| Einleitung (1980-89):
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Um zu verstehen, wie alles begann und warum diese Bewegung zunächst in die Illegalität abdriftete, möchte ich hier eine Einleitung geben:
House-Music:
Anfang der 80er Jahre entwickelte sich in New York und Chicago eine neue Musikrichtung. Sie wurde rein elektronisch produziert und war extrem gut tanzbar durch stark betonte 4/4-Baßschläge. Man bezeichnete sie House, benannt nach einem Gay-Club in Chicago namens Warehouse. Der neue Sound war kein Massenphänomen, sondern spielte sich hauptsächlich in den schwarzen Schwulen-Kreisen ab. 
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Acid-House:
1986 wurden mit Acid-House die Weichen für eine neue Jugendkultur gestellt. Dieser Musikstil wurde nicht erfunden, sondern eher zufällig entdeckt. Ein gewisser DJ Pierre aus Chicago erstand in einem Secondhandladen eine ausrangierte TB 303. Als nun DJ Pierre damit herumexperimentierte, entdeckte er, daß sich mit Hilfe der Drehknöpfe die Bässe strecken, zerren, verzwitschern und beliebig beschleunigen ließen. |
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Zusammen mit zwei Freunden (Spanky und Herb Jackson) bastelte er daraus unter dem Projektnamen Phuture ein Stück namens Acid Trax. Das war gewissermaßen das Rock around the clock der Techno/House-Bewegung. Das Stück war anders als jedes andere. Solche unglaublichen Töne hatte man auf diesem Erdball noch nicht gehört! Acid Trax war schon berühmt, bevor es 1987 überhaupt auf Platte (Trax Records) gepresst worden ist, denn die DJs kopierten sich die Kassetten wie verrückt. Selbst der Normalbürger auf der Straße soll es gekannt haben. Seitdem nannte man House-Stücke mit einer TB 303 Acid-House. Der Stil entwickelte sich schnell weiter, bekam seine eigenen Merkmale im Gegensatz zum normalen House. Das ging auch so weit, daß eine Verwendung der 303 nicht mehr zwingend notwendig wurde.
Ibiza und Ecstasy:
Das Lifestyle von Ibiza, das geprägt ist durch Party, Sonne, Meer, Sex und Drogen, fand Anfang der Achtziger immer mehr Anklang bei den (besonders aus England) angereisten Touristen. 1987 blühte die Party-Landschaft auf. Englische Jugendliche vergnügten sich in Clubs wie Amnesia, Star, Pacha und Es Paradis. Zu dieser Zeit spielt im Amnesia DJ Alfredo die ersten Acid-House-Platten. Da unter den englischen Touristen auch viele DJs sind, kommen sie hier mit Acid-House zum erstenmal in Berührung. Sie sind begeistert von diesem neuen Sound und der völlig anderen Atmosphäre der Party-People.
Diese besondere Atmosphäre resultierte aber nicht allein aus der neuen Musik, sondern auch aus einer neuen Party-Droge: Ecstasy. Seit den Sechzigern hatten die Jünger des Bhagwan Shree Rajneesh einen Sitz auf Ibiza, wo Bhagwan den Gebrauch von Ecstasy zum gemeinsamen Verstehen, zur persönlichen Entwicklung und zum langen Tanzen propagierte. Die Jünger tanzten in Trance und praktizierten freie Liebe. Die Clubgänger auf Ibiza waren fasziniert und beeindruckt von dem, was sie sahen und nahmen die Droge mit in die Clubs. Ecstasy schien wie gemacht für die neue Szene: es ist appetithemmend, beschert Glücksgefühle, steigert den Antrieb und hält wach. Es eignete sich daher ideal als chemisches Hilfsmittel für durchtanzte Nächte. Die Gefährlichkeit war damals noch nicht bekannt.
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Der Acid-House-Boom in England:
Wie selbstverständlich bringen die englischen DJs diesen Sound und die Droge mit nach Hause. Besonders Paul Oakenfold und Danny Rampling werden schnell zu den Drahtziehern der neuen Bewegung. Im November 1987 eröffnet Danny Rampling in einem alten Londoner Fitnessclub das Shoom. Alles scheint neu: die Musik, das Partyfeeling, die Kleidung. Auch Ecstasy ist hier zum ersten Mal in England erhältlich. Bald darauf macht ein zweiter Kult-Club auf, das von der Gruppe New Order mitgegründete Hacienda in Manchester. Beide Clubs werden zum Dreh- und Angelpunkt der neuen Szene und gleichzeitig zur direkten Verbindung zum Urlaubssound von Ibiza.
1988 übernahm Designer George Georgiou für die Shoom-Poster und den damals noch unbedeutenden Flyern den Smiley von einem Cover des Kult-Comics The Watchmen. Das lachende, gelbe Vollmondgesicht, bekannt von den Hippis der Sechziger, wird schnell zum Synonym für Acid-House allgemein. Im Sommer 1988, der bald als Summer of Love in die Geschichte einging, explodiert die Bewegung. Es kommt in England zum Acid-House-Boom, und nichts war mehr so, wie es mal war: Die Jugend tanzte stundenlang, egal wo, kam völlig ohne Stars und Text aus, von überall her lachte einem der Smiley an, Parties waren absolut friedlich und von Liebe erfüllt, man trank kein Bier, sondern Gatorade und überhaupt wollte man nie wieder eine andere Musik hören, denn diese Musik war der Schlüssel zu einer besserer Welt. Starke Persönlichkeitsveränderung war eines der wesentlichen Elemente der Bewegung. Introvertierte wurden zu Extrovertierten, Arrogante zu Toleranten und Agressive zu friedliebenden Menschen. |
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Langsam wurden die Clubs zu klein, und man suchte sich neue Orte, um zu feiern. Man fand diese in leerstehenden Lagerhallen, alten Bunkern oder einfach auf großen Wiesen mitten in der Natur. Im ganzen Land fanden riesige Parties mit tausenden von Anhängern statt, sogenannte Raves (to rave = toben).
Ende 1988 beginnt die Hetz-Kampagne der englischen Skandalpresse. Vor allem die Sun liefert Überschriften wie Ban This Killer Music! oder Worst Ever! 15.000 at acid bash! Drug pushers galore! Kids of twelve go wild!. Angeblich tausende von Minderjährigen auf einer neuen Droge, das schreckte natürlich Politiker und besorgte Eltern auf. Bald vermutete man hinter jeder Ansammlung von Jugendlichen mit Smiley-T-Shirts einen potentiellen Drogenring. Kaufhäuser verbannten das Smiley-Symbol aus ihrem Sortiment, und Radiostationen boykottierten die teilweisen Nummer-1-Acid-House-Hits. |
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Von nun an wurde sehr genau auf die Polizei und ihre Arbeit geschaut. Als der Druck von außen immer stärker wird, sehen sich die Ordnungshüter zu härteren Maßnahmen gezwungen. In Kent wird die Spezialeinheit Acid House Police Squad gegründet. Dadurch werden Massenverhaftungen üblich. Konsequent wurden nun die Raves niedergeschlagen mit Razzien, Polizeihunden, Straßenabsperrungen und Konfiszieren der Anlagen. Acid House war nun kein Jugendtrend mehr, sondern entwickelte sich zur Staatsangelegenheit. So wanderte die Bewegung in den Untergrund. |
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