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Interviews auf Techno.de
Suzi Wong (28.06.2006) Das Interview führte: Mirko Seifert Techno.de sprach imt Suzi Wong: Techno.de: Dieses Jahr wirst du nicht nur 30 sondern feierst auch dein 10 jähriges DJ-Jubiläum. Wie siehst du deine letzten 10 Jahre aus DJ-technischer Sicht? Suzi Wong: Techno (gemeint als Sammelbegriff der elektronischen Musik der 90er) war für mich die Befreiung aus dem Spießbürgertum, pure Energie und einfach der ganz große Spaß! Platten kaufen war ganz selbstverständlich, denn ich liebte ja diese Musik und wollte sie möglichst oft allen möglichen Freunden vorspielen. 1996 kamen dann die Technics dazu und so nahm das mit dem DJ werden seinen Lauf. Erst wurden Detroit- und Brighton Techno mit Vorliebe gemixt, dann der typische 90er stumpin´ pumpin´ House, Drum´n Bass, Frickelzeugs, Elektroclash und dann natürlich auch Minimal und heute am liebsten alles durcheinander! ;-) Die Mischung machts und ich denke, die Vielseitigkeit verbunden mit dem richtigen Gefühl für die Party und den Moment trennt heutzutage auch die dj-technisch die Spreu vom Weizen. In den 90ern ging es viel mehr als heute einfach um das Gefühl gemeinsam für eine Sache zu stehen, dieses Family-Ding, dieses "Wir sind Techno, also lass uns gemeinsam feiern“. Techno heute ist erwachsen geworden, hat so ziemlich alle Spielarten durch, ist nix neues mehr. Das wissen die Leute und deswegen erwarten sie von dir als DJ verdammt noch mal überzeugt zu werden, dass die Party mit dir an den Plattentellern die beste ist. Du bist heute als DJ - das technische und musikalische Know-How ausgenommen - auch zum großen Teil Psychologe, Dienstleister und Hauptverantwortlicher für eine gute Feier, als einfach nur ein Teil einer Jugendbewegung. Techno.de: In den 10 Jahren hat sich einiges verändert. Was hat sich für dich positiv verändert (z. B. Auflegtechnik)? Suzi Wong: Sehr positiv finde ich, dass elektronische Musik heutzutage voll in unserer Gesellschaft integriert ist, also Techno nicht mehr so belächelt wird wie es in den 90ern der Fall war. Ich hatte als DJ einige sehr positive Erlebnisse auf nicht-technoiden Veranstaltungen wie dem „Splash! Hip Hop Festival“ oder gerade jetzt erst bei den Festivals „Rock am Ring“ und „Rock im Park“. Ich hätte nie gedacht, dass die Leute so gut und ohneKompromisse auf elektronische Musik klar kommen und richtig dazu abgehen. Beim Spash! letztes Jahr sollte ich direkt nach Afrika Bambaataa vor ca. 4.000 abgehenden Leuten auf die Bühne. In der ersten Reihe lauter so Typen mit der Aufschrift „Hip-Hop Polizei“ auf dem T-Shirt und ich dachte, ich sterbe gleich. Ich als Frau, schon mal ganz schwerer Stand in der Hip Hop Szene, und dann auch noch mit rein elektronischen Tunes am Start – das wird wird die Hölle auf Erden, habe ich mir gedacht! Aber ganz im Gegenteil, die Leute haben so heftigst gefeiert (besonders die Jungs mit den Hip-Hop Polizei Shirts), wollten Autogramme und haben mir sogar teilweise Raps vorgetragen nach meinem Set. Das war wirklich ein unglaublich schönes Erlebnis und das wäre auf keinen Fall vor 5 Jahren möglich gewesen. Techno.de: Es klang schon an, du wirst 30. Am 5.8. gibt es dazu eine Party. Wann und wo und wen hast du eingeladen? Suzi Wong: Stimmt, ich werde 30 und freue mich sogar schon drauf. ;-) Ein neuer Lebensabschnitt beginnt und den alten, den 20er, möchte ich deswegen mit einer richtig schönen Party hier in Berlin noch mal musikalisch Revue passieren lassen. Natürlich sollen in erster Linie alle meine Freunde kommen und die, die DJs sind werden dort auch sicher auflegen. Der Ort ist vorerst noch geheim, denn ich weiß noch nicht wie viele Leute offiziell in die Location passen. Worüber ich mich ganz besonders freue ist, dass Andrea Parker (Touchin´ Bass / K7), mit der ich 2005 auf Deutschlandtour war, extra aus London eingeflogen kommt und spielen wird, außerdem, dass Bogger (Digital Gadget Front) aka Jeff Pils, mein alter Dönerlounge Kollege, eins seiner raren elektro Livesets macht! Falls die ganze Sache doch noch öffentlich gemacht wird, checkt einfach immer mal wieder meine Termine unter: www.daswummst.de Techno.de: Du hast begonnen, harte Technomusik in diversen Bunkern aufzulegen. Dann hast du gemerkt, "... da gibt's ja noch was anderes als immer nur Bolzen ...". Wie wichtig war die damalige Zeit für dich? Suzi Wong: Es war wundervoll die Jugendbewegung Techno in den 90ern mitzumachen, das Neue zu spüren, Techno zu leben. Diese Zeit hat mich zu dem gemacht was ich heute bin. Meine Sets prägt der Beat dieser Zeit, der ja auch in allen möglichen neuen Produktionen immer wieder zitiert wird. Wenn ich mir eine aktuelle Platte von Abe Duque Platte anhöre, weiß ich ganz genau was der Mann sagen will. Das ist wie eine geheime Sprache, ein Code, der einfach direkt in den Arsch geht und ihn shaken lässt! Das ist das Erbe der 90er, das ist der ultimative Groove und dieser Groove, egal ob alt oder neu, ist für mich einfach das Größte! Techno.de: Du warst im Juli 1997 bei der Hateparde (heute Fuckparade) in Berlin. Inwiefern identifizierst du dich mit dieser Veranstaltung heute? Suzi Wong: 1997 wurde die erste Hate- bzw. Fuckparade in Berlin als Gegendemo zur Loveparade veranstaltet. In erster Linie ging es dabei damals darum, ein Zeichen gegen die immer weiter zunehmende Kommerzialisierung der Technoszene zu setzen. Ein damaliger Freund aus Bielefeld hatte einen Wagen organisiert und dort haben wir von Jeff Mills bis Ed Rush alles Aufgelegt, was hart aber herzlich ist. Harte Musik war uns wichtig und nette Leute, die wurden aber gegen Ende der 90er immer weniger. Techno war nicht mehr underground, sondern wurde zu einem Massenphänomen. Wir wollten uns irgendwie dieses Underground Gefühl bewahren, aber das geht natürlich nicht auf Dauer, das weiß ich heute. Jetzt hat sich die Elektronik Szene nach dem Zenit ende der 90er wieder gesund geschrumpft und wie bereits schon erwähnt, ist elektronische Musik in den Lebensalltag aller Menschen eingezogen. Die Stile haben sich vermischt und jetzt geht es viel mehr darum einen gewissen undergroundigen Bestand in der Szene zu halten. Meine Meinung ist, dass heutzutage alle Leute die auf underground Musik egal welcher Richtung stehen, zusammen halten sollten und versuchen sollten, eine Alternative zur konserven-mäßigen Chartsmusik aufrecht zu erhalten. Mit der Fuckparade heute kann ich mich nicht mehr identifizieren, weil ich die Musik und die Attitüde, die dort herrscht nicht mag. Techno.de: Kommt für dich ein Auflegen auf einem Loveparade-Wagen überhaupt in Frage? Suzi Wong: Ich denke, die Loveparade ist tot und das was dieses Jahr noch mal als Loveparade reanimiert wird, hat meiner Meinung nach nichts mehr mit der Loveparade an sich zu tun, sondern ist vielmehr ein großes Touristenevent, was sicherlich finanziell sehr einträglich für die Stadt Berlin ist. Die Berliner Elektronik Szene wird davon wohl eher nicht so stark beeinflusst. Ich hätte kein Problem damit, auf einem Wagen aufzulegen, aber finde es auch nicht schlimm, wenn es nicht passiert. Techno.de: Seit April 2004 moderierst du die wöchentliche Radiosendung "Coke dj-culture". Mehr noch: Du moderierst nicht nur, du bist auch redaktionell dafür verantwortlich. Wie bereitest du dich auf die Sendung vor? Ist vieles schon Routine geworden? Suzi Wong: Die Sendung moderiere ich zusammen mit meinem Kollegen DJ B.Side, der musikalisch eher für den Hip-Hop und Black Music Teil der Sendung verantwortlich ist. Er, unsere Chefredakteurin Nadja Metschulat und ich suchen alle Tracks die in den zwei Stunden gespielt werden gemeinsam aus und achten darauf, dass ein musikalischer bzw. inhaltlicher Zusammenhang besteht. Das ist nicht immer ganz einfach, denn oft haben drei Personen auch drei verschiedene Meinungen. Ich denke, das hilft aber auch, die Qualität der Sendung zu halten. Man kann sich so einfach nicht gehen lassen. Routine ist natürlich bei über 2 Jahren wöchentlicher Sendung schon drin, aber es ist noch immer kein Stück langweilig geworden. Techno.de: Wie hilft dir die Sendung um Dj-Bookings zu erhalten? Suzi Wong: Sicherlich, da ich ja noch keine Platte gemacht habe, ist das booking-technisch gesehen eine alternative Referenz dazu. ;-) Techno.de: Was war deine erste gekaufte Vinylscheibe? Suzi Wong: Als Kind habe ich immer diese kleinen Plattenkataloge bekommen, da habe ich mir glaube ich als erstes von Yello „The Race“ als 7“ bestellt. Techno.de: In deiner Bio las ich nichts von eigenen Musikproduktionen. Kommen die noch? Oder läßt du dich nicht unter Druck setzen? Suzi Wong: Ich bin in erster Linie DJ und verstehe es einfach nicht, dass eine gute Platte, gleich einen guten DJ ausmachen soll!? Warum verdient der Produzent, der auflegt mehr Geld als einer der einfach nur gut auflegt, vielleicht viel längere Erfahrung hat und ein ganz anderes Gespür für die Menschen hat? Sicherlich gibt es Multitalente, wie die Wighnomy Brothers oder Ricardo Villalobos, aber die kann man echt an einer Hand abzählen. Mittlerweile kenne ich so einige „berühmte“ Produzenten-DJs und muss sagen, dass es mich erschreckt, wenn die mir erzählen, dass sie wochenlang mit immer demselben Plattenkoffer voll 08/15 Neuheiten durch die Welt jetten und überall gut ankommen. Und schaut man sich die guten DJs an, die meisten davon lassen sich weil der Druck nach einer Platte irgendwann so groß wird, doch dann von irgend jemand anderem produzieren. DJs sind in der Regel nicht introvertiert und sitzen nicht gerne wochenlang vor dem Rechner, DJs sind Frontsäue und wollen raus ans Publikum. Ich werde mich gegen diesen Prozess wohl auch nicht dauerhaft sperren können und weiß, dass wenn ich den nächsten Schritt gehen möchte auch eine Platte brauche. Mal sehen, wie ich das mache? Ich hab da keinen Masterplan und finde es einfach nur ungerecht. Techno.de: Wann merkst du ob die Nacht, wenn du auflegst, gut ankommt? Suzi Wong: Wenn die Leute glücklich sind, tanzen, schreien und man merkt, dass sie einfach nur im hier und jetzt in der Musik sind und ich es auch bin. Dann ist da so was wie eine Energieleitung, direkt zwischen der Musik, dem Publikum und mir. Das ist der schönste Moment und deswegen bin ich DJ! Techno.de: Deine Internetadresse lautet nicht auf deinen Namen sondern auf daswummst.de. Warum? Suzi Wong: Ganz einfach, weil suziwong.de schon an einen Edel Swingerclub in Süddeutschland vergeben war! ;-)) „Das Wummst“ ist ein Ausdruck von mir, wenns mir richtig gut gefällt und beschreibt meine Musik besser als jeder DJ Name. Techno.de: Danke für das Gespräch! Suzi Wong: Ich danke euch! Rave on! ;-) Link: http://www.daswummst.de
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