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Sinnestäuschung
20.10.2006, 16:56
www.kulturoffensive.org

Freitag, 27.10.2006, 21 Uhr, Zoo / Frankfurt am Main

Nachttanzdemo 2006

reclaim the streets! reclaim the campus!

Seit über 10 Jahren findet in Frankfurt die Nachttanzdemo statt,
deren Inhalte sich jedes Jahr der aktuellen (kultur-)politischen
Situation stellen. Während in den Anfangsjahren innenstadt- und
kulturpolitische Forderungen stärker im Vordergrund standen, wandelte
sich dies in den letzten Jahren: Gesamtgesellschaftliche Konflikte –
insbesondere rassistische und soziale Ausgrenzung – nahmen größeren
Raum ein. Auch dieses Jahr steht der Kampf gegen Ausgrenzung und für
die (Wieder-) Aneignung öffentlicher Räume im Vordergrund: Wir gehen
auf die Straße gegen die fortgesetzte repressive Innenstadtpolitik,
die zunehmende Ökonomisierung der Hochschule und den
fortgeschrittenen Abbau der letzten sozialen Rechte.

Innenstadt

Auch in Frankfurt werden gesellschaftliche Probleme weitestgehend als
polizeiliche Probleme wahrgenommen und dementsprechend
kriminalisiert. Besonders deutlich wurde das mal wieder vor der
Fußball-WM, als fast wöchentlich Razzien im Bahnhofsviertel
stattfanden, um die „Zwangsprostitution“ einzudämmen. Getroffen
wurden mit diesen Razzien jedoch vor allem die dort arbeitenden
Frauen, die ihres Lebensunterhalts beraubt und oftmals abgeschoben
wurden. Und auch an anderen Stellen werden die, von der
Ökonomisierung der Innenstadt nicht profitierenden ausgegrenzt und
verdrängt: Seien es Punks auf der Zeil, Wohnsitzlose oder
Drogenuser_innen. Dabei tragen private Sicherheitsdienste und die
flächendeckende Videoüberwachung ihren Teil zur „sicheren und
sauberen" Innenstadt bei, in der es für gesellschaftlich
Marginalisierte keinen Platz gibt.
Darüber hinaus haben Orte, die nicht in erster Linie kommerziell
ausgerichtet sind und Raum für eine lebendige Subkultur bieten in
Frankfurt kaum Platz. So sind legale Partys an strenge Auflagen und
teure Genehmigungsverfahren geknüpft, während alles, was diesen
Rahmen überschreitet, illegalisiert wird.

Sozialabbau

Mit der Einführung von Hartz IV und den anderen in diesem
Zusammenhang wirksamen Reformen werden immer mehr Menschen von der
Partizipation am gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. Folgen
gesellschaftlich verursachter Phänomene, wie z.B. Arbeitslosigkeit
werden dabei in die Verantwortung der Individuen entlassen. Daneben
bedeutet vor allem der faktisch eingeführte Arbeitszwang in Form von
1-Euro-Jobs eine massive Verschärfung der ohnehin beschissenen
Situation für Arbeitslose. Das Anliegen, den Standort Deutschland
gegen die Interessen der einzelnen Menschen fit zu machen für die
Anforderungen des globalen Kapitalismus, führt also – trotz dem
ganzen Gerede von Freiheit, Fortschritt und Flexibilisierung –
keineswegs zu mehr Freiheit und Fortschritt für die einzelnen
Menschen. Vielmehr handelt es sich bei diesem Prozess um eine
reaktionäre Entwicklung, welche die, bisher gegen die Herrschaft
erkämpften Standards sang- und klanglos einkassiert, sich aber als
„neues“ Projekt gibt.

Bildung

Nachdem auch die Hochschulen in den letzten Jahren massiv
umstrukturiert wurde und wird, entwickelte sich hier in den letzten
Monaten entschlossener Protest. Aus verschiedenen Perspektiven wurden
die von Unileitung und Landesregierung forcierten Reformen
angegriffen und in den gesellschaftlichen Kontext von Sozialabbau und
reaktionärer Formierung des Standorts Deutschland gesetzt.
Besonders hervorzuheben ist natürlich der aktuelle Konflikt um die
Einführung allgemeiner Studiengebühren, die am offensichtlichsten zur
Ausgrenzung vieler Studierender führen wird. Auch wenn der Zugang zu
höherer Bildung bisher lediglich formell Allen offen steht, da das
Bildungssystem in Deutschland sehr selektiv ist, verschärfen
Studiengebühren diesen Zustand immens.
Des Weiteren stellen Studiengebühren einen entscheidenden Baustein in
der Ökonomisierung der Hochschule dar. Sie sind dabei nur im Kontext
mit anderen längerfristigen Maßnahmen wie der Einführung von
Bachelor- & Masterstudiengängen, der bereits erfolgten Einführung von
Langzeitstudiengebühren oder der Abwicklung der Kritischen Theorie im
vollen Ausmaß zu begreifen und nur in Zusammenhang damit ernsthaft zu
bekämpfen. Daneben hört die Uni zunehmend auf, öffentlicher Raum zu
sein, sondern wird von der räumlichen Umgebung abgezäunt während das
Innere durch Sicherheitsdienst und Überwachung von alternativen
Informationen und „Universitätsfremdem“ gesäubert wird.
Räumlichkeiten stehen nicht mehr selbstverständlich Studierenden und
alternativen Projekten zur Verfügung, sondern werden über den
privaten Dienstleister „CampuService“ verwaltet und primär ökonomisch
rentabel vermietet.

Ins Auge stechend sind die Parallelen der Entwicklungen in den hier
angesprochenen gesellschaftlichen Bereichen, die nahezu beliebig
ergänzt werden können. In allen Bereichen zielt die Politik darauf,
Verwertung zu optimieren und nicht "Rentables" auszusortieren. Vor
allem der überall vorangetriebenen Verschärfung der sozialen
Ausgrenzung von immer mehr Menschen aus Innenstadt, Universität und
dem gesellschaftlichen Leben wollen wir uns entgegenstellen, um
dagegen die Forderung nach kostenloser Bildung, Grundsicherung und
der Wiederaneignung des öffentlichen Raumes zu halten.

Alles für Alle – und zwar umsonst!

Freitag, 27.10.2006, 21 Uhr, Zoo / Frankfurt am Main

Sunflowers
10.11.2006, 22:14
...wie war den Deine Demo?:)

Doctor Paras
10.11.2006, 22:27
keine ahnung, war nur kurz da, da waren aber schon einige leute. der threadersteller wird dir das sicher sagen können.

Sunflowers
10.11.2006, 22:30
Naja, dann muß ich halt warten

Doctor Paras
10.11.2006, 22:31
schreib doch ne pn