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27.07.2010, 20:36
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Zitat von Bewegung 24. Juli |
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k
Wenn man in einer Menschenmasse, engst zusammengedrängt dasteht, alle in Todesangst und Panik, werden phylogenetisch uralte Überlebensinstinkte wachgerufen, das ist ganz natürlich und hat nichts mit unserer Gesellschaft zu tun. Es gab schon Massenpaniken in allen Kulturen und zu allen Zeiten, mit hunderten, manchmal tausenden von Toten. Außerdem kann man in so einer komprimierten Menschenmenge gar nicht anders als mitzugehen, egal was unter einem liegt, sonst wird man selbst verschluckt und endet zu Tode getrampelt am Boden. Viel typischer für unsere Gesellschaft sind der Veranstalter und der Bürgermeister, die sich weigern, Verantwortung zu übernehmen und die Schuld beim einfachen Volk abladen wollen, also den Partygästen, den Polizisten und den Rettungskräften.
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Doch, das hat es.
Allerdings gebe ich darin Recht, dass man das von vornherein einplanen muss, dass sich Menschen so verhalten.
Das Problem entsteht doch aber an der Stelle. Die Menschen strömen in den Tunnel ein.
Vorne geht es nun nicht mehr weiter. Bei diesen Menschenmassen war es sowieso völlig idiotisch, den Tunnel auch noch von beiden Eingangsseiten durch Menschenmassen zu befluten.
Natürlich entsteht dann an dem Punkt, an dem beide zusammentreffen ein Stau. Geht gar nichts anders. Es sei denn man regelt die Ströme aneinander vorbei. Wass ja aber wohl nicht möglich war, da es nur eine Zugangsrampe gab.
Nur schlimm wird dieser Stau erst dann, wenn von hinten nachgeschoben wird.
Auch das ist eine menschliche Eigenschaft, die man einkalkulieren muss, dass von hinten nachgeschoben wird. Nur - wenn nichts mehr geht - ist es ein idiotisches Verhalten von hinten nachzudrängen und nachzuschieben, denn genau das ruft die Panik hervor.
Nicht unbedingt, dass dort die Leute im Stau stehen, sondern dass massiv von hinten gedrückt und gedrängt wird, die Menschen aber nirgendwohin können. An diesem Punkt entstehen massive Aggressionen, denn die Stehenden versuchen die Drückenden abzuwehren.
Wahrscheinlich hätte man den Tunnel schon weit vor dem Tunnel stufenweise erst mal absperren müssen, damit dort keine weiteren Menschen mehr hineindrängen können. Es gab aber auch viele Interviews in denen viele gesagt haben: als sie die Menschenmengen vor dem Tunnel sahen, sind sie gar nicht mehr zur LP gegangen sondern sind schon weit vorher umgekehrt.
Das wäre eine menschlich vernünftige Entscheidung.
Und natürlich muss man auch sagen: Wenn es nicht mehr weitergeht, ist Drängen und Drücken absoluter Blödsinn. Insofern ist ein Teil der Menschen durchaus auch Schuld am Ausbruch der Panik, denn diese haben diese Panik erzeugt. Auch diese sind für die Toten und Verletzten verantwortlich.
Ich habe damit die Schuldigen nicht entschuldigt, denn ich habe die Teilnehmer erst zuletzt genannt. Aber auch völlig idiotisches Drängen und Drücken führt zu Schuld.
Wenn Menschen eng zusammenstehen, wieso sollten sie da Todesangst haben? Dazu gibt es noch keinen Grund. Das ist zwar mehr als unangenehm und mehr als ärgerlich. Aber Todesangst entsteht hier noch nicht. Die Todesangst entsteht dadurch, dass von Hinten ständig nachgeschoben und nachgedrückt wird, aber vorne nichts mehr geht. Ein vernünftiger Mensch kann auch von sich aus das blödsinnige Drängen sein lassen. Aber die Ordnungskräfte hätten das Nachdrücken verhindern können, indem man lange bevor der Tunnel zu voll war, weit vor dem Tunnel das Nachrücken von Menschen unterbunden hätte und wenn der Tunnel dann wieder leer gewesen wäre, hätte man wieder einen Teil durchgehen lassen können. Dh man hätte von Anfang an nur jeweils einen Teil der Menschen in den Tunnel einlassen dürfen. Weit vor dem Tunnel gab es genug Möglichkeiten sich so zu verlaufen, dass Menschen nicht mehr zusammengepfercht stehen bzw. wenn man nur einige in den Tunnel einläßt, ist niemand gepfercht.
Nur: sind Menschen nur noch mit Ordnungskräften steuerbar? Ich meine, es muss Ordnungskräfte geben. Wenn man aber sieht, dass da alles falsch läuft, dann hat der Mensch auch Augen, um das zu sehen und selbst zu handeln.
Aus Luftaufnahmen war zu sehen, dass direkt vor dem Tunnel riesige Menschenmassen
in den ohnehin schon prall gefüllten Tunnel eindrangen. Vernünftige Menschen hätten sagen können, in diesen Tunnel gehe ich gar nicht hinein, so überfüllt wie dieser ist.
Wenn auf der Autobahn ein Stau entsteht, können die nachfolgenden Autos die vor ihnen stehenden Autos auch nicht einfach aufschieben.
"Außerdem kann man in so einer komprimierten Menschenmenge gar nicht anders als mitzugehen,"
Die Letzten vor dem Tunneleingang können aber aufhören zu drängen, dann kommen die vorderen auch nicht unter Druck und es setzt keine Panik ein.
Die Verantwortlichen habe ich deutlich als schuldig erklärt, man kann aber diejenigen, welche mit verantwortlich sind für die Panik, nicht von einer Schuld freisprechen.
Außerdem gibt es keine Zwangsläufigkeit des Verhaltens. Niemand wird gezwungen, die Massen von hinten zu drängen, zu schieben und zu drücken. Wenn alle ordnugnsgemäß gehen und wenn alle ordnugnsgemäß stehen bleiben, wenn nichts mehr geht, gibt es keine Panik.
Wir kennen die Schlangenbildung aus vielen Bereichen unseres Lebens. Und wir haben gelernt uns in einer auch noch so langen Schlange anständig zu verhalten oder sich gar nicht in der Schlange anzustellen. Und auch das haben ja offensichtlich viele gemacht.
Sie haben - vor dem Tunnel - umgedreht bzw. sind gar nicht bis zu der Menschenmenge vor dem Tunnel gegangen. Die sich aufstauende Menschenmenge konnte man von weitem sehen. Weshalb haben sich manche dann doch angestellt?
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27.07.2010, 20:44

27.07.2010, 20:54
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Zitat von Lars |
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Außerdem gibt es keine Zwangsläufigkeit des Verhaltens. Niemand wird gezwungen, die Massen von hinten zu drängen, zu schieben und zu drücken. Wenn alle ordnugnsgemäß gehen und wenn alle ordnugnsgemäß stehen bleiben, wenn nichts mehr geht, gibt es keine Panik.
Wir kennen die Schlangenbildung aus vielen Bereichen unseres Lebens. Und wir haben gelernt uns in einer auch noch so langen Schlange anständig zu verhalten oder sich gar nicht in der Schlange anzustellen. Und auch das haben ja offensichtlich viele gemacht.
Sie haben - vor dem Tunnel - umgedreht bzw. sind gar nicht bis zu der Menschenmenge vor dem Tunnel gegangen. Die sich aufstauende Menschenmenge konnte man von weitem sehen. Weshalb haben sich manche dann doch angestellt?
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Ich will dir gar nicht wiedersprechen, solche Menschen gibt es, erst recht wenn einige Tausende unterwegs sind, doch solche Menschen gibt es in allen Kulturen, daher ist die Liste solcher tödlichen Menschentrauben auch ellenlang. Die Besucher kamen in dieser Falle aus drei Richtungen zusammen, umgeben von drei Mauern und einer Treppe. Bei der kalkulierten Besucherzahl hätte man dies vorhersehen müssen, erst recht, wenn man es nicht auf die Reihe bekommt, die Ströme der Menge zu lenken sondern sie derart zusammenprallen lässt.
Geändert von Bewegung 24. Juli (27.07.2010 um 20:59 Uhr).
Grund: wording
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27.07.2010, 21:39
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fail! hätte es keine einlasskontrollen, absperrrungen und (!) geldgeile nutznießer (die techno nicht verstehen) gegeben, wäre es nicht zur katastrophe gekommen. die schande werden die verantwortlichen nicht mehr los. ein festival ist ein festival, eine parade ein straßenfest.. die restlichen begrifflichkeiten finden sich dann auf den allgemeinbekannten wissensdatenbanken. abgesehen davon, seit wann siezt man sich hier?
Geändert von Doctor Paras (27.07.2010 um 22:05 Uhr).
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27.07.2010, 21:39

28.07.2010, 00:13

30.07.2010, 21:49
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Es ist nun eine Woche so viel gesagt und geschrieben worden. Ich denke man weiss genau wie deer Ablauf war. Eine Veranstaltung die unfassbar dilettantisch geplant war- geltungsbesoffene Behörden die nun alles vertuschen und ein Veranstalter der seinen Arsch vor dem Gefängnis retten will. Und Rabe der für die Sicherheit zuständig war sitzt immer noch im Krisenstab! Ich meine nach wie vor die 4 die am Sa die Pressekonferenz gemacht haben sind jeder auf seine Weise schuld. Die Polizei vor Ort hat noch am meisten geholfen das sieht man und kann am wenigsten dafür. Ansonsten sind Schaller und Rabe und Sauerland 21-fache Mörder - wahrscheinlich werden sie aber nicht mal wegen fahrlässiger Töting un 21 Fällen hinter Gitter kommen.
Ich möchte nur eines noch:
Falls Sauerland und Rabe und Schaller Kinder haben- möchte ich dass die Kinder ihren Vater eines Tages fragen: "Ich habe mir alles angesehen und ich möchte Dich fragen Papa. Warum hast du das gemacht? Warum hast du danach nicht die Wahrheit gesagt? Ich möchte keinen Kontakt mehr mit einem feigen Mörder als Papa - und wenn du das nicht bist dann geh raus und sag endlich die Wahrheit! Mach das wenigstens für mich Deine Sohn/Tochter." Und wenn sie keine Kinder haben, haben sie vielleicht eine Frau die ihnen diese Frage stellen sollte.
Und dann sollten sie sich entschuldigen- bei alle Opfern und deren Angehörigen und bei ihren eigenen Familien die sie mit belastet haben und dann endlich zur Staatsanwaltsschaft gehen und gestehen und mit wieder erreichter Würde ins Gefängnis gehen. Aber dazu sind sie zu feige und die Justiz wird ihnen dabei helfen!
Ich wünsche allen noch alles Gute und dass wir alles daraus lernen.
Towa
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01.08.2010, 18:03
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Die Geschichte IN der Geschichte der Loveparade 2010
von Martin Augustinus
Jetzt suchen sie "die Verantwortlichen", die alleinigen einzelnen Missetäter, die angeblich falsch geplant, oder falsch (re-)agiert haben (sollen), oder sich schlecht
benommen haben.
Mhm.
Ich sage: "DIe Bösen" waren nicht nur die Typen, die über die Gestürzten drüber hinweg gestiegen und gestiefelt sind. Die die Gefallenen rücksichtslos niedertrampelten und
zertraten. Nein- es ist unsere kaputte Gesellschaft!
Alle wollten nur noch egoistisch feiern, jeder für sich alleine! Gäbe es noch Paar- oder Gruppentänze. Gemeinschaftsbewußtsein- ich bezweifle sehr, daß sich dann solche
Szenen überhaupt abspielen hätten können. Dann hätte es keine derartige Rücksichtslosigkeit gegeben. Ohne unsere sprichwörtliche Ellenbogengesellschaft hätten sich
solche Szenen nicht ereignen können, auch und grade, als es eng wurde. Dann hätte man sich gegenseitig gestützt (statt gestürzt), mit aller Kraft und Zusammenhalt.
Warum eigentlich sind soviele Menschen hierher gekommen, aufeinander aufgelaufen? Zusammengekommen, und doch einsam und sich fremd geblieben in der Masse?:
Weil sich jeder von denen nach genau dieser Nähe sehnt! Nach der Wärme, Nähe, dem gemeinsamen Rhythmus, der sie einander näher bringt, wenn auch nur für kurze
Zeit. Der sie wenigstens rhythmisch vereint. Wo es, geschürt durch die mediale (durch die Medien verbreitete) allgemeine NEGATIVITÄT, zu permanenter Angst und
Mißtrauen und Vorsicht in jeder Seele gegenüber jeder anderen Seele gekommen ist. Wo keiner mehr dem anderen über den Weg traut, wo es keine gemeinsamen
Erkennungsmerkmale mehr gibt, aufgrund derer man sich gegenseitig annimmt, vertraut, einfach so, vorbehaltlos.
Naja- dem Einzigen, dem man noch vorbehaltlos und sofort und unbesehen traut, das ist leider kein Mensch mehr, sondern ein Fetzen Papier, auf dem bunte Bilder und
Zahlen aufgedruckt sind, was wir "Geld" nennen. Das ist unser Vertrauensklebstoff, Magnet, Mittler zwischen uns (tollen, stolzen!) "Indiviuen"! Haha.
Früher mal war ein "Individuum", also "eine unteilbare Einheit" eben NICHT ein einziger, einzelner Mensch, sondern eine verschworene Gruppe. Ob sich diese "Musketiere"
oder Glaubensgruppe oder Familie oder -sogar!- "Volk" nannte(n), macht nicht DEN Unterschied- das Entscheidende war das "WIR-Gefühl"! Das soweit ging, daß sich der
Einzelne für die Gruppe gar (auf-)opferte! Unglaublich, heute.
Man stelle sich also vor, auf dieser Loveparade wären viele solch Geistes' Kind gewesen: da wären die Stärkeren nicht über die Schwächeren drübergestiefelt, sondern
hätten sich schützend vor diese gestellt und dem Druck standgehalten! In diesen heutigen Zeiten, inzwischen tatsächlich schwer vorstellbar.
Auch typisch, daß ich der einzige zu sein scheine, der überhaupt solche Überlegungen anstellt. Alle anderen, ob Veranstalter, Polizei, oder -insbesondere!- die Medien,
gehen auf die Hatz oder in Deckung, weisen DIE SCHULD!! irgendwem zu oder weit von sich ab. Als ob das irgendwem jetzt noch, oder in Zukunft, hülfe oder neue
Erkenntnisse brächte! So ein Quatsch! Das erzeugt nur wieder neue Ungerechtigkeiten, Gier, Rachegelüste, Fehden, Morde.
Grade die absolut beliebige Auswahl der rein zufällig in diesem Moment an der Treppe befindlichen Besucher macht deren Verhalten exemplarisch für alle hier
Teilnehmenden! Es ist zu vermuten, daß jeder andere der (angeblich über 1 Mio) Teilnehmenden sich ziemlich genau so verhalten hätte, sich hätte mitreißen und umstürzen
lassen, sein Gleichgewicht und Standfestigkeit verloren hätte und gefallen wäre, oder eben sich behauptet hätte und über die anderen drübergetrampelt wäre.
Wissenschaftlich-statistisch ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, daß die absolute Mehrheit aller anderen Besucher in dieser Bedrängnislage sich sehr genau, genau so
verhalten hätte. DAS ist der eigentliche Schock. Für mich zumindest.
Was jetzt viele tun: die Hatz auf "die Schuldigen" zu eröffnen, nur weil sie selbst nicht diese Prüfung zu bestehen hatten, ist nicht nur unehrlich und unethisch und feige,
sondern zeigt, daß KEINER was daraus gelernt hat! Die im Gedränge suchten in diesem Moment auch nach DEN Schuldigen (die sie so schoben und drückten), und -welch
Wunder!- fanden diese "Schuldigen" auch gleich: die Schiebenden(=Geschobenen) gleich ringsum! Also forderten sie (insgeheim oder offen) deren Kopf, so wie die heutigen
meist selbsternannten Richter und Rächer es jetzt auch wieder tun. Also schnappte man sich diese, riß, stieß sie zu Boden, und zertrampelte sie! "Natürlich" tat das keiner
absichtlich, gar MUTWILLIG- nein, man erhob sich selbst über diese doch nur aus nackter Notwehr (so wie immer)!! Brachte ja einen sofortigen Raumgewinn: die nicht mehr
neben, sondern jetzt unter mir Strampelnden verringerten für eine Sekunde den seitlichen Druck, und erhoben mich als Drübertrampelnden über alle anderen ein wenig (was
den entscheidenden Überlebensvorsprung zu garantieren schien).
So wie wir das jetzt im (medialen und juristischen) Nach"Spiel" erneut erleben, jetzt halt nur "zivilisiert", wie die Häscher behaupten. Jetzt werden sie halt nur medial
niedergemetzelt und zertreten. Ganz "Menschenrechte" -gerecht. Haha.
Ja seid ihr denn vollständig verblödet, habt ihr euch vollig entmenschlichen lassen? Alles was den Menschen ausmacht, alle Kultur, Religion, Zivilisation, war das Bestreben,
genau die Individualität des Einzelnen, dessen einsames Raubtierdasein, zu überwinden und Gemeinsamkeiten wachzurufen oder neu zu erschaffen, Identität mit (den)
Anderen und mit der (Um-)Welt, mit dem Kosmos. War immer der Versuch, genau diese Individualität des Einzelnen, das Raubtier-Bewußtsein jedes einzelnen kleinen
Diktators zugunsten der Identifizierung und Verschmelzung mit den anderen Menschen zu entschärfen, oder gar ganz in gegenseitigem Respekt und Schutz aufgehen zu
lassen. Die eigene ÜBERHEBLICHKEIT dem Wohl der Gemeinschaft unterzuordnen, zu opfern.
Unsere heutige Gesellschaft von SELBSTVERWIRKLICHERN hat sich von diesen kulturellen Errungenschaften, diesen unter äußersten Entbehrungen, in zahllosen Kriegen
herausgeschälten besten aller Erkenntnisse, leider wieder meilenweit entfernt. Sie verdrängen und vergessen alle Vernunft, die sie -als zwingende und unabweisbare
Erkenntnis aus Kriegen und Katastrophen- daran ermahnt, Freund zu sein, zusammenzuhalten, letztlich EINS zu sein, egal wie trennend und böse manche Vorkommnisse
des Alltags auch sein mögen.
Zwiste, Morde, Kriege, gar vernichtende Ausrottungen, gab es immer wieder dann, wenn zuviele Überlebende vorhergehender Katastrophen selbst nachlässig und vergeßlich
wurden und auch die Nachfolgenden nicht mehr eindringlich genug warnten vor Übermut und bohrendem Haß und egoistischer Rücksichtslosigkeit.
Heute scheinen diese Symptome noch krasser und ungehemmter denn je zuvor Oberhand zu gewinnen. Speziell heute deshalb, weil kein ferner Krieg uns hier im satten
tv-Westen mehr SO NAHE KOMMT, so unter die Haut gelassen wird, daß er uns (wie allen Vor-Generationen) diese UR-Weisheit und Wahrheit des WIR-GEFÜHLS und
gegenseitiger Nähe noch einimpfen und einbleuen könnte,
Da ist der "Umfall" auf der Loveparade in Wahrheit nur ein Symptom unserer heutigen, alltäglichen Katastrophe im Umgang miteinander, unserer geistigen Verarmung und
gegenseitigen Entfremdung.
Der eigentliche "Unfall" der Loveparade war der, daß diese zufällige Verdichtung vor der Treppe (die jederzeit und überall wieder passieren kann!), dieses unbeabsichtigte
Sich-Näherkommen, ja: SEHR-NAHE-KOMMEN, daß dieses also die Maske unserer oberflächlichen Pseudo-fröhlich-Freundlichkeit, die geschäftige Unnahbarkeit, die
allüberall selbstzufrieden zu Schau getragene Coolness, unversehens durchbrach, durchdrang, durchbohrte, mit Händen, Ellenbogen, Köpfen, Bäuchen, Knien, Füßen, die
sich plötzlich unbeabsichtigt und unabwendbar so nahe kamen, wie es in keines modernen Menschen' Lebensplan mehr vorgesehen ist und deshalb nicht ertragen werden
kann.
Da ganz offensichtlich kein "Terrorist", "Krimineller" oder sonstiger medientypischer Übeltäter den Anwesenden hier Angst einjagte, war es eben diese plötzliche,
unerträgliche Nähe ganz stinknormaler 'fremder' Menschen, die alle gleichermaßen panisch machte. Diese Nähe überwand ungefragt die übliche Distanz des "Anstandes",
der "Komfortzone" oder "Aura" jedes Betroffenen, UND DAMIT DEREN AUTORITÄT; INDIVIDUALITÄT; SELBSTSICHERHEIT.
Diese unabwendbare Nähe, von allen Seiten, von Unbekannten, ist überhaupt nicht zu vergleichen mit unseren One-Night-Stands, in denen zwei einsame Jäger sich finden,
um ihre eigenen gegenseitigen Ängste für kurze Zeit zu überwinden, und sich auch in diesem kurzen VEREINIGUNGsmoment nicht wirklich nahe kommen, weil jeder selbst
da nur an sich selbst, den eigenen Spaß, die eigene "Befriedigung" zu denken strebt. Und warum? Warum nicht hauptsächlich um das Wohlfühlen des Gegenübers besorgt
sein?: weil der/die mich ja "linken", hintergehen könnte, selbst dieses Minimum an "verschenktem" Gefühl nicht erwidern könnte, mich nur ausnutzen könnte. Damit also
keiner zu kurz kommt, "jeder seinen Spaß hat" (wie sie sich selbst weismachen), ist also jeder selbst hier nur auf die eigene "Befriedigung" bedacht, und geht nach diesem
vergessenswürdigen "Bums" letztlich wieder etwas entleerter, vereinsamter hinweg, erneut bestärkt in der tieftraurigen Erkenntnis, daß mann sich nicht wirklich näher
gekommen ist, daß es wieder keine Vereinigung gegeben hat, daß jede Begegnung und Tuchfühlung rein zweckgebunden sei und nur die Dummen, Naiven oder
Ewiggestrigen noch an wahre große Liebe glauben. Die Enttäuschung und damit das grundsätzliche Mißtrauen sacken tiefer und tiefer, und all' die bösen Medienmeldungen
bestärken uns in dieser fatalen Annahme. Nein- sie haben uns dieses abgrundtiefe gegenseitige Mißtrauen boshafterweise überhaupt erst eingeimpft und durch immer neue
ÜbelTäter-Geschichten glaubhaft und plausibel gemacht.
Zurück zum Loveparade-Umfall: Kommen wir Unseresgleichen also unversehends mal allzu nahe, können wir überhaupt nicht (mehr) damit umgehen, wissen wir nicht, wie
wir uns richtig verhalten, verlieren wir all' unsere Fassung (denn die ist ausschließlich auf Distanz zum Gegenüber aufgebaut), und es kommt, ja, die nackte Panik hervor.
Dieses nicht nur stammesgeschichtliche, sondern Lebewesen-tliche Urgefühl des damals isoliert sich gegen die gefährliche Bestie sich wehren müssenden (Vor-)Menschen
mag damals überlebenswichtig gewesen sein. Seit aber die Dominanz des Menschen alle sonstigen natürlichen Feinde entschärft und schließlich entsorgt hat, hat der
Mensch gelernt, durch Kommunikation den Kampf und die gegenseitige Vernichtung zu verhindern. Überhaupt hat der Mensch ja durch seine Kommunikation erst so
dominant werden können über alle andere Kreatur. Diese Kommunikation hat unsere zivilisatorische Entwicklung, Kultur, Religion, Wissenschaft hervorgebracht, die alle
darauf abzielen, das sinnlose gegenseitige Niedermetzeln abzuschaffen und auszurotten.
Wir verlassen uns heute so blind auf die totale Macht des anonymen Staates, auf Gesetze und deren Durchsetzung, daß wir es nicht mal mehr für nötig erachten, nach dem
Spiegelbild, dem Gegenstück des eigenen Ich im Gegenüber zu suchen. Statt Gemeinsamkeiten suchen wir nach Differenzen, nach eigener Abgrenzung vom Anderen, nach
Ausreden und triftigen Trennungsgründen. Oder machen es uns noch bequemer, indem wir unter Berufung auf "gesetzlich garantierte Freiheit" und "Selbstbestimmung"
den/die Gemeinsamkeit- und Gemeinschaft- Suchenden ganz einfach und bequem abblitzen lassen. Und wehe, es verknallt sich wirklich wer in mich- dann mache ich ihm
als bösem Stalker aber schnell den Garaus! Daß mir bloß keiner zu nahe kommt!
Diese Pervertierung menschlicher Begegnung und Vereinigung wird durch telefon- und internet-gestützte Konferenzen und Fern-Liebschaften vollends ad Absurdum geführt.
Mit jedem zusätzlich "eroberten" Zentimeter zwischenmenschlicher Distanz schreit die vereinsamte Seele immer lauter nach "Nähe!", und so pilgern jedes Wochenende,
jeden Club-abend Abermillionen vereinsamte Menschen nicht nur zu Loveparades, sondern überall dorthin, wo die Seele die eigene "Individualität"s-Distanz(-Einsamkeit)
trickreich überwinden kann, wo das Herz dem Verstand erfolgreich vorgaukeln kann, daß das (ersehnte!) Gedränge am Eingang ja unabwendbar und "nötiges Übel" sei, und,
da man sich als Drängelnder und Bedrängter ja nicht kenne, deshalb auch nicht ausgenutzt werde. Man mit den anderen, einem in dieser Situation Nahekommenden, ja nix
zu tun habe, und folglich keinen seelischen (oder sonstigen) Schaden erleide, weil man ja Niemandem vertraut oder gar "Gefühle" geschenkt, äh: verschleudert, habe.
Hier mangelt es an Ehrlichkeit eines jeden von uns sich selbst gegenüber.
Ob in diesem Gedränge, oder auf der täglichen Fahrt im Auto, verlassen wir uns blind auf "Korrektheit" und Zuverlässigkeit der völlig anonymen Anderen, die doch bitte an
sich halten mögen, auf Distanz bleiben sollen bzw. in ihrer Fahrspur. Nicht im Entferntesten der Gedanke, daß da einer einfach mal ausscheren und auf der Gegenspur den
TotalCrash SUCHEN könnte, NUR weil er sooo schrecklich einsam ist, daß er sich (selbst durch Blech hindurch!) mal richtig knutschen will. Ein Todeskuß. ("Eine
Verzweiflungstat.")
Ja spinnt der Autor dieser Zeilen jetzt denn vollkommen? Kreist der jetzt aus, hör ich schon so manchen Leser zweifeln. Nein, tut er nicht. Ich behaupte, derlei und andere
Versuche, wenn auch aus gewissem Selbsterhaltungsdrang nicht ganz so krasse, machen sehr viele von uns alltäglich, immer wieder, verzweifelt bis verbittert. Sehr oft als
"zufällige" Zusammenstöße, Berührungen, Anbiederungen, Anmachen, und in zahllosen anderen Ausgestaltungen. Immer wollen wir das nicht wahrhaben, und (in Wahrheit
WIDER-)"natürlich" gibt das keiner zu, aus Angst vor Sanktionen.
Aber die Seele jedes einzelnen schreit nach Nähe, und so kommen sie sich immer dann besonders nahe, wenn der Kopf eine gute Ausrede dafür findet, und diese Nähe als
"Notwendigkeit" abtun kann, statt sie als "Anmache" herabwürdiged verurteilen zu müssen.
Genau deshalb kommen wir "Fremden" lieber näher als "Freunden", die ja schon zuviel von mir wissen und mich hintergehen, einspannen, mißbrauchen könnten, wenn ich
sie zu nahe an mich heranlasse.
Der "Unfall" auf der Loveparade 2010 mag also -einerseits- weiterhin als bloßes Versagen der Planer und Ordnungskräfte, der einzig Macht und Schutz verkörpernden
Obrigkeit empfunden werden ..
.. oder vielleicht doch Katastrophe genug sein, meine eigenen Glaubens- und Vertrauensgrundsätze zu hinterfragen und nicht ängstlicher, sondern ab sofort offener und
ehrlicher echte Nähe zuzulassen, gar zu suchen. Grade und insbesondere zu unseren Nächsten. (Denen wir doch eigenlich mehr vertrauen können sollten als Wildfremden.)
Das können Umarmungen bei Begegnungen sein, Mannschaftssport, gemeinsame Untenehmungen. Wo man auch ganz offen und selbstverständlich den Unterschied
zwischen Gemeinschaftsgeist und sexueller Anzüglichkeit klarstellt. Ein Großteil der Männer tun sich sehr schwer, dies auseinander zu halten und klar zu trennen, einfach
weil sie so selten Nähe erleben, daß jede Berührung dann gleich mißverstanden (="ausgenutzt") werden will. Das ist äußerst natürlich, muß einfach nur in die Schranken
verwiesen werden, und hat's derjenige dann gelernt, wird er ewig dafür dankbar sein (auch wenn er diese Dankbarkeit zu zeigen sich weiterhin schwertut), weil er sich so
(wieder) stärker in die Gesellschaft, Gemeinschaft integriert fühlt, sein Selbstbewußsein steigt, sein Aggressionspotential sinkt. Was das für Auswirkungen auf die
Gesellschaft im Allgemeinen, und auf "Gedränge"-situationen (z.B. auf Loveparades) im Speziellen hat?: siehe oben!
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