durch hohe Piepstöne und tiefe Bässe auszeichnet. Der
bekannteste Track heißt “Tricky Disko”. Auch Belgien gilt als Entstehungsstätte für einen neuen
Stil. Hier bildet sich aus “EBM” und “Industrial” “New Beat”.


2.6. “The Spirit of ´91” - Das Jahr der Technomusik

1991 bringt “Nervous Records” Stücke mit einem neuen Sound auf den Markt. Dieser nennt sich
“Jazz-House” und ist angelehnt an den schon von früher bekannten “Deep House”.

“Heute ist alles Routine und langweilig und kommerziell. Damals war alles aufregend, das Jahr
1991 war das der ausgefallensten Parties”, meint Jürgen Laarmann, Herausgeber des Frontpage
Magazins: ”Jeder der dabei gewesen ist, wird das nicht vergessen.” Damit ist wohl auch nicht
unwesentlich das bis dahin unübertroffene Partyspektakel Berlins gemeint:

Die Mayday im Dezember 1991, das Kind der Loveparade, welches ihr bald über den Kopf wachen
soll, indem es sich zum Berliner Party-Exportartikel Nummer eins entwickelt. Erst wird diese
Party zum Appell an alle Anhänger des Jugendradiosenders DT64 organisiert, um diese zum aktiven
Kampf für den Erhalt des Senders zu bewegen, der bereits durch die Landesmedienanstalten dem
Untergang geweiht ist. Zur Rettung des Senders werden Vereine gegründet, Unterschriftenaktionen
gestartet und Demonstrationen abgehalten. Zu guter letzt soll der Versuch gestartet werden,
dem Sender durch diese Party mit dem Auruf “Mayday” zu helfen.

Westbam: ”Ich wollte so etwas wie die Party nach der Love Parade noch mal, nur irgendwie anders
veranstalten. Also habe ich mich mit den Low-Spirit Leuten zusammengesetzt und mit Marusha, die
durch ihre Radiosendung Rave-Satelite bei DT 64 großen Einfluss im Osten hatte. Als der Sender
zumachte, haben wir überregional zu pushen begonnen und Mayday gemacht. Mayday bedeutete damals:
Rettet das Jugendradio DT 64. Der Demonstrationscharakter war da, und DT 64 hat das Ereignis
stark in seinem Programm gepusht.”

Von nun an bewegt sich die Technomusik unaufhaltsam Schritt für Schritt aus dem Untergrund
Richtung Mainstream. Die stetig wachsende Zahl der Anhänger dieser Bewegung bleibt auch dem
allgemeinen Markt nicht vorenthalten, so dass die Kommerzialisierung mit großen Schritten
heraneilt. Der Merchandisingbereich wird stark ausgebaut.

Schlechte Techno Compilations der großen Plattenfirmen überschwemmen den Markt. Techno wird zum
Pop der Neunziger. Jedes Jahr verdoppelt bis vervierfacht sich die Anzahl der Tanzenden, und
halbiert sich die Verwirklichung des Grundgedankens der Loveparade.

“Die Loveparade als Woodstock der Techno- & Housegeneration. Underground und Overground,
Avantgarde und Mainstream, Camelpromotion und Werbeaktionen, XTC und CDU, die Technobewegung
scheint sich im kulturell beliebigen zu verlieren.”

Von nun an verzweigt sich durch globale Kommerzialisierung und Trendbildung von unzähligen
Projekten, die wie Eintagsfliegen in den Charts auftauchen und verschwinden, die weitere
Geschichte dieser Musik in so viele verschiedene Richtungen, dass es hier unmöglich ist, einen
Überblick darüber zu verschaffen. Einen kleinen Einblick in die verschiedensten untergeordneten
Stile will ich im zweiten Teil dieser Arbeit liefern.


3. Techno - Ein Oberbegriff für eine Vielzahl verschiedener Stile

Mit dem Wort Technomusik lässt sich heutzutage längst nicht mehr die Menge der verschiedensten
untergeordneten Stile beschreiben. Teilweise gleichen diese sich, dass sich für den Laien kaum
ein Unterschied bemerkbar macht, andererseits unterscheiden sie sich in Geschwindigkeit und
verwendeten Sounds so sehr, dass es auch dem nicht geschulten Ohr direkt auffällt.

Verständlicherweise ist es nicht möglich, hier alle Stilarten, die sich im Laufe der Zeit
entwickelt haben, zu nennen, geschweige denn auf diese einzugehen, so dass ich mich für eine
kleine Anzahl der wohl bekanntesten Arten beschränken musste.


3.1. “Synth-Pop”

“Synth-Pop” ist die wohl erste elektronische Musik, die auf dem Markt aufgetaucht ist. Von
harten Bass-Schlägen in monoton gleich bleibendem Takt, wie man es von heutiger Technomusik
gewöhnt ist, kann hier noch keineswegs die Rede sein. Vielmehr handelt es sich dabei um einen
Pop-Rhythmus, der mit den ersten Synthesizerklängen übermalt ist, wie es der Name bereits sagt.

Den ersten Synthesizerhit landete George Kingsley mit dem Lied “Popcorn” im Jahre 1972. Kaum
später folgten ihm weitere Künstler, hauptsächlich beeinflusst durch die Synth-Pop Veteranen
“Kraftwerk”, wie Jean-Michel Jarre, “Vangelis”, “Depeche Mode” oder “YELLO”.


3.2. “Acid”

“Acid” ist auch nur wieder ein Oberbegriff für zahlreiche Unterstilarten, wie “Acid-House” oder
“Acid-Trance”. Charakteristisch für “Acid” sind die quietschenden Sounds des “Roland TB 303”-
Synthesizers, welcher für die Produktion eines “Acid”-Tracks unumgänglich ist.

Einst wurde dieser Synthesizer für die Unterstützung von Gitarrenmusik entwickelt, fand bei
dessen Anhängern jedoch nicht viel Anklang und hatte nach zufälliger Entdeckung zweier Techno-
produzenten aus Chicago seinen festen Platz in der “Acid”-Szene. Der Beat bleibt bei dieser
Stilart eher langsam und zurückhaltend. Hörbar werden diese “Acid”-Geräusche zum Beispiel auf
den ersten Platten von Prodigy.


3.3. “House”

“House” ist die wohl populärste Stilart von Techno. Die Hauptelemente sind groovige Hihats und
Claps. Die Geschwindigkeiten der Housemusic liegen bei ca. 100 bis 130 bpm. Wie auch bei den
meisten anderen Stilarten haben sich bei der Housemusic verschiedenste Unterstilarten ent-
wickelt. So zum Beispiel “Vocal House”, was durch Gesang, meistens aus älteren Soulstücken
gesampelt, ausgezeichnet wird. Eine der ersten Formen der Housemusic ist “Detroit House”, was
etwas dumpfer und schneller klingt. Sobald “House” mit mehreren Percussion-Instrumenten versehen
wird, nennt man es “Harthouse”.


3.4. “Jungle”

“Jungle” ist der für London typische Musikstil. Duke Ellington führte diesen ein, indem er
rasant rückwärts laufende “Jazz-Drum-Patterns” mit “Hip-Hop Drumloops” kreuzte und dies mit
hochgepitchten “Reggae-Grooves” übermalte. Jungle ist mit 140 - 160 bpm der bisher schnellste
Rhythmus aus England.


3.5. “Drum & Bass”

“Drum & Bass” ist mehr oder weniger ein Produkt der “Jungle”-Musik, obwohl es in der
Geschwindigkeit deutlich langsamer ist. Nicht nur aus diesem Grund, sondern auch wegen der oft
eingebauten jazzigen Elementen ist es eine eher leichte und ruhige Musik. Das gewirbelte Schlag-
werk mit Betonung auf der ersten und viereinhalbten Zählzeit und die geschleiften Drumloops
sorgen für den bei “Drum & Bass” typischen Breakbeat.

“Drum & Bass” entstand genau wie “Jungle” in London. Die genauere Geburtsstätte ist das “Blue
Note”, eine Discothek im Londoner Zentrum, welches die Residenz der “Metalheadz” ist. Die
“Metalheadz” ist das wohl bekannteste “Drum & Bass”-Lable und wurde vom Londoner DJ “Goldie”
gegründet. Die deutschen “Drum & Bass” Zentren sind Mannheim, Köln und Berlin.


3.6. “Trance”

“Trance” ist eine Mischung aus langsamen Beats, ca. 100 bpm, und monotonen, sich durchgehend
wiederholenden Elementen von “Ambient”-Geräuschen und Synthesizer-Sounds. Der Beat ist grad-
linig und nicht gebrochen. Das Charakteristischste an “Trance”-Musik sind die weichen und durch-
gehenden Flächen, die den Hörer zum “Abheben” bringen; aus diesem Grund ist “Trance”-Musik neben
“Ambient” auch die in den “Chill-Out-Areas” (Entspannungsräume auf Technoparties) am meisten
gespielte Musik. “Ambient” ist eine Art “Trance”-Musik, nur noch langsamer, was es fast zur
Meditationsmusik werden lässt. Oft werden für “Ambient” Geigen als Flächen eingesetzt.


3.7. “Gabber”

“Gabber” ist der “Speed-Metal” der Technoszene. Mit 180-500 bpm ist “Gabber” die schnellste
aller Technoarten. Holländischer “Speed-Gabber” geht an die Grenzen des erträglichen. Selbst-
verständlich gibt es auch langsamere Arten von “Gabber”, was dann wiederum “Happy Hardcore”
genannt wird, und mit 160 bpm und aufwärts schon leichter tanzbar ist.


3.8. “Goa”

“Psychodelic Goa Trance”, wie es auch genannt wird, hat seinen Ursprung in der indischen Provinz
Goa. Sven Väth war es, der aus seinem jährlichen Urlaub in Goa diesen Sound mitbrachte und der
“Hardcore”-Szene in Europa entgegen setzte. Sein Album “Accident in Paradise” definiert diesen
Sound.


3.9. “Dub”

“Dub” ist moderner, clubtauglicher, elektronischer “Space-Reaggae”. Entstanden ist “Dub” auf
Jamaika, als die dort ansässigen MCs die “B-Sides” ihrer Platten, auf denen die Stücke der
“A-Sides” instrumental aufgenommen wurden, im Studio remixten. Die für “Dub” typische Form des
Remixen ist der hintereinandergekoppelte Einsatz verschiedener Effekte, hauptsächlich Echo,
Delay und Hall.


4. Quellenangaben

Philipp Anz / Patrick Walder: Techno, Verlag Ricco Bilger, 1. Auflage, Zürich 1995

Oliva Henkel / Karsten Wolff: Berlin Underground, Techno und HipHop zwischen Mythos und
Ausverkauf, FAB Verlag, Berlin 1996

Klaus Janke / Stefan Niehues: Echt abgedreht, Die Jugend der 90er Jahre, Beck´sche Reihe 1091,
3. Auflage, München 1995

Frontpage-Magazin, Juni & Juli 1996, Technomedia GmbH Verlag, Herausgeber Jürgen Laarmann, Berlin

Spiegel Special: Die Eigensinnigen, November 1994

Brockhaus Enzyklopädie, Band 19+21, F.A. Brockhaus GmbH, Mannheim 1986
Mailyne ist offline  
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  #2
Alt 06.03.2007, 15:55
Mailyne
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Date: 17.01.06
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Zitat von omen_kind
Faaaaaaaaaaaaaaalsch!! Der Acid Boom ist 1963 entstanden....
Bzw wurde von unserem Großmessias Leary in die Wege geleitet...

Scherzkeks

hier ehts um die Musikrichtung Namens "Acid"
Mailyne ist offline  
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  #3
Alt 06.03.2007, 16:55
golem
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Benutzerbild von golem
 
Date: 05.03.07
Beiträge: 3.768
http://de.wikipedia.org/wiki/Jumpstyle
der fehlt da ganz klar! jumpstyle ist doch mit das geilste!

edit: hab mir sogar echt alles durchgelesen und find's echt gut! dankeschön, ich bin jetzt echt ne ecke schlauer
golem ist offline  
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  #4
Alt 06.03.2007, 17:08
golem
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Date: 05.03.07
Beiträge: 3.768
was hast du gegen jumpstyle?!
golem ist offline  
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  #5
Alt 06.03.2007, 17:18
reggie
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Date: 29.11.05
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immer mit ihrem jumpstyle.... Hab das noch nie gehört... Wo bitte schön wird den das gespielt???
Also taugen kanns nich viel sonnst wärs bekannter!
reggie ist offline  
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  #6
Alt 06.03.2007, 17:34
reggie
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Benutzerbild von reggie
 
Date: 29.11.05
Alter: 32
Beiträge: 4.771
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löl klingt wie happyhardstyle.... jo und tanzen kann mann dazu auch perfectens
reggie ist offline  
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  #7
Alt 06.03.2007, 18:17
golem
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Benutzerbild von golem
 
Date: 05.03.07
Beiträge: 3.768
hm, so berühmt isses hier in deutschland echt nicht...
in holland ist das viel bekannter und die zappeln sich alle gern ma einen ab dabei, deshalb auch die videos :P
ich muss mir gleich mal angucken, was ihr so rausgesucht habt an videos...
vllt habt ihr ja nur noch nie richtig guten jumpstyle gehört und wisst garnicht, was ihr verpasst ;-)
golem ist offline  
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  #8
Alt 06.03.2007, 18:20
reggie
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Benutzerbild von reggie
 
Date: 29.11.05
Alter: 32
Beiträge: 4.771
reggie eine Nachricht über ICQ schicken reggie eine Nachricht über Skype schicken

Zitat von golem
hm, so berühmt isses hier in deutschland echt nicht...
in holland ist das viel bekannter und die zappeln sich alle gern ma einen ab dabei, deshalb auch die videos :P
ich muss mir gleich mal angucken, was ihr so rausgesucht habt an videos...
vllt habt ihr ja nur noch nie richtig guten jumpstyle gehört und wisst garnicht, was ihr verpasst ;-)

Wo wird denn das hier in Deutschl gespielt
reggie ist offline  
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  #9
Alt 06.03.2007, 18:35
golem
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Benutzerbild von golem
 
Date: 05.03.07
Beiträge: 3.768
bei mir zu hause :-P
übrigens find ich das 2. video garnich so unlustig ^^
die anderen sind nicht so toll
golem ist offline  
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  #10
Alt 06.03.2007, 18:40
Cubu
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Benutzerbild von Cubu
 
Date: 30.04.06
Beiträge: 2.011

Zitat von untilted
http://www.myvideo.de/watch/966176

da sowas ist dem ...

die sind auch putzig: http://www.myvideo.de/watch/400591

hehe ... http://www.myvideo.de/watch/218430

erinnert mich n bissi an

http://www.myvideo.de/watch/846127
Cubu ist offline  
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